Bill Gates wird 65: Microsoft-Gründer, Wohltäter und Zielscheibe von Verschwörungsideologen

Er ist erfolgreicher Unternehmer, einer der reichsten Menschen der Welt... und um ihn ranken sich zahlreiche Verschwörungsmythen. Bill Gates feiert am 28. Oktober seinen 65. Geburtstag. Ein Rückblick von der Gründung von Microsoft bis hin zu Corona-Verschwörungsmythen rund um die Technologielegende. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bill Gates kam 1955 in Seattle auf die Welt. Er wuchs mit zwei Geschwistern in einem wohlbehüteten Elternhaus auf. Sein Vater William war Rechtsanwalt, seine Mutter Mary Lehrerin. Schon in der Schule zeigte sich, dass Gates ein kluger Kopf ist - vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften. Als Jugendlicher interessierte er sich besonders für Technik. Er lernte erfolgreich Programmieren und gründete bereits im Alter von 14 Jahren mit seinem Schulfreund Paul Allen die Firma Traf-O-Data.
Bereits als Schüler verdiente Gates mit dem Programmieren sein erstes Geld. Nach der Schule studierte er an der berühmten Harvard University, machte den Abschluss allerdings nicht. Um sich voll und ganz auf seine Karriere im IT-Bereich konzentrieren zu können, brach er das Studium zwei Jahre nach Beginn ab. Im Alter von 20 Jahren hatten er und sein Schulfreund Allen (l.) bereits diverse Computersysteme angepasst. Nun wollten sie sich gezielt auf ihre Microsoft Corporation konzentrieren. 1975 schlossen die beiden einen Vertrag mit dem Unternehmen MITS ab – der Name "Microsoft" entstand im Rahmen einer Werbekampagne.
Die Software des Microsoft-Teams wurde schnell zum Erfolg. Gates entwickelte einen höchst komplizierten Code und stellte sein Programmiergeschick unter Beweis. Den endgültigen Durchbruch schafften Gates und Allen allerdings erst fünf Jahre später: Für den Heimcomputer von IBM entwickelten die beiden ein Betriebssystem.
Im Laufe der 80er Jahre mauserte sich das Zwei-Mann-Unternehmen zu einem der gefragtesten weltweit. Mitarbeiter, die Aktienanteile für einige Hundert Euro erhielten, waren schon Jahre später Millionäre. 1983 verliess Mitbegründer Paul Allen Microsoft, da er schwer erkrankt war. Er blieb aber neben Gates Hauptaktionär.
Microsoft baute sein Angebot immer weiter aus, beispielsweise durch unterschiedliche Versionen des Betriebssystems Windows wie Windows Home. So wurde das Unternehmen auch in privaten Kreisen immer beliebter. Den grössten Konkurrenten – Apple – konnte Microsoft bald abhängen.
Nicht nur beruflich lief es für den Microsoft-Gründer bestens. Er lernte die Programmiererin Melinda French kennen, die Projektmanagerin des Betriebssystemzusatzes Microsoft Bob war. 1994 gab sich das Paar das Jawort. Bill und Melinda Gates (Bild) haben drei gemeinsame Kinder: zwei Töchter und einen Sohn.
Bereits als er und Melinda Gates heirateten, galt Bill Gates als reichster Mann der Welt. Diesen Titel hatte das IT-Genie über ein Jahrzehnt inne: Erst 2008 wurde er für kurze Zeit von Warren Buffet abgelöst.
Im Jahr 2000 gab Gates seinen CEO-Posten an Steve Ballmer ab und arbeitete von da an als Aufsichtsratsvorsitzender und als Chefentwickler von Microsoft. Sechs Jahre später zog er sich komplett aus dem Tagesgeschäft zurück. Ray Ozzie wurde neuer Chefentwickler des Unternehmens.
Mit dem schrittweisen Rückzug hatte Gates mehr Zeit für wohltätige Zwecke. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er 1999 die Bill & Melinda Gates Foundation. Die Stiftung gilt als die grösste Privatstiftung weltweit. Als Hauptziele hat sie sich eine weltweite Verbesserung der Gesundheitsversorgung, Bekämpfung von Armut sowie besseren Zugang zu Bildung und Informationstechnologie auf die Fahne geschrieben. Doch unter anderem wegen zahlreicher Flüge im Privatjet wurde Bill Gates von Kritikern Heuchelei vorgeworfen.
Gates spendete einen Grossteil seines Vermögens bereits an die Stiftung. Ausserdem heisst es, bis zu seinem Lebensende wolle er 95 Prozent an sie abgeben. Die Stiftung hat ihren Sitz in Seattle und beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter. Ausserdem hat sie Niederlassungen in London und Berlin. Ein Grossteil der Stiftungsgelder fliesst nach Afrika. Dort werden unter anderem Agrarwissenschaften gefördert. Vor allem Kleinbauern sollen dadurch unterstützt werden.
Ein Schwerpunkt ist auch die weltweite Impfung gegen Malaria und Kinderlähmung. Mehrere Hundert Millionen US-Dollar stellte die Stiftung dafür bereits zur Verfügung. In diesem Zusammenhang warnte Bill Gates seit Jahren vor möglichen Pandemien. Zudem unterstützte er die WHO. Dass er Impfprogramme auf der ganzen Welt finanziert, ist einigen Impfgegnern allerdings ein Dorn im Auge.
2010 rief Bill Gates gemeinsam mit dem Investor Warren Buffet (r.) die Kampagne "The Giving Pledge" ins Leben. Darin rufen sie Reiche dazu auf, einen Teil ihres Vermögens für das Allgemeinwohl zu spenden. Bereits acht Wochen nach dem Start der Kampagne sicherten 40 US-Milliardäre zu, mindestens die Hälfte ihres Vermögens spenden zu wollen – und es wurden immer mehr. Zu den bekanntesten Unterstützern zählen der deutsche SAP-Gründer Hasso Plattner, New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg, "Star Wars"-Schöpfer George Lucas oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
Vor allem bei Charity-Events ist Bill Gates regelmässig aufzufinden. Ansonsten lebt er zurückgezogen mit seiner Frau und den Kindern am Lake Washington. Mittlerweile sind seine Kinder junge Erwachsene. Seiner ältesten Tochter Jennifer (Bild) machte Gates im Jahr 2018 zu ihrem Uni-Abschluss ein Geschenk im Wert von 16 Millionen Dollar. Die Springreiterin bekam ihre eigene Pferdefarm. Mittlerweile ist die 24-Jährige verlobt.
Weshalb jemand anderes sein, wenn man einfach sich selbst spielen kann? Eine Folge lang spielte Gates in der Kultserie "The Big Bang Theory" keinen Geringeren als sich selbst. In der Episode "The Gates Excitation" besucht er das Unternehmen, in dem Kaley Cuocos Figur Penny (2.v.r.) arbeitet. Ihr Mann Leonard (Mitte, Johnny Galecki) und seine Freunde Sheldon (2.v.l., Jim Parsons), Howard (r., Simon Helberg) und Raj (l., Kunal Nayyar) bekommen von seinem Besuch Wind und tun alles dafür, um die Computerikone zu treffen.
Bill Gates (r.) zählt zu den Menschen auf der Welt, die am meisten bewundert werden. Das Marktforschungsunternehmen YouGov führte 2018 eine Umfrage durch. Schauspielerin Angelina Jolie und der Technik-Modul landeten auf Platz eins. Hinter Gates landeten bei den Männern der ehemalige US-Präsident Barack Obama (l.) und der Schauspieler und Kampfkünstler Jackie Chan sowie Chinas Staatspräsident Xi Jinping und der chinesische Geschäftsmann Jack Ma.
Bill Gates beweist auch gerne sein sportliches Talent – natürlich für den guten Zweck. In Kalifornien standen Tennisprofi Roger Federer (l.) und der Microsoft-Gründer im Jahr 2018 gemeinsam auf dem Tenniscourt. Sie traten im Doppel gegen US-Tennisspieler Jack Sock und US-Fernsehmoderatorin Savannah Guthrie an. Das "Match for Africa" wurde zugunsten der Roger Federer Foundation veranstaltet. 2020 spielten Gates und Federer dann in Südafrika gegen Tennisprofi Rafael Nadal und Comedian und US-Talkshow-Host Trevor Noah.
Mit der Corona-Pandemie wurde Bill Gates zum Feindbild vieler Verschwörungsanhänger. Michael Butter, Professor für Amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen und Experte zu Verschwörungsmythen, erklärte im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news: "Im Weltbild der Verschwörungstheoretiker, in dem alles geplant ist, kann man sich nicht vorstellen, dass jemand von etwas profitiert, wofür er nicht verantwortlich ist. Und Bill Gates wird dann eben unterstellt, dass er mit seiner Stiftung einen globalen Impfzwang durchsetzen will und deshalb das Virus in Umlauf gebracht hat."
Aber nicht nur das wird dem Microsoft-Gründer unterstellt. Er habe das Ganze inszeniert, um sich zu bereichern, lautet eine weitere These. Ein anderer Vorwurf: Gates möchte durch die Verbreitung des Coronavirus die Weltbevölkerung verkleinern. Ein weiterer Faktor, weshalb sich Verschwörungsanhänger auf ihn eingeschossen haben, sei laut Butter, "dass er mit seiner Stiftung Ende des letzten Jahres eine globale Pandemie, die in China ihren Anfang nimmt, simuliert hat und er deshalb in den Augen der Verschwörungstheoretiker das besitzt, was sie Vorwissen nennen."
Bill Gates selbst kann die Verschwörungsmythen um seine Person nicht nachvollziehen. Der "Bild"-Zeitung erklärte er: "Ich bin überrascht, dass mein Name in diesen Verschwörungstheorien auftaucht." Er finde es "irgendwie ironisch", dass er zwar vor der Pandemie gewarnt habe, es aber nun Menschen gebe, die ihn verantwortlich machten. Das alles sei so bizarr, "dass man am liebsten drüber lachen möchte. Aber leider ist es überhaupt nicht lustig", sagte er im Interview mit der "New York Post".
2020 starb der Vater von Bill Gates, William Henry Gates II., im Alter von 94 Jahren. "Wir hatten alle viel Zeit, darüber nachzudenken, wie glücklich wir sind, diesen erstaunlichen Mann so viele Jahre in unserem Leben gehabt zu haben", schrieb Bill Gates auf seinem offiziellen Blog. "Die Bill & Melinda Gates Foundation wäre ohne meinen Vater nicht das, was sie heute ist", sagte er über seinen Vater, der als Vorstand in der Stiftung arbeitete. Zwei Jahre zuvor, 2018, war ausserdem Microsoft-Mitbegründer Paul Allen verstorben.