Lebst du noch oder trennst du schon? Ein Slogan, der für die aktuelle Recycling-Problematik in China durchaus passend wäre. Bislang war Mülltrennung hier nie Thema, seit Juli herrschen in Schanghai nun aber die weltweit schärfsten Gesetze zur Mülltrennung - Bussgeldkatalog und Recycling-Kontrolleure inklusive.

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Über Jahrzehnte hinweg galt China als einer der grössten Müllimporteure, nun scheint das Land seinen Ruf als Weltmüllkippe loswerden zu wollen.

Binnen kürzester Zeit hat das Land eine Kehrtwende vollzogen: 2017 stoppte China bereits den Import von Müll aus aller Welt, im Jahr 2019 will die chinesische Regierung in Sachen Recycling noch einen Schritt weitergehen - sehr zum Leidwesen des eigenen Volks.

Geplant ist eine regelrechte Müllrevolution. Zunächst wird die korrekte Mülltrennung in 46 Städten geübt und erprobt, 2025 soll die landesweite Implementierung folgen. Schanghai macht den Anfang, dort herrschen seit dem 1. Juli die strengsten Recycling-Regeln weltweit.

Quasi über Nacht mussten die Einwohner der Millionenmetropole lernen, welcher Müll in welche der vier neuen Tonnen kommt, was der Unterschied zwischen trockenem und nassem Abfall ist und welche Gegenstände als Gefahrengut oder wiederverwertbare Materialien gelten.

Punkteabzug bei falscher Mülltrennung

Die Verwirrung ist gross, es herrscht Chaos auf den Müllplätzen. Hinzu kommt: Wer Chinas Müllrevolution nicht unterstützt, dem drohen Geldstrafen und Minuspunkte im Sozialkredit-System.

Dies gilt es tunlichst zu vermeiden, schliesslich kann ein schlechtes Rating in China unter anderem zu Reisebeschränkungen, Drosselung der Internetgeschwindigkeit oder höheren Steuerzahlungen führen.

Damit der Müll auch wirklich regelkonform getrennt wird, setzt die Regierung auf einen strengen Bussgeldkatalog und Kontrolleure. Laut der "Süddeutschen Zeitung" hat Schanghai seit Anfang Juli rund 30.000 Aufpasser rekrutiert, die die bisher öffentlich zugänglichen Müllhalden bewachen und penibel darauf achten, dass kein Unrat in einer falschen Tonne landet.

Viele der neu eingestellten Aufpasser sind Rentner, die sich freiwillig gemeldet und Chinas grosse Müllrevolution unterstützen wollen.

Recycling-Regeln und strenge Einwurfzeiten

Vor dem ersten Arbeitstag müssen alle Kontrolleure einen 20-stündigen Mülltrennungskurs absolvieren. In Anbetracht der vielen verwirrenden Vorschriften ein sinnvoller Beschluss: Hühnerknochen gehören beispielsweise in den Feuchtmüll, Schweineknochen und sauber abgenagte Rinderknochen hingen sind trockener Müll.

Da die Tonnen dauerhaft überwacht werden müssen, herrscht in Schanghai ausserdem ein strikter Zeitplan, an den sich alle Einwohner der Stadt halten müssen: Müll darf nur zwischen 7 und 9 Uhr sowie von 18 bis 20 Uhr eingeworfen werden. Bleibt es bei dieser Regel, wird Abfall fortan den Tagesablauf von rund 26 Millionen Chinesen bestimmen.

Auch in Peking soll zukünftig mehr Müll getrennt und recycelt werden. Der Job der Aufpasser wird hier bereits von Computern übernommen. Die Regierung installierte im Juli 2019 zahlreiche Mülleimer mit Gesichtserkennungssoftware, so dass vorbildliche Mülltrenner belohnt und Recycling-Übeltäter schnell bestraft werden können.Die Stadt will Schanghai in Sachen Mülltrennung bald folgen.

Das Reich der Mitte meint es ernst mit seiner Müllrevolution, so viel steht fest. (lag)

Verwendete Quellen:

  • Sueddeutsche.de: "Die strengste Mülltrennung der Welt"
  • Taz.de: "Recycling in China: Giftig und wertvoll"
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