Bald beginnen die Sommerferien, in denen wieder Millionen Menschen in den Urlaub fliegen werden. Einige davon mit einem mulmigen Gefühl, andere sogar mit Angst. Denn Flugangst ist in der Bevölkerung relativ weit verbreitet. Sie ist aber recht gut zu behandeln.

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Unter den rund 16 Prozent, die laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach unter Flugangst leiden, werden auch in diesem Sommer wieder einige sein, die deswegen auf einen Flug verzichten. Schliesslich lassen sich nähere Urlaubsziele auch mit dem Auto oder der Bahn erreichen. Wer aber weit weg möchte oder aus beruflichen Gründen viel fliegen soll oder sogar muss, wird mit seiner Flugangst irgendwie zurechtkommen müssen.

Dabei nützt es den Betroffenen meist wenig, wenn sie mit der bekannten Statistik konfrontiert werden, dass das Flugzeug ein sicheres Verkehrsmittel sei. Denn was viele Ängste auszeichnet: Sie sind irrational. Bei der Flugangst verbinden sich häufig gleich mehrere unangenehme Gefühle: ein Gefühl des Eingesperrtseins (Klaustrophobie), Höhenangst (Akrophobie) und das sogenannte Beifahrer-Syndrom, bei dem der Betroffene sich schwertut, die Verantwortung für das Fahren oder eben das Fliegen einfach so aus der Hand zu geben.

Recht verbreitet ist auch die Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren. Also laut zu schreien, sich übergeben zu müssen oder das Bewusstsein zu verlieren. Diese Angst wird unter Psychologen die "Angst vor der Angst" genannt. Sie tritt auch ein, wenn Menschen schon einmal das für Angst typische Herzrasen, die Schweissausbrüche oder das Zittern erlebt haben, und diese Zustände auf keinen Fall noch einmal erleben wollen.

Therapie oder Flugangst-Seminar?

Nicht immer sind die Symptome so schlimm. Laut der oben genannten Studie verspüren 22 Prozent der befragten Personen beim Fliegen lediglich ein Unwohlsein und noch keine Angst. Für sie haben Experten einige Tipps, die womöglich schon helfen, ohne dass der oder die Betroffene zu einem Coach, Therapeuten oder in ein Flugangstseminar gehen muss. Schliesslich kosten solche Behandlungen - je nach Umfang - zwischen 200 und 900 Euro.

Wem im Flugzeug nur etwas unwohl sei, könne sich zum Beispiel statt eines Fensterplatzes einen Platz am Gang aussuchen, so die Beraterin Melanie Kohl im Gespräch mit unserer Redaktion. "Dann fühlt er oder sie sich nicht so eingesperrt und erspart sich zudem den schwindelerregenden Blick aus dem Fenster."

Der Internist Thomas Schulz empfiehlt darüber hinaus im Gespräch mit der "Apotheken Umschau", früh genug am Flughafen zu sein, bequeme Kleidung zu tragen und sich die eigene Lieblingsmusik anzuhören. Ablenkung ist auch aus Sicht von Melanie Kohl ein probates Mittel im Ringen mit der Flugangst, etwa ein Gespräch mit dem Sitznachbarn, ein Buch oder ein Film, am besten eine Komödie.

Wem das nicht hilft, könnte es mit Atemübungen versuchen. Zum Beispiel: Doppelt so lang aus- wie einatmen und im Rhythmus der Atmung leise "Ich bin ruhig" vor sich hinsagen. "Eine andere Übung, die sehr hilfreich ist: Sich zu überlegen, wo die Angst im Körper sitzt, dann die Arme vor den Schultern kreuzen und abwechselnd mit den Fingern auf die Schultern tippen, bis man merkt das Gefühl lässt nach", erklärt Melanie Kohl.

Wer sich selbst aber nicht helfen kann, sollte über ein Coaching oder ein Flugangstseminar nachdenken. Zumindest, wenn er oder sie weiterhin fliegen möchte.

Schweissnasse Hände, zittrige Knie und Übelkeit – wer Flugangst hat, kennt diese Symptome nur zu gut. Doch immerhin: An dieser Angst lässt sich arbeiten. Wir haben einige Tipps und Produkte zusammengestellt, die Ihnen den nächsten Flug vielleicht schon angenehmer machen können.

Mit oder ohne Konfrontation

Bei der Bewältigung von Flugangst gibt es durchaus unterschiedliche Ansätze. Fluggesellschaften wie die Lufthansa setzen häufig auf eine Kombination aus Psychologie und Wissensvermittlung. An zwei Tagen werden in einer Gruppe mit mehreren Leuten erst einmal die jeweiligen Ursachen für die Flugangst der einzelnen Teilnehmer ergründet. Anschliessend stellen Psychologen Strategien vor, mit denen die Angst überwunden werden soll. Das können Atemtechniken sein oder auch Techniken, mit denen die Gedankenspirale über mögliche Katastrophen durchbrochen werden sollen.

Dann folgt der Wissensteil, in dem Pilotinnen und Piloten das Fliegen erklären, über ihre Arbeit sprechen und die Seminarteilnehmer durch ein Flugzeug geführt werden. Sie sollen so verstehen lernen, dass ihre Angst in dieser ausgeprägten Form nicht begründet ist. Am Ende folgen ein Flug im Simulator und ein richtiger Flug.

REM-Schlaf simulieren

Melanie Kohl hat einen anderen Ansatz und hat nach eigenen Angaben auch ohne die Konfrontation Erfolg bei ihren Klienten. Bei ihrem Emotionscoaching genannten Verfahren ermittelt auch sie zunächst in Gesprächen und bei einem Muskel-Stress-Test die Ursachen für die Angst. Bei dem Test werden verschiedene potenzielle Stresssituationen durchgespielt. Währenddessen macht der Betroffene mit dem Daumen und dem Zeigefinger einen Ring, der sich löst, sobald die Person tatsächlich Stress spürt.

"Auslöser können negative Erlebnisse sein, wie ein technischer Defekt am Flugzeug oder ein Unwetter, durch das der Betroffene einmal geflogen ist. Häufiger sind jedoch allgemeine private oder berufliche Stress-Situationen vor einem Flug, die das Gehirn dann mit dem Flug verknüpft", sagt Kohl.

Man spricht dann von einer emotionalen Blockade, die durch eine Methode gelöst werden soll, die vor einigen Jahren aufkam, deren Wirkweise aber noch nicht vollständig durchdrungen ist. Sie wird Wingwave genannt, es wird dabei im wachen Zustand die REM-Schlafphase simuliert, in der üblicherweise Emotionen verarbeitet werden. REM steht für Rapid Eye Movement und genau diese schnellen Augenbewegungen sollen auch im Wachzustand dafür sorgen, dass Blockaden gelöst werden.

Dazu bewegt der Therapeut oder Coach seine Hand nach links und rechts, die Augen des Patienten oder Klienten folgen ihr. Es gibt zu Wingwave noch nicht allzu viele Studien, allerdings sind zum Beispiel Wissenschaftler der Sporthochschule Köln in einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass diese auch EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) genannte Methode bei Ängsten durchaus helfen kann.

Es gibt auch Anbieter, die beides machen: eine Verhaltenstherapie und eine Flugsimulation beziehungsweise einen richtigen Flug. All diese Angebote sind nicht gerade billig, zumindest müssen die Betroffenen in der Regel aber auch nicht viel Zeit aufwenden. Melanie Kohl spricht von durchschnittlich vier Sitzungen, die Seminare der Fluggesellschaften dauern in der Regel zwei Tage.

Verwendete Quellen:

  • Telefoninterview mit dem Coach Melanie Kohl
  • Apotheken Umschau: Was hilft gegen Flugangst?
  • Flugangst.de (Anbieter von Seminaren in Kooperation mit der Lufthansa): Was ist los bei Flugangst?
  • Institut für Demoskopie Allensbach: Wieder mehr Flugreisen. Aber jede fünfte Frau leidet unter Flugangst
  • Hamburger Abendblatt: Damit die Angst vorm Fliegen am Boden bleibt
  • Untersuchung der Deutschen Sporthochschule Köln in "Brain and Behaviour"
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