Marina sass gemeinsam mit ihrer Reisebegleitung Ines in Kambodscha fest. Die beiden versuchten zehn Tage lang, von dort wegzukommen. Ihr erster Rückflug wäre von Singapur aus abgeflogen. Am Changi Airport kamen die beiden jungen Frauen allerdings nie an, da Singapur die Grenzen geschlossen hatte. Die Buchungs-Odyssee für den ersehnten Heimflug begann.

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"Nach drei Tagen und ungefähr 300 Anrufen schafften wir es, unseren Abflugort von Singapur auf Bangkok in Thailand zu wechseln. Dort mussten wir eigenständig hinkommen, was eigentlich kein Problem gewesen wäre. Also begaben wir uns nach Siem Reap, um uns von dort aus einen Flug nach Bangkok zu buchen.

Als es hiess, man brauche dafür einen Healthcare-Nachweis oder den Coronavirus-Test, buchten wir uns einen zweiten Flug. Wir entschlossen uns zu einem Flug mit Transit, da es zu dem Zeitpunkt noch hiess, bei einem Transitflug würde man den Test nicht brauchen. Doch diese Regelung wurde dann wieder geändert.

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Wir gingen also ins Krankenhaus, weil es ja hiess, man brauche nur einen Healthcare-Nachweis darüber, dass man nicht infiziert ist. In einem schauderhaften Krankenhaus wurden wir geröntgt, untersucht, uns wurde Blut abgenommen. Im Anschluss bekamen wir den Healthcare-Schrieb.

Flüge wurden immer wieder storniert

Am nächsten Tag wurde uns wieder ein Flug storniert, diesmal die Verbindung von Siem Reap über Bangkok.

Wir bekamen mit, dass drei Leute, die eigentlich an diesem Tag fliegen wollten, wieder zurück ins Hotel kamen. Die Gesundheitsbescheinigung, die sie vorgezeigt hatten, war nicht ausreichend. Man müsse zusätzlich noch einen Coronavirus-Test vorzeigen, den man nur in Phnom Phen bekäme. Daraufhin buchten wir einen Flug von Phnom Phen über Hongkong, der halbwegs bezahlbar war und fuhren direkt nach Phnom Phen. Dort bekamen wir die Info, dass in Siem Reap das erste Terminal geschlossen wurde. Wir hatten natürlich Sorge, dass das relativ schnell für den kompletten Flughafen der Fall sein wird. Der Flug nach Hongkong wurde uns dann auch tatsächlich wieder storniert.

Da wir über ein Online-Portal gebucht hatten, versuchten wir, mit den Mitarbeitern Kontakt aufzunehmen. Das war aber weder über die Hotline, noch per E-Mail, noch über die App, noch per Facebook Messenger möglich. Wir versuchten es wirklich auf allen Kanälen.

Trotz des Rundum-Sorglos-Pakets konnten wir über die App nicht stornieren. Letztendlich liessen wir die Zahlung über Visa zurückgehen. Unter Umständen muss ich mir dahingehend noch einen Anwalt nehmen.

Stornierungen gehen ins Geld

Zeitweise war es unmöglich, einen Flug zu buchen - einfach, weil wir es uns nicht mehr leisten konnten. Ein Flug blockierte noch meine Kreditkarte. Das Geld dafür bekommen wir - wenngleich mit 100 Euro Bearbeitungsgebühr - zwar zurück. Aber das kann eben bis zu 14 Tagen dauern, weil sie im Moment so viele Umbuchungen haben.

Wir konnten es uns schlicht nicht mehr leisten, etwas zu buchen, da die Preise für Flüge zu dem Zeitpunkt bei 4000 Euro starteten. Freunde von uns flogen über Hongkong und kamen noch raus. Gefühlt war es so ein bisschen wie Lotto spielen. Du hast einen Flug, du buchst einen Flug – vielleicht wird er storniert, vielleicht auch nicht. Ich dachte immer, wenn ich es bis nach Bangkok schaffe, dann wollen die mich doch bestimmt weiterschicken, die wollen mich doch in ihrem Land nicht behalten.

Aber dann stornierten sie halt den Flug dorthin, damit du gar nicht erst dort hinkommt. Genauso kam es mir auch mit Hongkong vor. Die wollten einen dort nicht und deswegen stornierten sie ständig diesen ersten Flug. Der Hauptflug blieb immer bestehen, aber das brachte mir nichts, da ich nicht nach Singapur gelangen konnte.

Situation für Marina besonders schwer

Genau genommen wurde uns gar nicht geholfen. Wenn man Fragen an das Auswärtige Amt oder die Botschaft schickte, bekam man immer nur Standard-Antworten, aber nie ging einer auf das ein, was man wirklich gefragt hatte.

Dazu bin ich noch ein spezieller Fall: Ich bin in Deutschland geboren, habe aber nur eine Aufenthaltsgenehmigung. Ich bin keine deutsche Staatsbürgerin, sondern Serbin. Daraufhin wurde ich ernsthaft von der Botschaft gefragt, ob Serbien mich nicht heimholen könne. Dann erklärte ich erstmal, dass ich in diesem Land nie gelebt habe, geschweige denn einen Pfennig Steuern bezahlt habe und dass es unwahrscheinlich ist, dass Serbien mich zurückholen wird. Das war ein komisches Gefühl, weil man sich denkt: 'Okay, ich wohne doch da, ich zahle da Steuern, ich bin da geboren.' Aber irgendwie ist man dann halt doch gefühlt ein Mensch zweiter Klasse.

Von uns hatte keiner gedacht, dass es mit Corona so weit gehen würde, schon gar nicht vor fünf Wochen. Da gab es einen Corona-Fall in Deutschland und das Auswärtige Amt hatte noch keine Reisewarnung ausgeschrieben.

Worüber ich wirklich masslos enttäuscht und richtig wütend war: Urlauber auf Mallorca, die dahingefahren sind, als es schon eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt gab, waren bereits abgeholt worden, als wir noch händeringend versucht hatten, nach Hause zu kommen.

Am 29. März kam die Erlösung

Am 29. März habe ich es dann tatsächlich auf einen Rückhol-Flug geschafft. Der Chef meiner Reisebegleitung hatte Markus Söder angeschrieben, am Freitag bekamen wir dann tatsächlich eine Rückmeldung der bayerischen Landeskanzlei. Sie teilte uns mit, dass kurzfristig Flüge eingeschoben würden.

Marina am Flughafen. Endlich geht es für sie zurück nach Deutschland.

Spontan wurden zwei Qatar-Flugzeuge gechartert, die eigentlich kein Teil des Rückhol-Programms waren - das waren nur Condor, Lufthansa und Tui. Die Kosten für den Rückflug sind derzeit noch unbekannt, da werden wir wohl eine Rechnung bekommen, die auf alle Mitfliegende aufgeteilt wird. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich in meine Wohnung darf. Da mach ich dann wesentlich lieber 14 Tage Quarantäne."

Hier gibt es weitere Geschichten im Podcast von "Logbuch Quarantäne":