Der Schweizer Bauernverband spricht von einem "Schicksalsjahr": 2020 wird über die Trinkwasser-Initiativen entschieden. Ausserdem stehen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und die Agrarpolitik 22+ an.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Im Mai wird voraussichtlich über die beiden Initiativen "Für sauberes Trinkwasser" und "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" entschieden. Die Spitze des Schweizer Bauernverbandes (SBV) erklärte in der Mitteilung zu ihrer Jahresmedienkonferenz, dass diese Initiativen "die Schweizer Ernährungswirtschaft komplett auf den Kopf stellen würden". Das Jahr 2020 sei für die Schweizer Bauern ein "Schicksalsjahr".

Die Trinkwasser-Initiative fordert, dass nur noch jene Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, die Biodiversität erhalten und nicht regelmässig Antibiotika in der Tierhaltung anwenden. Die Pestizid-Initiative zielt hingegen auf ein Verbot von synthetischen Pestiziden ab.

Trinkwasser-Initiative fördert alternative Wege

Die Trinkwasser-Initiative beinhalte laut Bauernverband keine Verbote. Betriebe könnten deswegen "kontraproduktive Alternativstrategien einschlagen". Dies treffe vor allem auf die Betriebe zu, die ohnehin kaum auf Direktzahlungen angewiesen seien und auf diese dann einfach verzichten würden. Diese Betriebe könnten dann mit stark reduzierten ökologischen Vorgaben profitabler arbeiten.

Wahrscheinlich sei das bei Betriebe mit Spezialisierung auf Kulturen, bei denen der Pflanzenschutz wichtig ist – also Bauern, die Obst, Gemüse oder Wein anbauen. Auch für Betriebe mit Schweine- oder Geflügelhaltung sei dies ein alternativer Weg.

Bauernpolitiker blockieren Umweltschutz

Nach der Annahme der Trinkwasser-Initiative sei es laut SRF nicht mehr möglich, Futter für Schweizer Tiere aus dem Ausland zu importieren. Etwa die Hälfte des Futters für Schweizer Schweine und rund 80 Prozent des Futters für die Schweizer Geflügelproduktion stammen demnach aus dem Ausland.

Das habe Konsequenzen für viele Betriebe. "Es geht darum, die Futtermittelimporte und die zu hohen Ammoniak-Emissionen zu reduzieren. In Gebieten, wo die Tierbestände zu hoch sind, geht das nur mit weniger Tieren", sagt Andreas Bosshart, Geschäftsführer von "Vision Landwirtschaft".

Die führenden Bauernpolitiker würden seit zwanzig Jahren alle Anstrengungen für mehr Umweltschutz blockieren. "Am Schluss leiden die einzelnen Bauern darunter, das ist deprimierend."

Bauernverbandspräsident Markus Ritter sagte hingegen gegenüber dem SRF, dass sich in der Landwirtschaft sehr wohl etwas bewege. So sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ohnehin in den letzten zehn Jahren bereits um 27 Prozent gesunken und jener von Antibiotika in der Tiermedizin um 50 Prozent.

Freihandelsabnkommen und Agrarpolitik 22

Das Freihandelsabkommen mit Mercosur stelle laut Bauernverband "eine Art Gegenpol zu den Initiativen dar". Die Schweiz halte hier "wenig von Nachhaltigkeit und Tierschutz". "Wenn Lebensmittel in Südamerika produziert sind, dann spielt es offenbar keine Rolle, welche Mittel zum Einsatz kamen und ob die Tiere in Feedlots gehalten und völlig artfremd ernährt wurden", heisst es in der Mitteilung.

Die Agrarpolitik 22+ wolle zudem "die Quadratur des Kreises schaffen". Sie wolle die Landwirtschaft nachhaltiger machen, das Tierwohl stärken und gleichzeitig mehr auf Wettbewerbsfähigkeit setzen. "Es ist absehbar, dass dieses Kunststück nicht gelingen wird", schreibt der Bauernverband.

Der Verband fordere deshalb eine klarere und konsequentere Strategie des Bundesrates. Im Abstimmungskampf um die beiden Initiativen wolle der Bauernverband die Bevölkerung zu einem doppelten Nein auffordern, "weil sie die einheimische, nachhaltige Produktion infrage stellen und Importe sowie den Einkaufstourismus ankurbeln". (tae)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bildergalerie starten

Fotos aus aller Welt: Erstaunliche Augenblicke

Hier sehen Sie - ständig aktualisiert - aussergewöhnliche Fotos aus aller Welt.