Seit einem Jahr gilt in der Schweiz ein modernes Gesetz für getrennte Eltern, das theoretisch ein gleichberechtigtes Familienmodell ermöglicht. Doch laut Väterverband halten Richter an der traditionellen Rollenverteilung fest und degradieren Männer zu Zahlvätern.

Seit dem 1. Januar 2017 prüfen Schweizer Behörden auf Verlangen eines Elternteils bei jeder Trennung oder Scheidung die alternierende Obhut. Das bedeutet, dass Kinder abwechslungsweise bei Vater und Mutter wohnen. Entsprechend geringer fallen dann auch die Unterhaltsbeiträge an die Mütter aus. Dieses Modell ermöglicht eine gleichberechtigte Aufteilung von Familie und Beruf für Frau und Mann.

Soweit die Theorie. In der Praxis wird nach der Trennung jedoch meist ein traditionelles Familienmodell gelebt. Das heisst: Die Kinder wohnen hauptsächlich bei der Mutter, und der Vater bezahlt für Unterhalt und Betreuung.

Väter erhalten bloss ein Besuchsrecht

Schuld daran sind unter anderem die Richter. Das sagt zumindest männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Der Verband hat seit Inkrafttreten des Gesetzes über 30 Fälle ausgewertet. Offizielle Statistiken gibt es noch keine.

Nicolas Zogg, politischer Leiter von männer.ch, erzählt swissinfo.ch von Fällen, in denen der Vater vor der Trennung 50 oder 70 Prozent gearbeitet und die Kinder mitbetreut hat. Nach der Trennung bekam der Vater jeweils bloss noch ein Besuchsrecht und musste wieder Vollzeit arbeiten. "Väter haben im Streitfall kaum Chancen, eine faire Obhuts- und Unterhaltsregelung zu bekommen", sagt Zogg. Sie würden zu Bezahlvätern degradiert und müssten teils absurd hohe Unterhaltszahlungen leisten.

Hausmänner sind eine Rarität

Der Verband greift daher zu ungewöhnlichen Mitteln: Mit einer Resolution sowie einer Petition richtet er sich direkt an Richter und Richterinnen und fordert sie zu einer fortschrittlicheren Rechtsprechung auf.

Aber sind wirklich nur die Richter so konservativ? Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass Schweizer Familien generell sehr traditionell sind. In rund der Hälfte der Familien arbeitet der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit. In 23 Prozent bleibt die Mutter ganz daheim. In nur gerade mal 2,4 Prozent der Familien ist die Mutter alleine Vollzeit tätig. In wie vielen Fällen der Vater ganz zu Hause bei den Kindern bleibt, wird in der Statistik nicht separat ausgewiesen. Es dürften verschwindend wenige sein.  © swissinfo.ch

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