In asiatischen Ländern ist der Urlaub für menstruierende Frauen weit verbreitet: Wer seine Periode hat, darf der Arbeit fernbleiben. In einer österreichischen Umfrage haben sich knapp 50 Prozent von befragten Unternehmensvertretern für den Sonderurlaub ausgesprochen. Arbeitgeber in der Schweiz hingegen sehen ihn skeptisch.

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Österreichs grösstes Stellenportal "karriere.at" hat 105 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter gefragt, ob Menstruationsgeplagte in Österreich zusätzliche freie Tage erhalten sollten. 47 Prozent sollen sich laut "karriere.at" dafür ausgesprochen haben.

Viele Frauen leiden unter Menstruationsbeschwerden

Ebenfalls befragt wurden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Von ihnen seien 39 Prozent für den Sonderurlaub. 23 Prozent würden den "Menstruationsurlaub" nur bei Frauen befürworten, denen Medikamente nicht mehr helfen.

Für viele Frauen sind die Tage ihrer Periode eine leidvolle Angelegenheit: Starke Bauchschmerzen können oft nur mit Schmerzmitteln eingedämmt werden. Bei manchen ist es jedoch so schlimm, dass auch Medikamente nicht helfen: Dann ist sogar aufrechtes Stehen nicht mehr möglich. Weitere Symptome können Verdauungsbeschwerden, Migräne, Appetitlosigkeit und Müdigkeit sein.

Asien ist Vorreiter

In vielen asiatischen Ländern gibt es den "Menstruationsurlaub" schon lange: In Japan gelte laut der "Neuen Zürcher Zeitung" seit 1947 ein Arbeitsgesetz, das die freien Tage während einer beschwerlichen Periode erlaube. In Indonesien hätten Frauen das Recht auf zwei Urlaubstage pro Menstruation, in Taiwan sogar drei.

In Südkorea dürften sich die Frauen die Tage sogar auszahlen lassen, wenn sie keinen Urlaub nehmen. Das Unternehmen Nike habe seit 2007 einen sogenannten "menstrual leave" eingeführt. Es sei einer der erste globalen Grosskonzerne, der einen "Menstruationsurlaub" gestatte.

Meinungsbild in der Schweiz ist gemischt

Arbeitgeber in der Schweiz sehen den Vorschlag skeptisch: "Das konkrete Anliegen eines Menstruationsurlaubs prüfen wir nicht", sagte Fredy Greuter vom Schweizerischen Arbeitgeberverband auf Anfrage der "Neuen Zürcher Zeitung". Der Schweizer Arbeitsmarkt werde über Vorschriften zunehmend beschnitten.

Anliegen wie der Menstruationsurlaub seien zwar "durchaus berechtigt, die Umsetzung per Gesetz ist jedoch falsch." Denn Gesetze seien immer "Einheitslösungen", die die individuellen Möglichkeiten und Gegebenheiten der Unternehmen im Land nicht berücksichtigten. Die Umsetzung müsse deshalb den Unternehmen überlassen werden.

Menstruationsurlaub bricht Tabu

Anderer Meinung sind hingegen die Jungsozialisten der Stadt Bern. "Natürlich reicht es nicht, einfach einen Menstruationsurlaub einzuführen und zu hoffen, jetzt werde alles gut", sagte Barbara Keller der "NZZ", "aber mit dieser Forderung brechen wir ein Tabu."

So sieht es auch Angela Pertinez von Terre des Femmes Schweiz: "Menstruation ist nach wie vor ein Tabu. Daran müssen wir als Gesellschaft arbeiten." (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN