Das Fachmagazin "Oekoskop" schlägt Alarm: Nach einer Hochrechnung sind 2018 in Schweizer Wäldern 700 Kilogramm hochtoxische Insektizide gespritzt worden - viele davon giftig für den Menschen.

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Wer im Wald spazieren geht, erwartet frische Luft und Ruhe. Dass dort Gifte versprüht werden, denkt kaum jemand. Doch genau das soll Alltag sein.

Wie das von Schweizer Ärzten für Umweltschutz (Aefu) herausgegebene Fachmagazin "Oekoskop" festgestellt hat, wurden 2018 in Schweizer Wäldern Hochrechnungen zufolge rund 700 Kilogramm hochtoxische Insektizide auf gefällte Bäume gespritzt. Dadurch sollen sie vor einem Befall durch Forstschädlinge wie dem Borkenkäfer geschützt werden.

Manche Insektizide, darunter Cypermethrin und Chlorpyrifos, stehen sogar im Verdacht, Krebs zu verursachen und bei Kleinkindern Entwicklungsstörungen bis hin zu Hirnschäden auszulösen. "Solche Gifte gehören nicht in den Wald", sagt Aefu-Geschäftsleiter Martin Forter. "Schliesslich klettern dort Kinder auf den Baumstämmen herum und Familien machen Picknicks darauf."

Bedrohliche Ausmasse schweizweit

Wie "Blick.ch" berichtet, soll die Jahresbilanz schweizweit sogar noch schlimmer sein. Insgesamt rund 2.200 Tonnen Pestizide werden jährlich in der Schweiz versprüht.

Vor allem in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen sind Gewässer nach Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft deswegen so stark belastet, dass akute Vergiftungsgefahr für Pflanzen und Lebewesen besteht.

Fast alle Kantone erlaubten die giftigen Pflanzenschutzmittel

Generell wird der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden im Wald nicht erlaubt. Trotzdem sollen 22 der 25 kantonalen Forstämter teilweise die ausdrücklich verbotenen Mittel bewilligt haben. Die Mittel seien zwar manchmal nötig, um beispielsweise nach Stürmen einen Borkenkäferbefall zu verhindern, aber teilweise würden die Ausnahmebewilligungen Ergebnissen von "Oekoskop" zufolge ausgenutzt.

Die Kantone begründen Pestizideinsatz in "Oekoskop" ausserdem damit, dass er die Konkurrenzfähigkeit ihrer Holzwirtschaft steigere.

Es geht auch ohne Toxine

Wie gut Forstwirtschaft auch ohne Insektizide funktioniert, beweist der Kanton Glarus bereits seit Jahren. Dort wird das Holz schnellstmöglich aus dem Wald geschafft, bevor es überhaupt von Borkenkäfern befallen werden kann - ein Einsatz von Insektiziden ist dadurch überflüssig. Trotz grosser Schäden durch den Sturm Burglind im letzten Jahr, habe diese Taktik gut funktioniert sagte Maurus Frei, Leiter der Glarner Fachstelle Wald zu "Oekoskop".

Der extreme Hitzesommer von 2018 führte zur Massenvermehrung von Forstschädlingen wie Borkenkäfern und Schwammspinnern. Trotzdem sollten Pestizide laut dem Bundesamt für Landwirtschaft erst als letztmögliche Option genutzt werden, denn sie treffen im Wald ausser den "Schädlingen" immer auch andere Insekten und Tiere. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN