Mehr als 200 Millionen Euro sollen über das sogenannte Hawala-Banking am deutschen Fiskus vorbeigeschleust worden sein: Illegale Geldtransfers in die Türkei haben für einen Grosseinsatz der Behörden in fünf Bundesländern und in den Niederlanden gesorgt. Die deutsche Hawala-Zentrale sitzt im Duisburger Stadtteil Marxloh.

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Gleich in fünf Bundesländern und den Niederlanden sind Polizisten und Steuerfahnder am Dienstag gegen mutmassliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung vorgegangen. Sie sollen ein verbotenes, sogenanntes Hawala-System für Geldtransfers installiert und betrieben haben.

Illegale Geldtransfers: 27 Verdächtige

Der Verdacht richtet sich gegen 27 Personen im Alter zwischen 23 und 61 Jahren. Sie sollen am legalen Bankensystem vorbei Millionen von Euro aus Deutschland in andere Länder geschickt haben.

Insgesamt 62 Objekte wurden in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg sowie in den Niederlanden durchsucht.

In Deutschland konzentrierten sich die Beamten auf ein Juweliergeschäft im Duisburger Stadtteil Marxloh. Auf dessen Schaufenster steht "Altgold Ankauf".

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR lag der Schwerpunkt der Durchsuchungen in NRW. Der Hauptverdächtige soll demnach aus Duisburg kommen und dort einen Metallhandel führen.

Die illegalen Überweisungen sollen ohne die nötige Banklizenz vor allem in die Türkei geflossen sein. Es gehe insgesamt um mehr als 200 Millionen Euro.

Der Schwerpunkt der Razzia liege im Grossraum Duisburg, wo unter anderem Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen durchsucht wurden.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag lediglich, dass das Geld unter anderem in die Türkei transferiert worden sein soll.

Gegen sechs der 27 Beschuldigten lägen Haftbefehle vor, erklärte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA). Sie seien teilweise vollstreckt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Dabei kamen auch Spezialkräfte zum Einsatz.

Bei dem transferierten Geld handele es sich um mutmasslich illegal erworbenes Vermögen, so das LKA. Woher es im Einzelnen stammen könnte, wurde zunächst nicht bekannt.

Das Hawala-System wird für Geldüberweisungen abseits traditioneller Bankkanäle genutzt. Das System beruhe auf einer Vertrauensbasis der Beteiligten, die oftmals der gleichen Ethnie angehörten, und habe sich in Regionen mit wenig entwickelten Banksystemen herausgebildet, heisst es in einer Analyse des Bundesfinanzministeriums.

Hawala: So funktioniert der illegale Geldtransfer

Es erlaube "Gelder nahezu ohne jede Möglichkeit der Rückverfolgung zu transferieren". Das Geld werde gegen eine Gebühr bei einem Hawala-Händler eingezahlt. Der Einzahler erhalte ein Kennwort, gegen dessen Nennung der Empfänger das Geld bei einem Händler im Zielland ausgezahlt bekomme.

Der aus dem Arabischen stammende Begriff Hawala lässt sich Wissenschaftlern zufolge mit Zahlungsanweisung oder Schuldüberweisung übersetzen.

Seine Wurzeln hat das Hawala-Finanzsystem in der frühmittelalterlichen Handelsgesellschaft des Vorderen und Mittleren Orients, wie aus einer Publikation der Universität Duisburg 2002 hervorgeht.

Geldtransfers über das Hawala-System müssten "nicht per se einen kriminalistisch relevanten Hintergrund haben", betont das LKA NRW in seinem jüngsten Lagebild zur Clankriminalität.

Aber auch Angehörige "türkisch-arabischstämmiger Familienclans" nutzten das System zur Vermögenssicherung und Geldwäsche.

Solche Finanztransfergeschäfte brauchen in Deutschland eine Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin. Bei unerlaubtem Betrieb drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Wie viel Geld aus Deutschland über Hawala-Kanäle überwiesen wird, ist nicht bekannt. "Wir erfahren ja nur von Fällen, auf die wir einen Hinweis bekommen haben", sagte ein Behördensprecher. (hau/dpa)

Bankautomat in Augsburg gesprengt - Geldscheine liegen herum

In einer Augsburger Bankfiliale haben Unbekannte einen Geldautomaten gesprengt. Die Explosion ereignete sich laut Polizei am Samstagmorgen. Viele Geldscheine lagen in der Bank verteilt herum. Laut Zeugen seien zwei Täter in einem Auto "mit hoher Geschwindigkeit" geflohen, hiess es von der Polizei. Die Fahndung nach ihnen laufe.