Auch wenn es immer wieder in Vergessenheit gerät: Der Ausbruch des Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo ist noch nicht vorbei. Die Todeszahlen steigen weiter, immer mehr stecken Menschen sich an. Für Hilfsorganisationen wie UNICEF ist die Arbeit in dem Gebiet kompliziert.

Es ist eine unsichtbare Gefahr, welche die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo bedroht: Noch nie hat sich das Ebola-Virus hier so schnell ausgebreitet. Derzeit wird auf Hochtouren nach einem Impfstoff gesucht, doch noch ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Erste Impflieferungen gegen den weitaus üblicheren Zaire-Stamm sind bereits im Land eingetroffen. Dieser sei jedoch laut WHO nur für den begrenzten Einsatz bei Gefährdeten vorgesehen.

Nach Angaben des Informationsministeriums in der Demokratischen Republik Kongo sind fast 3.000 Menschen an dem Virus gestorben. "Der Ausbruch hat mittlerweile ein für die Demokratische Republik Kongo beispielloses Ausmass erreicht – ein Land, in dem es mehr Ebola-Ausbrüche gab als irgendwo sonst", sagt auch John James, Sprecher von UNICEF, auf Anfrage der Redaktion. Und: "Nach unserem Kenntnisstand sind wir noch weit vom Höhepunkt der Epidemie entfernt."

James leitet die Kommunikationsabteilung von UNICEF in der Zentralafrikanischen Republik. Zu Beginn des diesjährigen Ebola-Ausbruchs war er in der Demokratischen Republik Kongo vor Ort.

Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: Warum trifft es so viele Kinder?

Vor allem Kinder und Jugendliche sind durch das Virus gefährdet. Ihr Sterberisiko ist beinahe doppelt so hoch wie bei Erwachsenen. "Gerade kleine Kinder haben naturgemäss viel Körperkontakt zu ihren Bezugspersonen, wodurch sie potenziell einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind", erklärt James.

Das stellt vor allem in der Demokratischen Republik Kongo ein grosses Problem dar: Denn die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Kindern. Zusätzlich zum Ebola-Ausbruch berichtet UNICEF von einem erheblichen Rückgang von Impfungen gegen Malaria oder andere Krankheiten. Dies, so James, hätte schwerwiegende Auswirkungen, sowohl auf die Zukunft der Kinder als auch auf ein eigentlich gut funktionierendes Gesundheitssystem.

Kinder sind auch anderweitig von dem schweren Ausbruch betroffen: Denn auch wenn sie sich nicht anstecken, so haben zahlreiche Kinder ihre Eltern durch die Krankheit verloren. Andere Kinder müssen von ihren Eltern isoliert werden, um sich nicht ebenfalls anzustecken.

Kinderbetreuung in Zeiten von Ebola

So ging es auch Muhibo Sylvie, die an Ebola erkrankte und von ihren Kindern getrennt werden musste, bis sie genesen war. Nach zwei Wochen konnte sie ihr drei Monate altes Baby wieder in den Armen halten: "Ich bin sehr glücklich, mein Kind bei guter Gesundheit zu sehen. Im Behandlungszentrum habe ich viel an es gedacht, aber glücklicherweise wusste ich, dass es in der von UNICEF unterstützten Kinderkrippe gut versorgt war", sagt sie.

Eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Schoss
Muhibo Sylvie mit ihrem Sohn Eliya. Nach der Ansteckung mit dem Ebola-Virus musste die Mutter ihren Sohn und ihre anderen Kinder in der Obhut von UNICEF lassen. © © UNICEF/UN0877984/Benekire

UNICEF unterstützt Familien während der Behandlungsdauer und hat in der Nähe eines Behandlungszentrums ebenfalls eine Kinderbetreuung eingerichtet.

Wieso ist dieser Ebola-Ausbruch so schwerwiegend?

Was macht diesen Ausbruch so gefährlich? Zunächst einmal wurde er durch einen anderen Virusstamm ausgelöst als bei den Ausbrüchen in den vergangenen Jahren. Der Bundibugyo-Stamm ist deutlich seltener – und es gibt hier noch keinen zugelassenen Impfstoff.

Empfehlungen der Redaktion

Trotz der Bemühungen von UNICEF und von anderen Hilfsorganisationen ist die Situation bei Weitem nicht unter Kontrolle. Oft ist es kaum möglich nachzuverfolgen, wo eine Person sich infiziert hat. Immer wieder kommt es in abgelegenen Regionen zu Ansteckungen, auch da, wo die medizinische Versorgung nicht flächendeckend gegeben ist. So können Menschen nicht angemessen behandelt oder darüber informiert werden, wie sich das Virus verbreitet und wie sie sich schützen können.

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Die angespannte politische Lage erschwert es, Menschen zu identifizieren, die sich angesteckt haben, und sie zu behandeln, bevor sie das Virus weiterverbreiten. Die aktuelle humanitäre Lage, das Arbeiten in einem aktiven Konfliktgebiet, die Vertreibung der Menschen, die vor Gewalt fliehen, und gekürzte finanzielle Mittel sind laut James von UNICEF "eine enorme Herausforderung". Er fordert stärkere internationale Unterstützung, um dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht weiterverbreitet – sowohl in der Demokratischen Republik Kongo als auch den Nachbarländern.

Verwendete Quellen