• Forscherinnen und Forscher haben einen sterbenden Stern entdeckt.
  • Um ihn herum zieht eine ungewöhnliche Abfolge von mondgrossen Trümmerwolken.
  • Den Astronomen zufolge deutet dies darauf hin, dass es dort auch einen lebensfreundlichen Planeten geben könnte.

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Astronominnen und Astronomen haben 65 mondgrosse Trümmerwolken nachgewiesen, die einen Weissen Zwergstern in einer lebensfreundlichen Zone umkreisen. Da sie auf der Umlaufbahn um den Stern alle im selben Abstand nebeneinander angeordnet sind, vermutet das Forscherteam zudem einen Planeten in dieser Region.

Die Entdeckung beim Weissen Zwergstern WD1054-226 gelang den Forschern mit Hilfe des New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile und dem auf die Suche nach Exoplaneten spezialisierten Weltraumteleskop "Tess" der US-Raumfahrtagentur Nasa.

Da es sich bei dem 117 Lichtjahre entfernten WD1054-226 um einen sterbenden Stern handele, wäre der Nachweis eines Planeten in dieser Umgebung überraschend, schreiben die Astronomen im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Solche Planeten können nicht direkt beobachtet werden

"Die Möglichkeit eines Planeten in der lebensfreundlichen Zone eines Weissen Zwergs ist aufregend und unerwartet", erläuterte Studienleiter Jay Farihi vom University College London in Grossbritannien. "Es ist allerdings wichtig zu bedenken, dass wir weitere Beweise brauchen, um die Existenz eines solchen Planeten zu bestätigen, denn wir können ihn nicht direkt beobachten."

Farihi und seine Kollegen hoffen auf genauere Daten vom 2021 gestarteten Weltraumteleskops "James Webb" der Nasa, das derzeit seine Testphase durchläuft.

Wenn Sterne ähnlich unserer Sonne ihren nuklearen Energievorrat verbraucht haben, blähen sie sich zunächst zu einem Roten Riesenstern auf und kollabieren anschliessend zu einem nur noch etwa erdgrossen Weissen Zwerg. Der Sonne steht diese Entwicklung in etwa fünf Milliarden Jahren bevor – und bei ihrer Aufblähung wird sie vermutlich die Planeten Merkur und Venus verschlingen – möglicherweise auch unsere Erde.

Aber auch der Rest des Planetensystems gerät durcheinander, es kommt zu Bahnänderungen und Zusammenstössen. Deshalb sind viele Weisse Zwerge von Scheiben aus Staub und Planetentrümmern umgeben.

Astronomen entdecken bei Beobachtungen seltsame Erscheinung

So auch WD1054-226. Doch bei ihren Beobachtungen stiessen Farihi und seine Kollegen auf eine seltsame Erscheinung: Der Zwergstern wird regelmässig alle 23 Minuten durch eine mondgrosse Verdichtung in der Trümmerwolke verdunkelt. Offenbar umkreisen 65 solcher Strukturen in gleichmässigen Abständen den Weissen Zwerg mit einer Umlaufzeit von 25 Stunden.

Die Forscher zerbrachen sich ihre Köpfe, wie sich dieses überraschende, niemals zuvor beobachtete Phänomen erklären liesse. Die wahrscheinlichste Ursache, so ihr Schluss, ist ein grösserer Planet, der seine Bahn in der Nähe zieht, so dass es zu einer Resonanz und damit zur Bildung dieser regelmässigen Verdichtung kommt.

Ähnliche Erscheinungen kennen Astronomen von den Planetenringen in unserem Sonnensystem: Dort können nahe "Schäfer-Monde" zu Verdichtungen führen.

Auch um Weisse Zwerge könnte es Leben geben

Noch spannender wird diese Erklärung dadurch, dass sowohl die Verdichtungen als auch der vermutete "Schäfer-Planet" ihre Bahnen in der lebensfreundlichen Zone des Weissen Zwergs ziehen. So bezeichnen Astronomen jene Region um einen Stern, in der auf der Oberfläche von Himmelskörpern flüssiges Wasser existieren könnte. Und flüssiges Wasser ist nach heutigem Wissen eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung und Existenz von Leben.

Allerdings könnte auf einer so engen Umlaufbahn – nur 2,6 Millionen Kilometer vom Stern entfernt – kein Planet die Aufblähung zu einem Roten Riesenstern überstehen. Zum Vergleich: Die Erde ist 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Der Planet müsse daher, so die Wissenschaftler, entweder später von weiter aussen dorthin gelangt sein, oder sich sogar erst in der Trümmerscheibe gebildet haben.

Bestätigt sich die Entdeckung, würde dies jedoch die faszinierende Möglichkeit eröffnen, dass es auch um Weisse Zwerge Leben geben könnte. Diese Zwergsterne erzeugen zwar keine Energie mehr, aber sie sind immer noch sehr heiss und kühlen nur langsam über Jahrmilliarden hinweg ab. Etwa zwei Milliarden lang, so schätzen Farihi und seine Kollegen, könnte ein Planet um WD1054-226 lebensfreundlich sein. (ff/dpa)

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