Ein schwerer Ausbruch des Ebola-Virus im Osten der Demokratischen Republik Kongo bedroht vielerorts Menschenleben. Für sie ist das Virus jedoch nicht das einzige, was eine Gefahr birgt.
Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda gibt es nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums inzwischen 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle. Verursacht wurde der Ausbruch durch die seltene Bundibugyo-Variante, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt.
Die meisten erkrankten Menschen befinden sich im Osten des Landes, an der Grenze zu Ruanda und Uganda. Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
An einem Ort wie dem Osten der Demokratischen Republik Kongo, ist ein Virus nicht einfach nur ein Virus: Es funktioniert als Verstärkung einer Krise, die vor allem für Kinder lebensbedrohlich ist.
Bereits seit Jahren kommt es in den Regionen Nord-Kivu und Ituri immer wieder zu gewaltvollen Konflikten, bei denen auch Angriffe gegen Zivilistinnen und Zivilisten keine Seltenheit sind. Seit 2021 kämpft die Miliz Mouvement du 23-Mars (M23) gegen die kongolesische Armee. Die Ursachen des Konflikts gehen bis in die Kolonialzeit zurück.
UNICEF schreibt auf seiner Seite, dass Kinder und Frauen immer wieder zum Ziel der Angriffe werden und dies als gezielte Kriegstaktik gilt. Darunter fällt auch die gezielte Anwendung von sexualisierter Gewalt. UNICEF registrierte von Januar bis September 2025 35.000 Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Kongo.
Die Krise treibt das Virus weiter voran
In einem ohnehin fragilen System ist es für die Krankheit ein leichtes sich auszubreiten. Viele Krankenhäuser waren schon vor dem Ausbruch überbelegt und schlecht ausgestattet, der Zugang zu medizinischer Versorgung ist eingeschränkt, schreibt UNICEF. Insbesondere die Region Ituri ist schwer erreichbar, da sie von dichtem Regenwald durchzogen und das Strassensystem nicht dafür ausgebaut ist, schnell von A nach B zu kommen.
Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen warnen im "Deutschlandfunk", dass sich das Virus schnell weiter ausbreiten könne. Durch die schlechte medizinische Versorgung an einigen Orten reisen die Menschen dorthin, wo sie besser versorgt werden können. Dadurch tragen sie das Virus aber weiter.
Ein Ebola-Ausbruch ist in einer so fragilen Lage wie aktuell im Kongo äusserst bedrohlich. Der Epidemiologe Maximilian Gertler sagte dem "Deutschlandfunk" gegenüber, dass Armut, unzureichende Versorgung mit Wasser und bewaffnete Konflikte die Verbreitung von Ebola weiter beschleunigen können.
Wenn Menschen fliehen müssen, wächst die Gefahr
Aufgrund der Gewalt sind Millionen Menschen im Kongo auf der Flucht. Ende letzten Jahres waren allein 100.000 Kinder aus der Region Süd-Kivu vertrieben worden, schreibt UNICEF. In Notunterkünften, wo viele Familien unterkommen, sind die hygienischen Zustände meist schlecht. Es gibt in den meisten Notunterkünften nicht genügend Toiletten, auch sauberes Wasser ist rar. Für Krankheiten wie Ebola, das sich über Körperflüssigkeiten verbreitet, ist dies ein optimaler Nährboden. Eine Massnahme des Kinderhilfswerks ist es deswegen, Seife an die Menschen zu verteilen.
Kinder, die zusätzlich mangelernährt sind, stecken sich besonders schnell an – für sie kann eine Infektion in einem tödlichen Teufelskreis enden. Besonders für Kinder unter fünf Jahren ist eine Ansteckung mit Ebola gefährlich und sie sterben häufiger an der Krankheit.
UNICEF ist vor Ort und liefert Hilfsgüter
"UNICEF ist zutiefst besorgt über bestätigte Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda sowie über das wachsende Risiko für Kinder und gefährdete Gemeinschaften in der gesamten Region", schreibt das Kinderhilfswerk in einem Statement. Die Organisation ist bereits in den betroffenen Regionen im Einsatz und versorgt Kinder und Familien.
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Viele Kinder haben entweder durch den Konflikt oder Ebola Elternteile verloren und müssen mit diesem Verlust umgehen. UNICEF bietet ihnen psychologische Unterstützung an. Ausserdem wurden bereits 50 Tonnen Hilfsgüter mobilisiert, heisst es in dem Statement – darunter Desinfektionsmittel, Wassertanks und Schutzkleidung. Das Kinderhilfswerk hat zudem seine höchste Notfallstufe aktiviert, um Kinder im Kongo bestmöglich zu unterstützen.
Verwendete Quellen:
- unicef.de: Demokratische Republik Kongo: Hilfe für Ebolabetroffene
- unicef.de: Demokratische Republik Kongo: Kinder in Gefahr
- unicef.org: UNICEF scaling up efforts to protect and support children and families following Ebola outbreaks in the Democratic Republic of the Congo and Uganda
- deutschlandfunk.de: Die vielfältigen Ursachen von Ebola
- mit Material der dpa