Viele Schweizer sind doppelt krankenversichert und zahlen dementsprechend zu viele Prämien. Das hat eine Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im Bundesrat ergeben. Beratungsstellen, Politik und Krankenkassen sehen Handlungsbedarf.

Mehr aktuelle News lesen Sie hier

Viele Schweizer zahlen zu viele Krankenkassen-Prämien. Denn: Sie sind häufig zweifach grundversichert. Das zeigt laut "Blick.ch" die Antwort des Bundesrates auf eine Interpellation von SP-Nationalrätin Bea Heim.

So befanden sich 2017 "einige Tausend Versicherte in einer Doppelversicherungssituation." Ein Wechsel zu einer anderen Kasse ist eigentlich nur mit einer rechtlich sauberen Kündigung bei der alten Kasse möglich.

Ausbleibende Kommunikation zwischen den Krankenkassen?

Claudia Odermatt, Rechtsanwältin bei der Caritas-Schweiz-Fachstelle Schuldenberatung, bestätigt gegenüber "Blick.ch", dass eine doppelte Grundversicherung häufig vorkomme und keine Randerscheinung sei.

"Offenbar funktioniert die Kommunikation zwischen den Krankenkassen nicht immer", erklärt Odermatt, bei der Betroffene oft erst mit einem bereits angehäuften Prämienschuldenberg Hilfe suchen würden.

Viele Schuldner seien schlicht überfordert oder realisieren ihre Situation gar nicht. "Bei anderen wiederum sind Vermittler im Spiel, die ihre Arbeit nicht sauber gemacht haben", so Odermatt. Die Caritas fordert nun, dass die Krankenkassen den Informationsaustausch verbessern.

Auch gesetzliche Veränderungen seien denkbar, wie ein zentrales Versichertenregister oder Bussen für Krankenkassen, die den Informationsaustausch nicht gewährleisten.

Politische Unterstützung erhält die Caritas von Grünen-Natonalrätin Maya Graf, die in der Herbstsession eine Motion eingereicht hat. Das Gesetz soll demnach so angepasst werden, "dass niemand zwei oder mehr obligatorische Krankenpflegeversicherungen für den gleichen oder überschneidenden Zeitraum abschliessen kann."

"Mehr Transparenz und einen besseren Datenaustausch"

Auch die Krankenkassen selbst sehen Handlungsbedarf und wollen Doppelversicherungen aufgrund des "grossen bürokratischen Aufwands" vermeiden, so Manuel Ackermann von Santésuisse, dem Verband Schweizer Krankenversicherer.

"Wir haben wiederholt mehr Transparenz und einen besseren Datenaustausch mit den Kantonen und Gemeinden angeregt, damit auch das Problem der Doppelversicherungen möglichst effizient angegangen werden kann."

Der Verband denkt dabei vor allem an einen besseren elektronischen Datenausgleich zwischen Kantonen und Krankenversicherern, sagt Ackermann. Zwei entsprechende Vorstösse hat der Nationalrat laut "Blick.ch" bereits gutgeheissen. (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN