• Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten wohl mehr schwere Wirbelstürme verursachen.
  • Unter anderem Hongkong hat zur Mitte des Jahrhunderts wohl ein sehr hohes Risiko für Wirbelstürme der Kategorie 3.
  • Auch in vielen anderen Weltregionen nehme das Risiko zu, warnen Forscherinnen und Forscher. Aber es gibt auch Ausnahmen.

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Durch den Klimawandel könnte sich das Risiko schwerer Wirbelstürme in vielen tropischen Regionen der Welt bis 2050 mehr als verdoppeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Untersuchung mit vier hochaufgelösten Simulationen über einen längeren Zeitraum hinweg. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Im Golf von Bengalen im nördlichen Indischen Ozean wird sich das Risiko der Berechnung zufolge wohl verringern und im Golf von Mexiko sowie der Karibik etwa gleich bleiben. Die Studie einer Gruppe um Nadia Bloemendaal von der Vrije Universiteit Amsterdam (Niederlande) ist im Fachjournal "Science Advances" erschienen.

Berechnungen des Risikos: Regionen können vorbeugen

"Unsere Ergebnisse können dabei helfen, die Orte zu identifizieren, an denen das Risiko tropischer Wirbelstürme am grössten ist", erklärte Bloemendaal. Lokale Regierungen könnten auf dieser Basis Massnahmen ergreifen, um das Risiko in ihrer Region zu reduzieren, damit Schäden und Todesfälle reduziert werden können. Bisher waren globale Klimamodelle demnach nicht detailliert genug, um das Wirbelsturmrisiko auf lokaler Ebene abzuschätzen.

Das verwendete statistische Modell "Storm" bietet den Forschenden zufolge zwei Vorteile gegenüber bisherigen Methoden: Zum einen sei die räumliche Auflösung mit einem Zehn-Kilometer-Raster viel feiner als die der besten bislang genutzten Modelle. Zum anderen erstreckten sich die Simulationen der tropischen Zyklone über bis zu 1000 Jahre. Weil solche Wetterereignisse in einer einzelnen Region relativ selten sind, ist eine lange Simulationsstrecke hilfreich, um aus zufallsbehafteten Einzelereignissen zuverlässige statistische Werte zu ermitteln.

Anhand von Daten zu Wirbelstürmen im Zeitraum 1980 bis 2017 entwickelten die Forscher ein Basismodell. Die wichtigsten Werte sind dabei die Wassertemperaturen knapp unter der Meeresoberfläche und die Windgeschwindigkeiten. Mit diesem Basismodell verglichen die Wissenschaftler die Simulationen in den vier hochaufgelösten Modellen. Bei den Simulationen für den Zeitraum 2015 bis 2050 wurde der Klimawandel durch ein Szenario mit hohem Treibhausgasausstoss (SSP5-8.5 aus den Sachstandsberichten des Weltklimarates IPCC) nachvollzogen.

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Wirbelstürme werden nicht häufiger - aber schwerer

Die Simulationen ergaben, dass die Gesamtzahl der tropischen Wirbelstürme weltweit gesehen bis 2050 nicht zunimmt, wohl aber die Anzahl der schweren. Das sind Stürme der Kategorien 4 und 5 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala. Für die Einordnung in Kategorie 4 muss mindestens eine Minute lang eine Windgeschwindigkeit von mindestens 209 Kilometer pro Stunde gemessen werden. In vielen Meeresregionen verdoppelt sich den Simulationen zufolge bis 2050 das Risiko solcher Monsterstürme. Dass das Risiko im Golf von Bengalen geringer wird und in der Karibik in etwa gleich bleibt, erklären die Forschenden mit geografischen Besonderheiten der beiden Regionen.

Die hohe Auflösung ermöglicht auch Voraussagen für die Küstenregionen einzelner Länder. Aus den Simulationen ergab sich für die Küste von Kambodscha, dass die Anzahl der von Wirbelstürmen der Kategorie 1 betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner bis 2050 auf das 125-Fache des heutigen Werts steigen könnte. In Australien könnte sich die Anzahl der von Wirbelstürmen der Kategorie 3 betroffenen Menschen um das 94-Fache erhöhen. Auch Hongkong (China) werde zur Mitte des Jahrhunderts wohl ein sehr hohes Risiko für Wirbelstürme der Kategorie 3 haben. (sbi/dpa)

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