Nach Angaben zahlreicher Klimaforscher setzt sich der Gletscherschwund in der Schweiz weiter fort. Die Verlustbilanz sei so hoch wie noch nie.

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Trotz der Schneemassen Anfang des Jahres fordert die Hitzewelle nun ihren Tribut. In den vergangenen zwölf Monaten sind etwa zwei Prozent des Gletschereisvolumens verloren gegangen.

Das hat nun die Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) festgestellt. Ihre Bilanz beruhe auf Messungen an etwa 20 verschiedenen Gletschern, heisst es bei "nzz.ch".

In diesem Jahr wurde der drittwärmste Sommer seit Beginn der Messungen vermeldet. Besonders die Hitzewellen Ende Juni sowie Ende Juli wirkten sich negativ auf die Bilanz des Eisvolumens aus: In 15 Tagen schmolzen in den Alpen riesige Massen an Eis und Schnee.

Die Menge an Schmelzwasser soll nach Angaben der Expertenkommission etwa dem jährlichen Trinkwasserverbrauch in der Schweiz entsprochen haben.

Temperaturrekord auf dem Säntis

Besonders in Höhenlagen seien die Temperaturen ungewöhnlich hoch gewesen, erklärt Matthias Huss von der ETH Zürich. Er weist noch einmal darauf hin, dass es auf dem Säntis Ende Juli mit 21 Grad Celsius einen Temperaturrekord gab. Auch auf dem Jungfraujoch habe man mehrfach Temperaturen von über zehn Grad gemessen.

Zudem sei es neben der Hitzewelle auch weitgehend wolkenlos in den Alpen gewesen. So hätten die Gletscher während des Sommers viel Sonnenstrahlung aufgenommen, was sie zusätzlich aufgeheizt habe, so Huss.

Lediglich oberhalb von 3.000 Metern Höhe habe es hin und wieder geschneit. Erst um den September herum kam es teils wieder zu Schneefällen unterhalb der 2.000-Meter-Grenze.

Kleine Gletscher am meisten betroffen

Die Verlustbilanz der Gletscher sei regional unterschiedlich ausgefallen. So ging die Eisdicke im Norden und Osten der Schweiz um ein bis zwei Meter zurück – ein besonders grosser Schwund, während der Verlust im südlichen Gotthardgebiet geringer ausfiel.

Aufsummiert aus den vergangenen fünf Jahren belaufe sich der Verlust auf etwa zehn Prozent. Ein derartiger Schwund sei in den über 100-jährigen Datenreihen noch nie beobachtet worden.

Insbesondere die kleineren Gletscher seien von der massiven Sommerhitze betroffen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts seien über 500 kleine Gletscher verschwunden. Bis 2050 könne das auch auf alle übrigen kleinen Gletscher der Schweiz zukommen.

Bald gar keine Gletscher mehr?

Laut Klimaforschern würde der Eisschwund selbst bei einer pausierenden Klimaerwärmung über Jahrzehnte andauern, da sich die Gletscher aktuell nicht in Balance befinden. Der Schwund könne aufgrund des erhöhten Temperaturniveaus und der wenigen Schneefälle nicht ausgeglichen werden.

Weiter gehen die Forscher davon aus, dass die Temperaturen stetig weiter steigen werden. Nach Angaben der Projektionsrechnungen, die Anfang dieses Jahres von Huss und zwei Universitätskollegen im "Journal of Glaciology" veröffentlicht wurden, wird in den Alpen gegen Ende des 21. Jahrhunderts nur noch zwischen einem Drittel und einem Zehntel des Eisvolumens vorhanden sein, das 2017 verzeichnet wurde. (eee)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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