Alice Walton ist die Erbin des Walmart-Einzelhandelskonzerns mit mehr als 550 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Ihr privates Vermögen beträgt inzwischen 62 Milliarden Dollar. Zu ihrer Lebensaufgabe macht sie das Sammeln von Kunst, die Neudefinition der Medizin und die Ehrenrettung der Provinz.

Dr. Wolfram Weimer
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Alice Walton ist 72 Jahre alt und trägt gerne übergrosse Brillen. Womöglich um ihr übergrosses Vermögen zu beschauen - denn sie ist Erbin von Walmart, dem grössten Einzelhandelskonzern der Welt. Nach neuen Schätzungen ist sie die reichste Frau der Welt.

Zwischen 60 und 70 Milliarden kann sie ihr Eigen nennen - das kann je nach Börsenlage untertags schon mal um einige Milliarden hin- und her schwanken. Und dann kommen die anderen drei superreichen Damen Melinda Gates (Ex-Ehefrau von Bill Gates, Microsoft), MacKenzie Scott (Ex-Ehefrau von Jeff Bezos, Amazon) und Francoise Bettencourt-Meyers (Erbin des Kosmetikkonzerns L’Oréal) womöglich in ihre Geldgefilde.

Woher stammen die Milliarden?

1992 starb ihr Vater und legendärer Gründer der US-Einzelhandelskette, Sam Walton. Alice und ihre drei Brüder erbten. Ihr Bruder John T. Walton starb 2005 bei einem Flugzeugabsturz. Mit dem Erfolg von Walmart stieg auch das Vermögen der Waltons immer weiter, sie sind inzwischen die reichste Familie der USA.

Walmart beschäftigt weltweit 2,2 Millionen Angestellte und ist damit der grösste private Arbeitgeber der Welt. Der Konzern hat alleine 2000 angestellte Analysten, um das Verhalten seiner Kunden vorauszusagen. Walmart erzielte im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von mehr als 550 Milliarden Dollar. Als Staat würde Walmart mit einem Bruttoinlandsprodukt in dieser Höhe zu den 25 grössten der Welt zählen. Zudem weist Walmart einen Vorsteuergewinn von 20 Milliarden US-Dollar aus.

Anders als ihre Brüder übernahm Walton von Anfang keine tragende Rolle im Walmart-Konzern, obwohl sie Wirtschaft studiert hatte und in ihrer frühen Karriere als Aktienanalystin für die First Commerce Corporation und als Leiterin für Investitionstätigkeiten bei Arrest Bank Group tätig war. Sogar als Börsenmaklerin bei EF Hutton versuchte sie sich. 1988 gründete sie die Lama Company, eine Investmentbank, die sie selbst leitete, die aber 1998 wieder geschlossen wurde.

Obwohl die Waltons eine engagierte republikanische Familie sind und die Wahlkämpfe von George W. Bush finanziell massiv unterstützten, spendete Alice Walton im Jahr 2016 genau 353.400 US-Dollar an den Wahlkampf von Hillary Clinton. Walton und Clinton lernten sich während Clintons Zeit als First Lady von Arkansas und Mitglied des Aufsichtsrats von Walmart kennen.

Alice Walton: Wiederholte Alkoholexzesse am Steuer

Walton geriet mehrfach wegen Alkoholexzessen in Schlagzeilen. So war sie in drei schwere Autounfälle verwickelt. 1983 verlor sie in der Nähe von Acapulco die Kontrolle über ein gemietetes Fahrzeug und stürzte in eine Schlucht, wobei sie schwere Beinverletzungen davon trug. Nach 22 Operationen leidet sie bis heute unter den Folgen.

Im April 1989 erfasste ihr Wagen die 50-jährige Oleta Hardin, die die Strasse überquerte. Diese verstarb daraufhin, es wurde jedoch keine Anklage gegen Walton erhoben. 1998 kollidierte ihr Auto mit einer Tanksäule, während sie unter dem Einfluss von Alkohol stand. Sie musste eine Strafzahlung von 925 US-Dollar leisten. In die Schlagzeilen geriet Walton, als sie am 7. Oktober 2011, ihrem 62. Geburtstag, wieder unter Alkoholeinfluss gefahren war und festgenommen wurde.

Walton (zweifach geschieden und heute unverheiratet) ist eine bekenne Provinzlerin, sie wuchs in Bentonville, Arkansas auf. 1971 schloss sie die Trinity University in San Antonio, Texas mit einem Bachelor in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen ab. Doch für die Geschäft des Familienunternehmens interessierte sie sich nicht wirklich. Zwischen 1998 und 2015 lebte sie auf einer Ranch in Millsap, Texas und züchtete dort Pferde.

Hobby für Superreiche: Kunst ist ihre grosse Faszination

Seither hat sie unermesslich viel Geld - und sie steckt es vor allem in Kunst. Ihr erstes Bild soll Alice Walton mit elf Jahren in einem der damals noch kleinen Läden ihres Vaters gekauft haben. Ein Picasso-Poster für 25 Cent, verdient, indem sie Popcorn vor den Geschäften ihres Vaters verkauft hatte.

Heute wird ihre Kunstsammlung auf einen Wert von einer Milliarde Dollar geschätzt. Sie besitzt unter anderem Werke von amerikanischen Künstlern wie Andy Warhol oder Norman Rockwell. Im Jahr 2014 gab sie 44,4 Millionen Dollar für ein Kunstwerk von Georgia O'Keefe aus. Es ist das teuerste Kunstwerk einer Künstlerin, das je verkauft wurde. Walton stellt es seither in ihrem Museum in Arkansas aus.

Seit 2011 ist ein grosser Teil ihrer Kunstsammlung öffentlich im Crystal Bridges Museum of American Art zu sehen. Walton hat das Museum gegründet, der Eintritt ist kostenlos - allerdings muss man erst einmal in die entlegene Gegend kommen. Die von dem israelischen Architekten Mosche Safdie entworfene Ausstellungshalle aus mehreren Pavillons überbrückt einen Bach und liegt spektakulär mitten in einem Wald.

Rund um das Museum herum führen zahlreiche Wanderpfade. Das Grundstück ist Familienbesitz der Waltons, die von hier aus der entlegenen Stadt Bentonville im ländlichen Nordwesten von Arkansas heraus seit den 60er Jahren Wal-Mart zu einem der grössten Unternehmen der Welt formten. Nun steht just in Bentonville eines der spektakulärsten Museen der Welt. Alice Walton sieht es als eine Demonstration zur unterschätzten Kraft der Provinz.

Ihr Plan: Revolution der Medizin und Ehrenrettung der Provinz

Doch hin und wieder zieht es sie auch nach New York. Dort hat sie sich eine zweistöckige Eigentumswohnung in der Park Avenue gekauft - für 25 Millionen Dollar. Das Superluxusappartement verfügt über 52 Grossfenster mit Blick auf den Central Park und die Skyline der Stadt. Regelmässig finden vor dem Haus Demonstrationen von Gewerkschaftern statt, die für höhere Mindestlöhne bei Walmart protestieren.

Unter dem Eindruck der Pandemie kündigt Walton nun Pläne für den Bau einer neuartigen, gemeinnützigen medizinischen Hochschule an. Die "Whole Health School of Medicine and Health Sciences" wird als eine hochmoderne Bildungs- und Ausbildungseinrichtung konzipiert - allerdings mit einem "ganzheitlicher Ansatz, der Körper, Geist und Seele einbezieht". Bei ihrer Ankündigung bezeichnete sie das amerikanische Gesundheitssystem als "ein System der Krankheitsvorsorge". Das möchte sie ändern - mit einem gewaltigen Investitionsprogramm.

Die Revolution der modernen Medizin soll ebenfalls in Bentonville starten. Das Provinznest mit gemächlichen 35.000 Einwohnern bekommt damit neben einem der spektakulärsten Kunstmuseen der Welt nun auch noch ein Medtech-Center globalen Formats. Bentonville und Benton County mit seinen amtlich registrierten 2069 Hühnerställen werden damit zusehends zu einer internationalen Touristenattraktion - aus aller Welt kommen Neugierige nicht nur um den ersten Laden zu besuchen, den der Wal-Mart-Gründer Sam Walton im Jahre 1950 eröffnete - sondern auch die Leuchtturmprojekte seiner Tochter Alice, der reichsten Frau der Welt.

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