Bekannte Bauernregeln - und was sie taugen

"Ist der Paulustag (10. Januar) gelinde, gibt’s im Frühjahr raue Winde." Wirklich? Nun ja: Die Trefferquote vieler Bauernregeln ist miserabel. Doch nicht alle diese Sprüche sind Humbug. Experten erklären, worauf es ankommt. (mcf/Mit Material der dpa)

Die wohl bekanntesten Bauernregeln ranken sich um die Gedenktage von Heiligen wie die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia vom 11. bis 15. Mai. Sprichworte wie "Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie" spielen auf die Nachtfröste an, die bis Mitte Mai vorkommen können. Für empfindliche Pflanzen können sie Folgen haben: "Die kalte Sophie macht alles hie", sagt eine Bauernregel.
Aus meteorologischer Sicht sind speziell diese Aussagen gar nicht so unwahrscheinlich, etwa was Höhenlagen und Täler angeht. "Dort kann sich zu dieser Jahreszeit oftmals noch Kaltluft sammeln", erklärt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Auch Phänomene wie Schafskälte oder eine beständige Periode nach dem Siebenschläfertag kann er mit jahreszeitlich typischen Grosswetterlagen begründen.
Darüber hinaus kann er Bauernregeln aber nicht viel abgewinnen. "Die Trefferquote bei den bäuerlichen Wetterregeln ist aus heutiger Sicht oft erbärmlich schlecht. Da könnte man auch würfeln", sagt Lux. Das gilt zum Beispiel für Sprüche wie "Wie St. Kathrein (25. November) wird’s Neujahr sein" oder "Wenn’s um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt".
Für bare Münze konnte man Bauernregeln noch nie nehmen. Heute aber treffen sie noch seltener zu als früher. Denn mit der Einführung des gregorianischen Kalenders Ende des 16. Jahrhunderts verschoben sich die Gedenktage. Ausserdem hat der Klimawandel Auswirkungen: Die Jahresdurchschnittstemperatur ist gestiegen, was die Häufigkeit bestimmter Grosswetterlagen veränderte und die Vegetationsperiode verlängerte. "Frühlingsboten und Zeigerpflanzen wie Schneeglöckchen, Forsythie und Apfel blühen inzwischen im Schnitt etwa drei Wochen früher als noch Mitte des 20. Jahrhunderts."
Vergleichsweise verlässlich seien Regeln, die sich auf kurzfristige Naturbeobachtungen beziehen, sagt Michaela Basler, Beraterin für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Amberg-Sulzbach. Ein Beispiel: "Entfernen sich die Bienen nicht weit von der Beute, erwarten Schlechtwetter Land und Leute."
Auch "Abendrot, Schönwetterbot" trifft ihr zufolge in unseren Breiten meist zu.
Unbedenklich sind selbstverständlich auch Regeln, die unbestrittene Erfahrungen wiedergeben. So verweist die Regel "Märzen-Schnee tut den Zarten weh" darauf, dass frische Aussaaten bei einem Wintereinbruch häufig erfrieren.
"Mairegen bringt Segen" wiederum deutet darauf hin, dass ausreichend Niederschlag in dieser Zeit für ein gutes Wachstum sorgt. Was geschieht, wenn der Regen ausbleibt, mussten die Landwirte 2018 schmerzlich erfahren: Die Getreideernte fiel vielerorts miserabel aus.