Ein harter Winter kann in Kriegs- und Krisengebieten schnell gefährlich oder gar tödlich werden - insbesondere für Kinder. UNICEF ist unter anderem in der Ukraine und Afghanistan vor Ort und leistet Winterhilfe.

Dichter Schnee, eisiger Frost und schneidender Wind: Der Winter kann hart sein, das haben viele Deutsche in den letzten Wochen selbst erlebt. Doch in Kriegs- und Krisengebieten wie der Ukraine, dem Gazastreifen oder Afghanistan sind winterliche Temperaturen und heftige Wetterbedingungen nicht nur eine Unannehmlichkeit, sondern können lebensgefährlich sein.

Vor allem für Kleinkinder oder Neugeborene ist ein ausreichender Schutz vor Kälte dringend notwendig. Neugeborene können ihre eigene Körpertemperatur noch nicht regulieren und kühlen schneller aus als Erwachsene.

Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen sind durch extreme und langanhaltende Kälte gefährdet. "Für sie ist es schwieriger, ihren Blutzucker und Blutdruck zu kontrollieren", sagt Ivan Afanasiev, Arzt bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen, in einer Pressemitteilung. "Menschen mit Behinderungen, die sich nicht bewegen können, um sich aufzuwärmen, sind besonders gefährdet, eine Unterkühlung zu erleiden."

Krieg und Kälte lasten schwer auf Bevölkerung

Die traumatischen Erfahrungen aus dem Krieg belasten die Menschen im Winter zusätzlich. Menschen, die in Kriegsgebieten dem Wetter schutzlos ausgeliefert sind, sitzen in Kälte und Dunkelheit fest, so wie in der Ukraine.

Gleichzeitig können Kinder nicht zur Schule gehen, wenn dort die Heizungen ausfallen oder es keinen Strom gibt. Dies reisst eine Lücke in den Bildungsweg der Kinder und kann ihre Zukunft nachhaltig beeinträchtigen. Zudem sind Schulen Zufluchtsorte für die Kinder, wo sie soziale Kontakte pflegen und sich von den Schrecken des Krieges kurzzeitig ablenken können.

Alika wurde krank – Ärzte warnten vor Kälteeinwirkung

Die vierjährige Alika aus der Ukraine erkrankte Ende vergangenen Jahres an einer Atemwegsinfektion, die Komplikationen nach sich zog. Im Krankenhaus warnten die Ärzte ihre Eltern davor, Alika dauernder Kälte auszusetzen. Doch durch die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur war die Familie, wie Millionen andere, ohne Strom oder Heizung in ihrer Wohnung – bei bis zu minus 20 Grad.

Alikas Eltern fanden eine Lösung: Sie können in ihrem Haus auf dem Land überwintern, wo es zumindest einen Ofen gibt, der Wärme spendet. Aber nicht alle Familien haben diese Möglichkeit.

Zuflucht für Familien in der Ukraine

Das Kinderhilfswerk UNICEF zeigt sich besorgt wegen der aktuellen Lage von Kindern und Familien. "Viele Familien haben bis heute keinen oder nur sporadischen Zugang zu Strom und Wärme. Kaltes Wasser fliesst nur zeitweise. Um die eisige Kälte draussen zu halten, stopfen Familien Stofftiere oder andere Gegenstände in die Fenster", so Munir Mammadzade, Leiter der UNICEF Programme in der Ukraine, in einem Statement.

In sogenannten "Punkten der Unbeugsamkeit" hat der Staat, auch mit der Unterstützung von UNICEF, zentrale Orte eingerichtet, an denen es Strom und Internet gibt und wo die Menschen sich aufwärmen können. Dies sind oft Schulen, Behörden oder Zelte in Wohngebieten.

Ein orangenes Zelt vor Häusern im Schnee
Zelte wie dieses sollen den Menschen einen sicheren Ort bieten, in denen sie sich aufwärmen und Strom nutzen können. © UNICEF/UNI928262/Filippov

Winter im Erdbebengebiet

Auch in Afghanistan können die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad sinken. Erst vor einigen Tagen kam es zu heftigen Schneefällen, bei denen Häuser zerstört wurden. Die "Tagesschau" berichtet von 60 Toten und chaotischen Zuständen.

Für Menschen ohne feste Unterkunft können solche Wetterereignisse lebensgefährlich sein. So auch für die Familien, die beim Erdbeben im August letzten Jahres im Osten des Landes ihr Zuhause verloren haben.

Derzeit geht die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondorganisation davon aus, dass 3.000 Familien unter schweren Bedingungen in Vertriebenenlagern leben. Die meisten haben durch das Erdbeben alles verloren und leben nun, im tiefen Winter, in Zelten und provisorischen Unterkünften.

Kinder sterben aufgrund der Kälte

Bereits im Dezember veröffentlichte UNICEF Afghanistan ein Statement von Tajudeen Oyewale, UNICEF-Vertreter in Afghanistan: "In den betroffenen Gebieten sind schätzungsweise 270.000 Kinder einem hohen Risiko ausgesetzt, an lebensbedrohlichen, kältebedingten Krankheiten zu erkranken."

Oyewale berichtet von Kindern, die an Lungenentzündungen und Unterkühlung gestorben sind. "Ihre Eltern sind am Boden zerstört, ebenso wie wir, denn diese Todesfälle hätten verhindert werden können."

Empfehlungen der Redaktion

UNICEF ist weltweit im Einsatz und leistet Winterhilfe vor Ort, zum Beispiel durch die Verteilung von Decken und Zeltplanen oder Winterkleidung für Kinder.

Verwendete Quellen