Eine US-Blockade stürzt die Welthandelsorganisation (WTO) in die grösste Krise ihrer fast 25-jährigen Geschichte. Einer Studie zufolge ist aber gerade die USA der grösste WTO-Profiteur - noch vor der Bundesrepublik.

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Die USA, China und Deutschland: Die drei grössten Exportländer der Welt profitieren einer Studie zufolge auch am stärksten von der Welthandelsorganisation WTO. Die Länder erzielten durch die Mitgliedschaft in der Organisation die mit Abstand grössten Einkommensgewinne, wie aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die am Montag veröffentlicht wurde, hervorgeht. 66 Milliarden US-Dollar brachte die Mitgliedschaft demnach der Bundesrepublik im Jahr 2016, mehr profitiert haben nur die USA (87 Milliarden USD) und China (86 Milliarden USD).

"Die WTO ist das Betriebssystem der Weltwirtschaft, das täglich dafür sorgt, das Waren und Dienstleistungen in einer stabilen, regelbasierten Umgebung zirkulieren können", sagte Christian Bluth, Handelsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Die WTO feiert am 1. Januar ihren 25. Geburtstag - zum Feiern dürfte der Organisation mit Sitz in Genf aber gerade nicht zumute sein. Denn seit Anfang Dezember können Handelsdispute nicht mehr geordnet beigelegt werden, weil es im Streitschlichtungsverfahren keine Berufungsrichter mehr gibt. Die USA haben neue Ernennungen seit Jahren blockiert. China bezeichnete das Verhalten der Nordamerikaner als bisher "schwersten Schlag" gegen die WTO.

Deutsche Firmen leiden unter Krise der WTO

"Ohne Durchsetzung von Regeln kann ein regelbasiertes System nicht lange bestehen," sagte Bluth. Die WTO brauche dringend ein Update, um weiterhin Wohlstand generieren zu können. Wer statt der WTO auf ein System von rein bilateralen Handelsabkommen setze, würde enorme Wohlstandseinbussen im internationalen Handel riskieren. Weltweit habe die WTO 2016 einen Wohlstandszuwachs von rund 855 Milliarden US-Dollar geschaffen. Dies entspreche in etwa einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes.

Unter der Krise der Welthandelsorganisation leiden aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags gerade hiesige Firmen. "Die Erosion der WTO durch die brach liegende Streitschlichtung trifft die international vernetzte deutsche Wirtschaft besonders stark", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur. Deutsche Unternehmen seien auf einen Welthandel mit fairen Regeln angewiesen.

164 Mitgliedsländer hat die WTO - die meisten profitieren laut der Bertelsmann-Studie von der Mitgliedschaft in der Organisation. Nicht-Mitglieder hätten mit Wohlstandseinbussen und einem Exportrückgang zu kämpfen. So gingen den Autoren zufolge die nominalen Exporte in Nicht-WTO-Ländern von 1980 bis 2016 um 5,5 Prozent zurück. In WTO-Mitgliedsländern seien sie im selben Zeitraum um 14 Prozent gewachsen.  © dpa

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