Sie ist wieder auf dem Vormarsch: Nachdem über viele Jahre die Europäische Wildkatze in der Schweiz als so gut wie ausgerottet galt, haben aktuelle Untersuchungen ergeben, dass sich das Raubtier seinen Lebensraum zurückerobert.

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Die Europäische Wildkatze siedelt sich wieder in der Schweiz an. Das hat der Verein für Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz (Kora) im Rahmen des Projekts "Die Rückkehr der Europäischen Wildkatze" herausgefunden. Damit seien Wildkatzen nicht nur im Jura, sondern auch im Mittelland und im nördlichen Alpenraum wieder präsent, heisst es in einer Mitteilung der Wildtierfachstelle.

Seit einigen Wochen hat das Team der Non-Profit-Organisation im Bezirk Bucheggberg SO und in angrenzenden Berner Gemeinden Fotofallen aufgestellt. Insgesamt konnten an 9 der 34 Standorte phänotypische Wildkatzen fotografiert werden.

Hat der Artenschutz gewirkt?

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Wildkatze in diesem Gebiet wieder angesiedelt hat", sagte Projektleiterin Lea Maronde gegenüber "20 Minuten". Zuvor konnte die Wildtierfachstelle am Jurasüdfuss an zehn Standorten Wildkatzen ablichten und am Südufer des Neuenburgersees eine Population nachweisen.

Für die Ausbreitung könnten laut Maronde verschiedene Faktoren verantwortlich sein. Seit 1962 steht die Waldkatze, wie die Europäische Wildkatze auch genannt wird, unter Schutz. Ihre starke Verfolgung und Bejagung hatte zum Zusammenbruch der Population geführt. Die Schutzmassnahme könnte durch den wieder anwachsenden Bestand jetzt gegriffen haben, wie die Wildtier-Ökologin erklärte. Ausserdem profitiere die Schweiz von der Zuwanderung aus Frankreich, wo die Tiere ebenfalls vorkommen.

Eine neue Bedrohung wartet bereits

Auch das verbesserte Nahrungsangebot durch die Erholung des Nagetierbestands könne ein Grund sein. "Das sind aber erst Spekulationen, zu denen noch keine gesicherten Daten vorliegen", betonte die Wissenschaftlerin. Auch will das Kora-Team noch mehr über die Hybridisierung, also die Vermischung zwischen Wildkatze und Hauskatze erfahren. Diese könnte zur Bedrohung der Art beitragen und ist bei einer kleinen Population sehr wahrscheinlich – "da die Wildkatzen keine Artgenossen zur Fortpflanzung finden", so Maronde. Zusätzlich zu den Fotofallen hat Kora deshalb Lockpfosten aufgestellt, an denen die Katzen Haare zur genetischen Analyse hinterlassen. (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN