Einige Restaurants berechnen ihren Gästen in der Coronakrise höhere Kosten. Mit dem Zuschlag von zwei Franken wollen sie den Mehraufwand durch die Hygienemassnahmen ausgleichen.

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Seit dem 11. Mai haben Restaurants in der Schweiz wieder geöffnet. Dort ist jedoch nicht alles beim Alten: Es gelten Hygienekonzepte und Abstandsregeln. Gäste sind ausserdem hin und wieder von der Rechnung überrascht, denn manche Wirte berechnen einen Corona-Zuschlag.

Zwei Franken sind "fairer Betrag"

Zu diesen Restaurants gehört auch das asiatische "Yen’s", das wegen des Schutzkonzepts zwei Franken pro Gast mehr verlangt, wie "20min.ch" berichtet. Der Corona-Zuschlag sei gut überlegt, sagt die Geschäftsführerin Yen Nguyen.

"Zwei Franken pro Person erachten wir als fairen Betrag. Die Coronakrise war sehr einschneidend für unser Familienunternehmen, aber so müssen wir die Preise nicht aufschlagen", erklärt Nguyen. Mit den zwei Franken pro Gast wolle sie die Investitionen für Trennwände und Schutzmaterial decken.

"Wichtig ist mir, dass die Gäste über den Zuschlag informiert sind", sagt die Geschäftsführerin. Auf jedem Tisch und auf der Website sei dieser klar ausgezeichnet. Die Gäste zeigten dafür Verständnis.

Gast muss über den Zuschlag informiert werden

Im Bereich der Gastronomie gelte wie in vielen anderen Branchen auch der freie Markt und Wettbewerb, sagt Stefan Meierhans, der Preisüberwacher des Bundes. "Die Zuschläge sind nicht unzulässig, allerdings wenig sympathisch", erklärt er. "Der Wirt muss jedoch in geeigneter Weise auf diesen Zuschlag hinweisen."

Ähnlich sieht das auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. "Es geht nicht, dass man den Gast erst bei der Rechnung über den Zuschlag informiert", sagt sie. Denn dann habe er "das Recht, die Bezahlung der Gebühr zu verweigern".

Sie warnt jedoch auch vor dem Risiko für Betriebe, dass im Zuge des Corona-Zuschlags das Trinkgeld kleiner ausfallen könnte. Ausserdem habe Stalder die Vermutung, dass manche Restaurants die Preise auch versteckt erhöhen. "Die Kunden werden dies bemerken, wenn sich zum Beispiel für ihr Lieblingsgericht im Restaurant der Preis erhöht hat", sagt sie.

Mehrzahl der Gastro-Betriebe hat Preise nicht angepasst

Laut des Verbands Gastro Suisse sei jeder gastgewerbliche Unternehmer selbst für seine Preisgestaltung verantwortlich. "Wenn ein Wirt viel Geld in Desinfektionsmittel und Schutzmaterial investieren muss, kommt er nicht darum herum, abzuwägen, ob er seine Kalkulation anpassen muss", sagt Präsident Casimir Platzer.

Eine Umfrage von Gastro Suisse hat ergeben, dass die Mehrzahl der Betriebe die Mehrkosten selbst trage, auch wenn sie damit Verluste schreiben. Etwa 87 Prozent der Wirte hätten ihre Preise nicht angepasst, acht Prozent hätten sie erhöht. Das Urteil Platzers: "Das ist eine äusserst loyale Haltung der Betriebe gegenüber ihren Gästen."

Laut Maurus Ebneter, Präsident vom Wirteverband Basel-Stadt, erhöhen manche Betriebe ihre Preise wohl auch deshalb nicht, weil die Sorge, Gäste zu vergraulen, zu gross sei. Im Endeffekt sei es teurer, Kunden wegen des Corona-Zuschlags zu verlieren als diesen gar nicht erst zu verlangen. (tae)  © 1&1 Mail & Media/spot on news