Frauen ergreifen Berufe, die ihren Interessen gerecht werden? Stimmt nicht, behauptet zumindest das Kinderhilfswerk "Plan Schweiz". Angeblich werden Leben und Arbeit junger Frauen nämlich verstärkt durch geschlechtsspezifische Erwartungen geprägt und deshalb verkaufen sie sich deutlich unter Wert.

Die Serie "Mad Men" ist so erfolgreich wie kaum eine andere TV-Sendung dieser Jahre. Grund dafür ist die Stimmung der 1960er Jahre, die jeden Seriencharakter einnimmt. Doch offenbar hinterlässt nicht nur der egomanische Bürohengst Don Draper Eindruck bei den Zuschauern, sondern auch dessen Ehefrau Betty: Eine blonde Hausfrau und Mutter, deren Alltag aus backen, bügeln und beipflichten besteht. Sie lebt das klassische Rollenbild einer Frau - und genau dieses hält offenbar auch bei Mädchen in der Schweiz Einzug.

Einer Studie des Kinderhilfswerks "Plan Schweiz" und der Fachhochschule Ostschweiz (FHO) zufolge haben fast alle befragten Mädchen angegeben, dass sie einmal heiraten und Kinder bekommen möchten. Ausserdem beschränken sich die jungen Frauen bei ihrer Berufswahl demnach auf vermeintlich typische Frauenberufe, darunter Coiffeuse oder auch Verkäuferin. Obwohl viele dieser Mädchen ein hohes Potenzial aus der Schule mitbringen und in der Schweiz Fachkräftemangel herrscht, wählen weit mehr Männer die lukrativeren Jobs.

Zurück zum Konservativen

"Diese typisch weiblichen Berufe sind viel schlechter bezahlt als klassische Männerberufe", sagt Studienleiterin Gabriella Schmid, Professorin an der FHO dem Onlineportal "20min.ch". Das scheint die Damen allerdings kaum zu stören. Sie kehren zu konservativen Denk- und Lebensweisen zurück, weil sie sich darin offenbar sicher fühlen. Schuld daran ist nach Angaben von Experten das vermeintliche Bild von schönen Frauen, die sich lieber mit ihren Freundinnen treffen und Klatsch austauschen anstatt als Ingenieurinnen Karriere zu machen. Es gebe keine selbstsicheren weiblichen Vorbilder mehr, an denen sich jüngere Mädchen orientieren könnten.

Das Kinderhilfswerk fordert daher konkrete Massnahmen, um dieser Tendenz entgegenzuwirken: Eine Bundeskampagne soll ein starkes Frauenbild fördern, ein Bundesgesetz gegen Sexismus vorgehen. Zudem seien Entwicklung und Umsetzung flächendeckender Leadership-Programme in Schulen und Vereinen notwendig. Gemeinden müssten sich verpflichten, finanzielle und praktische Ressourcen für Projekte bereitzustellen, die von Mädchen für Mädchen entwickelt und durchgeführt werden. Auch die Spielzeugindustrie und die Werbebranche müssten sich mit dem Thema der Geschlechterstereotype intensiver auseinandersetzen.

Im Rahmen der Studie wurden 55 Mädchen zwischen der 3. und 10. Klasse befragt.