Daniel Düsentrieb wird im Mai 2022 siebzig. Meist entpuppen sich die Ideen des Genies als Flops. Dennoch ist er ein Vorbild für den verantwortlichen Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Genialer Vordenker

Virtuelle Welten, Maschinen, die Gedanken umsetzen, eine Mondrakete für jedermann und Verbrechensbekämpfung mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Das ist heute real, und es wurde in Entenhausen vorgedacht.

Zu den Erfindungen aus Entenhausen gehört eine "Phantasiermaschine", mit der man erlebt, was man sich vorstellt. Sie entpuppte sich 1956 allerdings als nutzlos, weil sie keine Phantasie erzeugen konnte. Ein Roboter, der Ideen umsetzt, die man sich vorstellt, floppte 1957, weil er auch schädliche Gedanken umsetzte. Eine Dampfrakete, die so einfach konstruiert war, dass sie jedermann in ferne Galaxien befördern konnte, entpuppte sich 1957 als nutzlose Rauchbombe.

2005 erfand der "Ingeniör, dem nichts zu schwör" ist, eine Kamera, deren Fotos Verbrecher vergessen liess, wie man Verbrechen begeht. Die Gehirnwäsche war auch ein Flop. Düsentrieb übersah, dass der Effekt durch ein zweites Foto wieder rückgängig gemacht wird.

Geniale Flops

Betrachtet man das Lebenswerk des Erfinders aus Entenhausen, dann fällt auf: Er hat geniale Ideen, aber in der Umsetzung hapert es. Düsentrieb ist überambitioniert und zerstreut, seine Genialität schlägt ihm ein Schnippchen. In der Regel sind seine Erfindungen Flops. Schon deshalb ist Düsentrieb harmlos und seine Erfindungen richten keinen Schaden an.

Seine Kollegen in der realen Welt stellen sich besser an. Das Metaverse, gedankenlesende KI, Raumfahrt für Private und Verbrechensbekämpfung per Technik - all das gibt es, und es bringt reale Risiken mit sich. Die EU arbeitet aktuell an einem Rechtsrahmen.

Helferlein: Das gute Gewissen der Technik

In einem aber ist der geniale Vogel ein wirkliches Vorbild: Wir brauchen Massnahmen, die Maschinenentscheidungen für den Menschen beherrschbar machen. Wie das geht, hat Daniel Düsentrieb zukunftsweisend erfunden. Der Herr über alle Ideen hat nämlich einen technischen Kontrolleur. Sein Schöpfer, Carl Barks, hat Daniel Düsentrieb nämlich das Helferlein an die Seite gestellt.

Das Wesen mit dem überdimensionalen Kopf einer Glühbirne und einem Körper aus Draht bleibt kühl und besonnen, wenn der Erfindergeist mit seinem genialen, aber oft zerstreuten und emotional agierenden Schöpfer durchgeht. Der Helfer ist pfiffig, gutherzig und hilfsbereit - und ohne jede Ambition auf Macht. Er ist, so muss man es deuten, von Düsentrieb perfekt auf seine "Hilfsfunktion" programmiert und agiert übermenschlich uneigennützig dienend.

Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle

Diese Erfindung ist kein Flop, sondern genial und ein Vorbild für die Realität. Das Geniale an Helferlein ist nicht nur, dass er stabil funktioniert. Entscheidend ist, dass sein Erfinder ihn kontrollieren kann. Helferlein kann sich nämlich ihm gegenüber erklären. Er unterhält sich mit ihm über elektronische Summlaute ("Bzzz"), die er versteht. Er macht ihm seine Erwägungen transparent und der Erfinder kann nachvollziehen, wo die Bedenken der künstlichen Gewissensinstanz liegen.

Das Konzept Düsentrieb und Helferlein ist schlüssig, weil nicht der Helfer, sondern der Mensch, sei es auch ein Huhn wie Düsentrieb, die verantwortliche Entscheidung treffen muss. Das kann und will Helferlein ihm nicht abnehmen.

Das Richtige tun, auch wenn es nach der Regel das Falsche ist

Daniel Düsentrieb hat also die Freiheit und die Möglichkeit, sich gegen den Entscheidungsvorschlag der Maschine zu entscheiden. Genau das ist die zentrale Voraussetzung des Rechts. Der Mensch muss die Freiheit und das Recht behalten, das Richtige zu tun, auch wenn es der Regel nach das Falsche ist.

Der Mensch drückt die Stopp-Taste

Es ist paradox, aber richtig: Der Mensch muss auch dann die Stopp-Taste drücken können, wenn er nicht weiss, warum. Computer können dem Menschen über eine transparente und störungsfreie Programmierung Lösungen für Probleme anbieten. Es muss sich dem Menschen erschliessen, warum eine Maschine eine Entscheidung vorschlägt, und er muss sie nachvollziehen können, um darauf eine bessere Entscheidung fussen zu können.

Die Gründe für die Entscheidung muss die Technik dem Menschen also so deutlich machen, dass er besser entscheiden kann als ohne Hilfe künstlicher Intelligenz. Das macht eine Entscheidung vermutlich oft nicht leichter, aber reflektierter.

Verantwortung trägt der Mensch

Die Regel, dass der Mensch sich in eigener Verantwortung gegen die Regel entscheiden können muss, ist rechtlich unverrückbar. Allerdings hat sie eine Kehrseite. Häufig wird der Mensch nämlich gerade aus Gründen der vielschichtigen menschlichen Fehlbarkeit das Falsche tun. Diese Freiheit, aus welchen Gründen auch immer auch das Falsche zu tun, ist unvermeidbar und dem Menschen vorbehalten.

Für Konsequenzen kann und muss nur der Mensch sich verantworten. Er kann der Technik nicht die Schuld für Chaos zuweisen. Schon Goethes Zauberlehrling musste es wissen. Man kann dem Besen nicht die Schuld für die Scherben geben, die er aufkehrt.

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