Vorsicht beim Einkauf im Internet: Fake-Shops locken Kunden mit scheinbaren Schnäppchenpreisen. Sie bieten aber in Wahrheit gar keine Waren an. Doch wenn Sie genau hinschauen, können Sie die falschen Händler enttarnen.

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Schmuck, Digitalkameras, Kleidung oder Brillen: Der Einkauf im Internet ist für die meisten Deutschen heute Alltag. 92 Prozent der Internetnutzer haben innerhalb eines Jahres mindestens einmal etwas online bestellt, so das Ergebnis einer Studie von Mitel, Agentur für Market Intelligence.

Doch so bequem und einfach das Online-Shopping ist, dabei lauern auch Gefahren. Besonders dreist gehen Betrüger vor, die mit Hilfe von Fake-Shops die Kunden abzocken.

Die Masche der Kriminellen: Sie bieten auf eigenen Webseiten oder via Ebay und Amazon Artikel zum Schein an. Die angebotene Produktpalette existiert aber gar nicht.

Deshalb liefern sie die bestellte Ware entweder gar nicht, oder sie verschicken minderwertige Dinge. Weil die Käufer per Vorkasse bezahlt haben, werden sie sowohl um die Ware als auch um ihr Geld geprellt.

Fake-Shops locken oft mit besonders günstigen Preisen

"Fake-Shops sind teilweise Kopien real existierender Websites, wirken daher seriös und lassen beim Käufer selten Zweifel an ihrer Echtheit aufkommen", erklärt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die Betrüger lockten potenzielle Käufer häufig mit besonders günstigen Preisen.

Auf bestimmte Produkte sind Fake-Shops dabei nicht festgelegt. Nach Angaben des Experten "bieten sie die Waren an, die besonders hoch in der Gunst der Käufer stehen".

Wie die Betrüger das Vertrauen der Käufer gewinnen wollen

Aber wie schaffen es die Kriminellen, ihre Opfer zu täuschen?

Potenzielle Käufer werden laut Kriminaloberrat oft mit aus dem Internet kopierten Produktbildern und Informationen, professionell aufgemachten Allgemeinen Geschäftsbedingungen und einem gefälschten Impressum beeindruckt. "Ziel ist, das Vertrauen der Online-Shopper zu wecken und diese zum Kauf zu animieren."

Manche Fake-Shops wenden dabei besonders perfide Methoden an – mit einer doppelten Betrugsmasche, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Dabei lassen sich die Kriminellen das Geld für die vermeintliche Ware auf Bankkonten überweisen, die auf den Namen unbeteiligter Dritter laufen.

Die Polizei Niedersachsen erklärt die Masche: Die Täter schalten falsche Stellenanzeigen auf den Namen bekannter Unternehmen. Von Bewerbern verlangen sie dann eine Kopie des Personalausweises und die Identifizierung über ein Video-Ident-Verfahren.

Damit stellen etwa Direktbanken fest, dass es sich beim Antragsteller tatsächlich um die echte Person handelt. Das ahnungslose Opfer eröffnet so ein Konto. Zugriff darauf haben aber nur die Betrüger – und können über das erschlichene Konto die Zahlungseingänge ihrer Fake-Shops abwickeln.

Wie oft Verbraucher über Fake-Shops betrogen werden, erhebt die Polizei nicht gesondert. Die Fälle laufen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) unter Computer-Betrug.

Die Verbraucherzentralen gehen dagegen von mindestens vier Millionen Opfern in Deutschland aus, wie eine repräsentative Umfrage von Juni 2018 ergab.

Wie Kunden Fake-Shops entlarven können

Aber wie können Kunden Fake-Shops erkennen und enttarnen?

Die Polizeiliche Kriminalprävention warnt vor Spontankäufen von vermeintlich billigen Artikeln: "Bevor Sie ein Produkt in den Warenkorb eines Online-Shops legen, sollten Sie den Preis des Produkts bei anderen Anbietern wie dem Händler vor Ort vergleichen", heisst es. Wer unsicher ist, sollte lieber auf den Kauf verzichten.

Käufer sollten sich ausserdem die Webseite bzw. den Shop genau ansehen, rät die Verbraucherzentrale. Ist die Webadresse abgewandelt und enthält zum Beispiel als Länderkennung ein .ru statt dem .de oder die Zahl 123, dann sollte man misstrauisch werden.

Wie die Betrüger die Adressen mit Zusätzen verfälschen, zeigt eine Liste von mehr als 3.000 Fake-Shops, die das österreichische Portal Watchlist Internet länderübergreifend zusammengetragen hat.

Kunden sollten den Shop genau prüfen

Auch das vorgeschriebene Impressum sollte geprüft werden: Ist es überhaupt vorhanden und wenn ja, enthält es die Pflichtangaben wie Adresse, Vertretungsberechtigten und E-Mail-Adresse?

Allgemeine Geschäftsbedingungen sind für Shops ebenfalls verpflichtend. Klingen sie schlecht übersetzt, ist das ein Indiz für eine Fälschung.

Kriminaloberrat Schmidt rät potenziellen Käufern, sich immer vorab zu informieren: "Sie sollten den Namen des Online-Shops in eine Suchmaschine eintippen. Dadurch können sie negative Erfahrungen anderer Kunden herausfinden."

Hilfreich seien ausserdem Selbsthilfeforen. Auch die Verbraucherzentralen geben Auskunft.

Schlechte Bewertungen und nur eine Zahlungsmethode

Eine wichtige Informationsquelle sind die Bewertungen des Anbieters – vor allem auf externen Seiten, denn die auf seiner eigenen kann er fälschen.

Gütesiegel helfen dagegen nur bedingt weiter: Sie sollen zwar vermitteln, dass es sich um einen seriösen Shop handelt. Aber auch sie können gefälscht sein. Kunden sollten deshalb auf das Siegel klicken und prüfen, ob es eine Verlinkung zum Herausgeber gibt.

Stutzig sollten potenzielle Käufer darüber hinaus werden, wenn nur eine kundenunfreundliche Zahlungsweise angeboten wird. Nicht nutzen sollte man Online-Zahlungsdienste wie Western Union, paysafe oder Ukash – und möglichst auf Vorkasse verzichten.

Beim Lastschriftverfahren sind Stornierungen von Abbuchungen immerhin noch nach einigen Tagen möglich. Überweisungen dagegen können nur innerhalb einer Stunde rückgängig gemacht werden.

Besonders fies: Die Kriminellen täuschen mitunter Lieferschwierigkeiten vor, "um Betroffene daran zu hindern, bereits getätigte Überweisungen rückgängig machen zu können", warnt der Kriminaloberrat.

Wer schon gezahlt hat, sollte sich deshalb umgehend bei der Bank informieren, ob die Zahlung noch storniert werden kann, rät Schmidt. Am sichersten ist nach seinen Angaben der Kauf auf Rechnung. Dann zahlen die Kunden erst, wenn sie die Ware in der Hand halten.

Was tun, wenn man auf einen Fake-Shop hereingefallen ist?

Opfer der Fake-Shop-Betrüger sollen unbedingt alle Beweise für den Kauf sichern und ausdrucken – also Kaufvertrag, Bestellbestätigung und E-Mails. Dazu gehört auch ein Screenshot der Shop-Seite.

"Mit den Unterlagen sollten sie sich möglichst sofort an die Polizei wenden und Strafanzeige erstatten", sagt Schmidt.

Auch wenn die strafrechtliche Verfolgung von Tätern schwierig sei, weil diese aus dem Ausland agierten, sei das wichtig: "Nur dann können Löschungen von Fake-Shops konsequent vorangetrieben werden."

Übersicht: So erkennen Sie Fake-Shops im Internet

  • Web-Adresse auf Ungereimtheiten prüfen
  • Vorsicht bei besonders günstigen Preisen
  • Impressum und Allgemeine Geschäftsbedingungen prüfen
  • Bewertungen lesen und Erfahrungen anderer mit dem Anbieter via Google suchen
  • Gütesiegel prüfen
  • Auf sichere Zahlungsmöglichkeiten achten

Verwendete Quellen:

  • Watchlist Internet: "Liste betrügerischer Online-Shops"
  • Mintel-Studie "Fast alle Deutschen kaufen mittlerweile online ein"
  • Süddeutsche Zeitung: "Wie Kriminelle über Ebay Kunden abzocken"
  • Polizei Niedersachen: "Vorsicht bei der Jobsuche mit Video-Ident-Verfahren"
  • Verbraucherzentrale: "Abzocke online: Wie erkenne ich Fake-Shops im Internet?"