Um zahllose Buchsbäume ärmer ist das Land in den vergangenen Jahren geworden. Schuld ist der nimmersatte Buchsbaumzünsler, der oft erst zu spät entdeckt wird. Was man tun kann und warum ein Befall noch kein Todesurteil sein muss.

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Gartenbesitzer waren verwöhnt. Wer etwas Immergrünes, Dichtes und gut Formbares suchte, das ohne Klagen überall wächst, nahm den Buchsbaum. Doch seit einiger Zeit ist der Buchsbaumzünsler auf dem Vormarsch: Er ist der schlimmste, am weitesten verbreitete Feind des Buchsbaums.

Sein Befall ist so nervig, dass Gartenbesitzer in den vergangenen Jahren reihenweise Buchs gerodet und keine neuen Buchsbäume nachgesetzt haben.

Die Hobbygärtner müssen die Larven des Zünslers immer wieder aufs Neue bekämpfen. Daher stellt sich inzwischen durchaus die Frage: Ist der Buchsbaum eigentlich noch zu retten?

Buchsbaumzünsler - der Albtraum für Gartenbesitzer

Für die Pflanzen ist ein Befall mit dem Buchsbaumzünsler laut Experten im Regelfall kein Todesurteil. Die Raupen des Zünslers machen sich über den kompletten immergrünen Busch her. Und der Befall ist anfangs schwer zu erkennen, denn die grünen, etwa fünf Zentimeter langen Raupen fressen sich tief im Inneren des Gehölzes satt - und den Buchs von innen her kahl.

So kann es dann aussehen, wenn der Buchsbaumzünsler sein Unwesen treibt. Für Gärtner ist die kleine Raupe, die zu einem Kleinschmetterling wird, ein Alptraum.

Oft bemerkt man den Befall recht spät - wenn er von aussen sichtbar ist. Doch die Pflanzen können sich wieder erholen und neu austreiben.

Das optische Problem aber stört viele Gartenbesitzer nachvollziehbar. Zumal es nicht nur eine Raupengeneration pro Jahr gibt, sondern zwei bis drei - und die fressen den Busch immer wieder aufs Neue kahl.

Die Raupen des Zünslers fressen sich zuerst im Gehölz satt, ehe sie die Blätter befallen. Entdeckt man den Schädling erst dann, ist es meist schon zu spät.

Was raten Profis?

Wie nach einem Befall reagiert wird, ist sehr unterschiedlich. Da gibt es die Liebhaber, die aufwendig versuchen, den Buchs zu erhalten, und jene, die aufgeben. Die Empfehlung von Oliver Fink vom Verband der Gartenbaumschulen in Haan (Nordrhein-Westfalen) ist deutlich: "Entfernen, und zwar relativ schnell und klar." Fink rät auch nicht mehr zum Kauf neuer Pflanzen.

Allerdings ist der Buchsbaumzünsler nicht überall gleichermassen verbreitet. In Deutschland arbeitet er sich seit Jahren langsam vom Süden nach Norden vor. In der Schweiz wurde die Raupe erstmals im Raum Basel festgestellt und breitet sich nun im Mittelland aus. In Österreich wurde der erste Zünsler im Jahr 2009 im Westen des Landes gesichtet, hat sich inzwischen aber auch im Süden und Nordosten ausgebreitet.

Es kann also sein, dass in manchen Regionen das Problem gerade erst auftritt. Das ist im Umfeld von Gisela Rose-Sell von der Deutschen Buchsbaumgesellschaft in Verden (Niedersachsen) gerade der Fall. Sie setzt auf eine Eindämmung der Zünsler, die im Frühjahr mit der ersten Generation im Jahr beginnt.

Buchs zu retten, bedeutet viel Arbeit

"Es gibt Strategien zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, aber man ist damit von März bis in den Herbst permanent beschäftigt", erklärt Rose-Sell - und macht keinen Hehl aus der Arbeit, die zu investieren ist. Sie rät zu einer Kombination aus Massnahmen, die sich laut den der Buchsbaumgesellschaft zugetragenen Erfahrungsberichten als gut erwiesen hätten. Dieses Paket beginnt mit einer Überwachung der Gehölze vom Frühjahr an, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.

Da man die winzigen Eier des Zünslers an der Unterseite der äusseren Blätter nur schwer findet, empfiehlt Rose-Sell:

  • Stellen Sie Pheromonfallen auf. Diese locken mit weiblichen Duftstoffen die männlichen Falter an, was zwar einen künftigen Befall nur minimal verhindern kann. Aber die Fallen und ihr Inhalt sind ein guter Hinweisgeber für Hobbygärtner, dass sie bald tätig werden müssen.
  • "Etwa zehn Tage nach so einem Falterflug sollte man einen Formschnitt an den Buchsbäumen machen", rät Rose-Sell. Damit entfernt man die Eier an den äusseren Blättern.
  • Danach hilft zum Beispiel Gesteinsmehl, das über die Blätter gestreut wird. "Junge Larven ruinieren sich daran die Zähne, und es entwickeln sich relativ wenig Raupen weiter", verweist Rose-Sell auf Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Studie.
  • Diesen Rest kann man mit Mitteln auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis bekämpfen. Dieses sei umweltschonend und zum Beispiel bienenverträglich. "Es wirkt nur im sehr jungen Larvenstadium, wenn die Tiere noch eine dünne Haut haben", schränkt Fink aber ein.

Reicht das alles nicht und kommt es doch zum grossen Befall, rät Rose-Sell zu folgendem Vorgehen:

  • die Larven absammeln und vernichten
  • Hochdruckreiniger und Industriesauger eignen sich, um die Tierchen aus dem Inneren der Buchsbäume zu holen.
Vorsicht bei der Entsorgung der abgeschnittenen Äste: Hier werden die Eier und Larven vor dem Kompostieren mit heissem Wasser abgetötet.

Was tun mit dem Pflanzenmüll?

Wer nach einem Schnitt das Grün noch kompostieren will, sollte die Eier und Larven mit heissem Wasser abtöten. Ansonsten sollte man sie in dicht verschlossenen Tüte in den Restmüll geben.

"Das Wichtigste aber ist: Die Bekämpfung ist nicht nur eine Privatsache, sondern die ganze Nachbarschaft muss sich zusammenschliessen", betont Rose-Sell. "Sobald ein Garten nicht mitmacht, bleibt der Zünsler erhalten und breitet sich weiter aus." (Simone Andrea Mayer/dpa/af)