Die Tourismusbranche hat sich dank der Entscheidung vieler Schweizer, Urlaub im eigenen Land zu machen, leicht erholt. Das bestätigt auch der Präsident des Schweizer Tourismusverbands (STV). Die Auswirkungen eines zweiten Lockdowns könnten seiner Meinung nach jedoch "verheerend" sein.

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Aufgrund von steigenden Corona-Neuinfektionszahlen fürchten viele Länder einen zweiten Lockdown - auch die Schweiz. Der Präsident des Schweizer Tourismusverbands (STV), Nicolo Paganini, sprach mit "Bluewin.ch" über den aktuellen Zustand in der Branche und mögliche Auswirkungen einer zweiten Welle.

Im Gastronomiegewerbe sieht es "gar nicht gut aus" - trotz Erholung

Viele Schweizerinnen und Schweizer haben in diesem Jahr Urlaub im eigenen Land gemacht. Für Paganini war dies "nötig" und habe zur Erholung des Tourismusgeschäfts hierzulande geführt. "Im Tessin und in Graubünden sind an manchen Orten Hotels bereits bis Ende August ausgebucht", berichtet er.

Von einer Regenerierung will der Chef des Tourismusverbands jedoch nur teilweise sprechen. Der Grund: in manchen Bereichen wie dem Gastronomiegewerbe sieht es weiterhin "gar nicht gut aus": "Die Juliumsätze bewegen sich insgesamt bei minus 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei auch in den Bergregionen ein Rückgang von 25 Prozent zu beobachten ist." Auch der "Freizeittourismus" habe daran nichts geändert, so Paganini.

Städte können von den Bergregionen lernen

Das Fehlen von internationalen Gästen wirkt sich insbesondere auf die Schweizer Städte negativ aus. Den Beobachtungen des Verbands-Chefs zufolge fehlen hauptsächlich Touristen aus Asien, "vom amerikanischen Kontinent" und Italien. Erschwerend komme eine andere Tatsache hinzu: "Der Hochsommer ist ja bekanntlich nicht die Zeit, in der Städtereisen boomen."

Nicolo Paganini rät den Marketing-Abteilungen in Genf, Zürich und Co. deshalb, verstärkt durch Werbung auf sich aufmerksam zu machen, "so wie es die Bergregionen gemacht haben".

Es wird "zu Kündigungen kommen"

Die Auswirkungen des Corona-Lockdowns im Frühjahr betrachtet Paganini durchaus realistisch. "Ich glaube, dass es zu Kündigungen kommen wird", sagt er. "Es ist eine Illusion zu denken, dass in ein paar Monaten alles wieder normal sein wird."

Hilfe vom Staat nach einer Kündigung gebe es in Form der Arbeitslosenversicherung mit Arbeitslosenentschädigung. Ausserdem seien auch Umschulungen ein nützliches Instrumentarium.

Normalisierung nur mit Impfstoff oder Therapie

Die Hoffnung sollte die Branche dennoch nicht aufgeben, betont der Präsident des STV im Interview. "Es ist sehr ernst! Aber nur schwarzmalen sollte man jetzt sicher nicht."

Zu einer ganzheitlichen Rückkehr zum Normalzustand könne es jedoch nur kommen, wenn das Virus kontrolliert würde. Sollte also "bald ein Impfstoff oder eine Therapie da" sein, "wäre auch wieder an eine Normalisierung zu denken", so der 54-Jährige.

Zweiter Lockdown wäre "Todesstoss für viele Betriebe"

Zuvor könnte es im Herbst oder Winter jedoch zu dem Szenario einer zweiten Corona-Welle kommen. Viele Expertinnen und Experten befürchten dann auch einen zweiten Lockdown.

Dieser wäre nicht nur für die Tourismusbranche, sondern gesamtheitlich ein "Todesstoss für viele Betriebe", warnt Paganini, der für die CVP im Nationalrat politisiert. Viele Branchen, beispielsweise die Gastronomie und die Hotellerie, beeinflussten sich gegenseitig, weshalb ein zweiter Lockdown "verheerend" wäre und "um jeden Preis verhindert werden" müsse.   © 1&1 Mail & Media/spot on news

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