Ob "Bio Bittere Aprikosenkerne", "Hachez-Fondantsterne", "Reblochon de Savoie-Käse", "Beauty Kollagen" oder Herrenlederhosen: Jede Woche passiert es, dass vor Produkten im Handel gewarnt wird oder diese zurückgerufen werden. Aber wie kommt es eigentlich dazu?

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Wenn durch ein Produkt Gefahren für die Gesundheit oder die Sicherheit von Endverbrauchern bestehen, dann wird es ernst für Unternehmen, die dieses hergestellt haben.

Rechtsanwalt Dr. Sami Bdeiwi von der Hagener Kanzlei Hefer Streppel & Partner erklärt, was es mit Rückrufen auf sich hat.

Wer entscheidet über einen Rückruf?

Ein Unternehmen kann sich entweder selbst für einen Rückruf entscheiden oder es wird von einem Gericht dazu verpflichtet, nachdem zuvor Behörden, Konkurrenten oder Privatpersonen einen Mangel angezeigt haben.

Wann wird ein Produkt zurückgerufen?

Insbesondere Mängel oder Fehlfunktionen eines Produktes, die dem Endverbraucher schaden können, sind Gründe für einen Rückruf.

"Ein Unternehmen wägt immer ab, ob es besser ist, einen Rückruf selbst zu starten und damit einen Imageschaden in Kauf zu nehmen oder ob es nur eine Produktwarnung herausgibt und abwartet, welche Schadensersatzforderungen dann im Raum stehen", sagt Dr. Sami Bdeiwi.

Aus seiner Erfahrung heraus geben die meisten Unternehmen aus Angst vor einem Imageschaden Produktwarnungen heraus - "das geht natürlich nur, wenn es sich nicht um fatale Gesundheitsgefährdungen handelt wie in dem Fall vor etlichen Jahren, als Glassplitter in Babynahrung waren".

Wie funktioniert ein Rückruf genau?

Die meisten Hersteller können gar nicht wissen, wer ihre Produkte letztendlich kauft - Beispiel: Einkauf im Supermarkt.

Laut dem Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz muss in Deutschland jedoch eine gewisse Rückverfolgung gewährleistet sein, weshalb Produkte auch mit Chargennummern gekennzeichnet sind.

Wird ein Rückruf in Gang gesetzt, dann wird er vom Unternehmen selbst und insbesondere über Medien, Online-Portale, Ämter oder Händler publik gemacht.

Welche Konsequenzen drohen, wenn sich der Rückruf als wahr oder falsch herausstellt?

"Im Wahrheitsfall hat das Unternehmen vorbildlich gehandelt und den Schaden wahrscheinlich minimiert", erklärt Dr. Bdeiwi. Stelle sich eine Rückrufaktion im Nachhinein jedoch als falsch dar, sei der Schaden meist überschaubar, abgesehen von Mehrarbeit und Imageschaden für das Unternehmen.

"Werden beispielsweise Lebensmittel zurückgerufen, bekommen Verbraucher meist ihr Geld zurück und haben dann nur einmal den Weg zum Supermarkt umsonst gemacht."

Der Hagener Anwalt kennt aus seiner juristischen Tätigkeit jedoch keinen einzigen Fall, indem sich ein Rückruf als falsch herausgestellt hat.

Was ist kein Anlass für einen Rückruf?

Je geringer die Konsequenzen für ein Unternehmen, desto unwahrscheinlicher ist ein Rückruf. "Wenn das Unternehmen sieht, dass kein grosser Schaden entsteht, dann unterlässt es freiwillige Rückrufe aufgrund des drohenden Imageschadens und der Inkaufnahme von Schadensersatzforderungen. Dabei darf ja auch nicht übersehen werden, dass es auch Haftpflichtversicherungen gibt, die einen solchen Schaden übernehmen", meint Rechtsanwalt Dr. Bdeiwi.

Was passiert mit zurückgerufenen Produkten und wie viel kostet ein Rückruf?

Die Kosten einer Rückrufaktion bleiben im Dunkeln, "denn ein Unternehmen publiziert das nicht, weil es dann erst recht durch den Kakao gezogen würde", weiss der Experte.

Schätzungen gehen aber in immense Höhen, da die zurückgerufenen Produkte gelagert und wegen versicherungstechnischer Fragen untersucht und dann entsorgt und vernichtet werden müssen, da sie ja gefährlich sind.

Wie können sich Verbraucher über Rückrufe informieren?

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit betreibt das Internetportal lebensmittelwarnung.de, um aktuell über Produktwarnungen und Rückrufe zu informieren. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat eine eigene Rückrufdatenbank wie auch der ADAC.

Medien und Onlineportale berichten ebenfalls über Rückrufe, in etlichen Fällen werden Verbraucher auch von Behörden angeschrieben. "Erst jüngst wurde in der Tagesschau um 20 Uhr über die Rückrufaktionen von Automobilherstellern wegen des Vorwurfs der Abgasmanipulation berichtet", so Dr. Bdeiwi.

Wie häufig werden Produkte zurückgerufen?

Der Verein "foodwatch", der sich mit Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt, zählte im vergangenen Jahr 161 Lebensmittelrückrufe auf der Website des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

"Im Gedächtnis sind auch die Rückrufe des Samsung-Smartphones Galaxy Note 4 im Jahr 2017 wegen explodierender Akkus und die von etlichen Automobilkonzernen wegen des Vorwurfs der Abgasmanipulation", sagt der Rückruf-Spezialist.

Seit einer Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Jahr 2017 wird das Thema Rückruf in der Öffentlichkeit immer präsenter.

Gehen Unternehmen je nach Produkt unterschiedlich vor?

Bei Fremdkörpern in Lebensmitteln wird natürlich schnell gehandelt.

"Führt der Weg jedoch über eine Behörde - wie im Fall des Vorwurfs der Abgasmanipulation von Automobilherstellern über das Kraftfahrt-Bundesamt - dann kann ein Rückruf dauern", erklärt der Fachanwalt.

Generell lässt sich sagen: Je gefährlicher das Produkt für den Endverbraucher, desto schneller wird gehandelt.

Verwendete Quelle:

  • Expertengespräch mit Dr. Sami Bdeiwi ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz in der Hagener Kanzlei Hefer Streppel & Partner
  • Kraftfahrt-Bundesamt: Rückrufdatenbank
  • ADAC: Rückrufdatenbank
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