Böllern zum Jahreswechsel hat Tradition und macht vielen Menschen Freude. Es verursacht aber auch viel Müll, Lärm und verschmutzte Luft. Umweltorganisationen raten deswegen, nur ein kleines oder besser gar kein Feuerwerk zu machen.

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Dass solche Empfehlungen bei vielen Menschen, die Silvester mit Krachern und Raketen feiern wollen, sehr unpopulär sind, wissen auch die Umweltschützer. Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt deswegen in seinem Hintergrundpapier auch: "Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollten dies auch bleiben." Dennoch bitte man darum, das persönliche Feuerwerk einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten - im Sinne der Umwelt.

Es gibt in Sachen Feuerwerk mehrere Umweltfragen. Diejenige, mit der sich das UBA am meisten beschäftigt, ist die nach dem Feinstaub. An Silvester wird nämlich durch den Feuerwerksqualm besonders viel davon freigesetzt. Manche Messstationen messen am 1. Januar um 1.00 Uhr nachts 1.000 Mikrogramm pro Kubikmeter oder mehr.

Zum Vergleich: Der Grenzwert für Feinstaub (in der Fachsprache PM10, wobei "PM" für Particulate Matter und "10" für den Durchmesser des Partikels in Mikrometern - also einem Millionstel Meter - steht) liegt EU-weit bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Er darf als Tagesmittelwert pro Jahr nur an 35 Tagen überschritten werden.

Insgesamt verursache Silvesterfeuerwerk rund 4.500 Tonnen an Feinstaub, so das UBA. Das entspreche etwa 15,5 Prozent der Menge, die pro Jahr alle Autos in Deutschland zusammengenommen in die Luft blasen. Und 2,25 Prozent der Menge an jährlichem Feinstaub insgesamt. Sie liegt bei rund 200.000 Tonnen.

Feinstaub ist nicht gut für die Gesundheit

Wie gefährlich Feinstaub für die Gesundheit ist, ist umstritten. Genauer gesagt: ab welcher Menge. Denn dass er negative Effekte hat, kann inzwischen als erwiesen gelten. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge, also etwa Asthmatiker, können bei Mengen wie sie an Silvester in der Luft vorkommen, Beschwerden bekommen. Ebenso Menschen, die eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.

Je kleiner die Partikel, desto weiter können sie in den Körper eindringen (sehr kleine kommen sogar in den Blutkreislauf) und dort potenziell Schaden anrichten. Allerdings warnten Ärzte im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal auch vor einer Dramatisierung dieser Effekte.

Ein Stuttgarter Bürger, der sein Leben lang Tag und Nacht am Neckartor (das in den vergangenen Jahren als besonders stark mit Feinstaub belastet galt) verbringen würde, hätte nach 75 bis 80 Jahren zehn bis zwölf Gramm Feinstaub in der Lunge, sagte etwa der Ärztliche Direktor der Max Grundig Klinik im Schwarzwald, Curt Diehm, der "Ärzte Zeitung". Ein Raucher, der eine Packung Zigaretten am Tag rauche und deshalb Superfeinstaub inhaliere, schaffe diese Menge in zwei Wochen. Er wolle Feinstaub nicht "im Grundsatz" verharmlosen, so Diehm weiter. Die Frage müsse jedoch lauten, ab welcher Dosis Feinstaub "wirklich gefährdend auf Lunge, Herz und Gefässe" wirke.

Vögel verlassen ihre Nester

Dennoch: Das Gefühl, dass die Luft an Silvester zum Schneiden ist und sich in Augen, Hals und Lunge unangenehm anfühlt, kennt wohl jeder. Manche Menschen leiden beträchtlich darunter, ebenso wie unter dem Lärm.

Für den gilt laut dem Sprengstoffgesetz, dass der Knall bei Feuerwerkskörpern der Kategorie 2 (Batterien, Knallfrösche, Raketen und Ähnliches) auf eine Entfernung von acht Metern eine Lautstärke von 120 Dezibel nicht überschreiten darf. Wenn man näher rangeht, steigt die Lautstärke beträchtlich. Bei zwei Metern sei das Geräusch nicht viermal, sondern zehnmal so laut, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Besonders lästig ist die Knallerei für Vögel. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) berichteten Ornithologen am 1. Januar regelmässig von fluchtartig verlassenen Ruheplätzen und erkennbar verstörten Vogelschwärmen, schreibt die "Frankfurter Rundschau". Wer Haustiere hat, hat wohl schon selbst gemerkt, wie Silvester auf Tiere im Allgemeinen wirkt.

191 Tonnen Müll in den grössten Städten

Wenn alle Feuerwerke abgebrannt sind, bleibt zudem ein Haufen Müll zurück. Rund 191 Millionen Tonnen seien es allein in den fünf grössten Städten in Deutschland, also in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main, teilte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) Mitte Dezember mit. Wer den Müll entsorgen muss, steht in der kommunalen Strassenreinigungssatzung, oft sind es aber die Verursacher.

Dass viele Menschen ihren Müll nach der Böllerei aber nicht wegräumen, sieht jeder, der am Neujahrsmorgen durch die Strassen Berlins, Hamburgs oder Münchens geht.

Meistens sind es Plastik-, Holz- und Pappeteile, die sich dann langsam im Winterregen oder -schnee auflösen - wenn sie eben nicht von den kommunalen Stadtreinigungsbetrieben entfernt werden (müssen).

Der VKU warnt in diesem Zusammenhang davor, dass einige Chemikalien der Feuerwerkskörper durch Regen- oder Schmelzwasser weggespült werden und dadurch Böden und Gewässer verschmutzen könnten.

Doch auch für die Tierwelt ist der herumliegende Müll schädlich, vor allem die Plastikteile. „Für jede Grösse von Müll gibt es ein Tier, das so etwas für Nahrung hält“, sagte der Abfallexperte des Nabu, Benjamin Bongardt, der "Frankfurter Rundschau".

Es wäre also gut, wenn der Müll nach dem Feuerwerk mitgenommen und weggeworfen würde. Der richtige Ort dafür ist übrigens die Restmülltonne - nicht die gelbe und auch nicht die Papiertonne.

Verbote in einigen Innenstädten

Laut Umweltbundesamt kaufen die Deutschen jedes Jahr für 100 bis 150 Millionen Euro Feuerwerkskörper ein. Dieser Wert ist seit Jahren einigermassen konstant, auch wenn immer neue Umweltschutzfragen hinzukommen, wie etwa der Feinstaub.

Trotz des immer noch sehr guten Geschäfts, fühlt sich jedoch auch der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) als Vertreter der Hersteller von Feuerwerkskörpern offenbar in der Pflicht, sein Bewusstsein für Umweltthemen zu betonen.

Schon seit langem, heisst es auf der VPI-Website, würden zur Herstellung von Feuerwerkseffekten nur solche Chemikalien verwendet, deren Rückstände nach dem Abbrand kein Umweltrisiko darstellten.

Plastik- und Kunststoffmaterialien befänden sich "auf dem Rückzug". Solche Materialien würden nur noch dort verwendet, wo es für die Sicherheit der Kunden notwendig sei. Sie müssten von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen sein. Mittlerweile werde fast nur noch recyceltes Papier und Pappe verwendet, so der VPI.

Am Ende seines Textes zur Geschichte des Feuerwerks schreibt der Verband noch: "Mit einem Feuerwerk zu feiern ist immer ein Freudenfest!" Das sehen auch viele Menschen in Deutschland so, aber nicht jede Stadtverwaltung. So haben etwa Hannover, Düsseldorf, Dortmund, Göttingen und Bremen sowie einige Städte in Niedersachsen und Bayern das Böllern in ihren Innen- und Altstädten eingeschränkt oder ganz verboten.

Verwendete Quellen:

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