• Haben Sie auch manchmal den Kopf in den Wolken? Redwendungen gibt es im Deutschen viele.
  • "Alter Schwede", "ans Eingemachte gehen" und mehr: Erfahren Sie, wo einige ihren Ursprung haben.

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Redewendungen sind so alltäglich und selbstverständlich, dass wir uns nur selten fragen, woher sie eigentlich stammen. Deswegen haben wir uns ein paar beliebte Sprichwörter herausgesucht und sind deren Bedeutung und Ursprung auf den Grund gegangen.

Auf der Leitung stehen

Wenn jemand sehr lange braucht, um etwas zu verstehen, dann steht der- oder diejenige "auf der Leitung". Der Ursprung dieser Redensart liegt schon einige Zeit zurück, und zwar in der Anfangszeit der Telefontechnik. Zu dieser Zeit sind die Menschen noch davon ausgegangen, dass die Telefonleitung wie ein Wasserrohr funktioniert und die Nachrichten und Gespräche wie Wasser hindurchfliessen. Da die Qualität der Übertragung von Anrufen häufig noch sehr schlecht war und die Gespräche dadurch manchmal nur schwer verständlich waren, gingen die Menschen fälschlicherweise davon aus, dass der Gesprächspartner auf der Telefonleitung steht. Daraus entwickelte sich dann schlussendlich die Redensart "auf der Leitung stehen", wenn jemand zeitweise Verständnisprobleme hat.

Auf Tuchfühlung gehen

Wenn zwei Menschen "auf Tuchfühlung gehen", dann nähern sie sich einander an und lernen sich kennen. Ihren Ursprung findet diese Redensart in der Soldatensprache. Beim Antreten stehen Soldaten oft sehr nahe beieinander, so nah, dass sich die Tücher ihrer Uniformen berühren. Sie gehen also "auf Tuchfühlung".

Auf einer Wellenlänge sein

Wenn man sich mit Freunden richtig gut versteht, dann ist man "auf einer Wellenlänge". Ursprünglich stammt die Phrase aus dem Funkverkehr. Wenn sich zwei Menschen über ein Funkgerät unterhalten, benötigen sie eine stabile und gleiche Wellenlänge, damit sie sich verständigen können.

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Abwarten und Tee trinken

Wenn dir jemand rät, "abzuwarten und Tee zu trinken", dann will der- oder diejenige damit ausdrücken, dass man geduldig sein soll, weil man in der jeweiligen Situation keine andere Wahl hat, als einfach Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Ausdruck verwendet, um kranken Menschen mitzuteilen, dass sie sich in Ruhe auskurieren und bestenfalls viel Tee trinken sollten, um ihre Genesung schnell voranzutreiben.

Am Hungertuch nagen

Jemand, der "am Hungertuch nagt", ist jemand, der Not leidet, weil der- oder diejenige nicht viel Geld verdient und sich dadurch nicht viel leisten kann. Das "Hungertuch" bezieht sich auf ein tatsächliches Tuch, das zur Fastenzeit in der Kirche über den Altar gehängt wurde. Das Tuch galt als Mahnmal für die Gläubigen, damit diese für ihre Sünden geradestehen. Da das Tuch traditionellerweise genäht wurde, etablierte sich zunächst der Spruch "am Hungertuch nähen". Später wurde die Redewendung zum heute weitverbreiteten Sprichwort "am Hungertuch nagen" umgedeutet.

Am längeren Hebel sitzen

Wenn man selbst von sich behauptet, man würde "am längeren Hebel sitzen", dann drückt man damit aus, mehr Macht und Einfluss zu haben. Andere Personen müssen sich also den eigenen Entscheidungen beugen, auch dann, wenn sie damit nicht zufrieden sind. Zwar geht es bei dem Sprichwort nicht um einen tatsächlichen Hebel, aber um die Kraft, die dieser in Gang setzen kann. Ein Hebel kann Gewichte bewegen – je länger der Hebel, desto einfacher und schneller können schwere Dinge bewegt werden. Die Redewendung drückt also ein ungleiches Kräfteverhältnis aus, bei dem der- oder diejenige, der oder die "am längeren Hebel sitzt", immer gewinnt.

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Ans Eingemachte gehen

"Ans Eingemachte gehen", bedeutet so viel wie: Es wird ernst und geht an die Substanz. Zwar findet man heute in den wenigsten Regalen noch echtes "Eingemachtes", vor circa hundert Jahren sah das Leben ohne Supermarkt und Kühlschrank jedoch noch ganz anders aus. Um den Winter zu überstehen, legten sich die meisten Haushalte Vorräte an. Nahrungsmittel wie Fleisch, Gemüse, Pilze und Obst wurde durch Kochen haltbar gemacht und in luftdichten Gläsern verschlossen. Wenn sich also die frische Nahrung dem Ende zuneigte, musste man zu den Notfallreserven greifen – es ging also "ans Eingemachte".

Alter Schwede

Die Redewendung "Alter Schwede" soll Überraschung, Verwunderung und Anerkennung ausdrücken. Um den Ursprung des Ausdrucks zu erfassen, müssen wir eine kleine Zeitreise machen: Der Dreissigjährige Krieg (1618-1648) verlief für die Protestanten zunächst nicht sonderlich gut, weswegen sie auf die Erfahrung und Hilfe schwedischer Soldaten zurückzugreifen mussten. Die schwedischen Soldaten bildeten das preussische Heer in ihrer Kampfkunst aus. Sie hatten einen besonders guten Einfluss auf die Truppe und verbesserten deren Kampfkraft sehr schnell. Das preussische Heer war so begeistert und beeindruckt von den schwedischen Soldaten, dass sie diese respektvoll mit "Alter Schwede" ansprachen.

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