266 Millionen Menschen waren im Vorjahr von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Das Problem konzentriert sich vor allem auf wenige Länder. Die Zukunft: düster.

Die Zahl hungernder Menschen bleibt auf einem dramatisch hohen Niveau - das zeigt ein Bericht des Globalen Netzwerks gegen Hungerkrisen (GNAFC). Im vergangenen Jahr waren 266 Millionen Menschen in 47 Ländern von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht, wie es in dem aktuellen "Global Report on Food Crises" heisst.

Besonders konzentriert ist die Krise in wenigen Ländern: Die meisten Betroffenen leben in zehn Ländern, unter anderem Afghanistan, dem Sudan und Jemen.

Krieg und Konflikt einer der stärksten Treiber für Hunger

Insgesamt hat sich akute Ernährungsunsicherheit dem Bericht zufolge in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das Ausmass von Hunger bleibe alarmierend hoch.

António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, betont im Vorwort, der Bericht beweise, dass Hunger zunehmend als Kriegswaffe eingesetzt wird. Sechs der zehn grössten Nahrungsmittelkrisen waren primär konfliktbedingt, darunter Sudan, Südsudan, Myanmar und der Gazastreifen.

Im vergangenen Jahr wurden zudem erstmals in der Geschichte des Berichts zwei Hungersnöte ausgerufen, zum einen in einem Regierungsbezirk des Gazastreifens sowie in Teilen des Sudans.

Guterres betont, dass der internationale Kampf gegen den Hunger ein "Test unserer gemeinsamen Menschlichkeit" sei ein Test, an dem wir nicht scheitern dürfen.

UNICEF sorgt sich vor allem um die Kinder

Besonders Kinder sind von wachsendem Hunger betroffen. Allein 2025 waren 35,5 Millionen Kinder akut mangelernährt, darunter fast 10 Millionen mit schwerer akuter Mangelernährung.

UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell betont in einer Pressemitteilung: "Millionen von Kindern am Rande des Verhungerns müssen ein Weckruf für die Welt sein." Für sie sei klar, dass es "fehlenden politischen Willen" gäbe, um Kindern Zugang zu grundlegender Ernährung, sauberem Wasser und lebenswichtigen Diensten zu gewährleisten.

"In einer Welt des Überflusses", so Russell, "gibt es keinen Grund dafür, dass ein Kind wegen Mangelernährung leiden oder sterben muss."

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Auch 2026 keine Besserung in Sicht

Mit Blick auf das laufende Jahr zeichnet sich ein düsteres Bild ab: Anhaltende Konflikte, klimatische Bedingungen sowie globale wirtschaftliche Unsicherheit dürften die Lage in vielen Ländern auf kritischem Niveau halten oder sogar verschlechtern, heisst es im Bericht.

Insbesondere die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten könnte die Lage in bestimmten Ländern und Gebieten weiter verschärfen.

Das Bundesentwicklungsministerium war dem Globalen Netzwerk gegen Hungerkrisen Anfang des Jahres beigetreten. Niels Annen, Staatssekretär im Entwicklungsministerium, mahnte mit Blick auf den Bericht ein "starkes, gemeinsames und koordiniertes Handeln" an, das "humanitäre Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit miteinander verbinden".

Verwendete Quellen