Alex Feuerherdt

Schiedsrichter-Coach und freier Publizist

Alex Feuerherdt ist Schiedsrichter seit 1985 und hat Spiele bis zur Oberliga geleitet. Er lebt in Köln und ist dort verantwortlich für die Aus- und Fortbildung der Unparteiischen. Ausserdem wird er als Schiedsrichter-Coach eingesetzt.

Gemeinsam mit Klaas Reese betreibt er Deutschlands ersten und einzigen Schiedsrichter-Podcast, "Collinas Erben", der sich mit den Fussballregeln, den Entscheidungen der Referees sowie mit den Hintergründen und Untiefen des Pfeifens befasst. Hauptberuflich arbeitet Feuerherdt als freier Publizist und Lektor.

Artikel von Alex Feuerherdt

Am 17. Spieltag gab es erneut knifflige EntscBeim Spiel von Bayer 04 Leverkusen in Mainz trifft Kevin Volland, doch sein Tor zählt aufgrund eines Handspiels des Vorlagengebers zu Recht nicht. Derweil beklagen sich die Augsburger über ein nicht geahndetes Foul vor dem ersten Leipziger Treffer. Dem Video-Assistenten sind allerdings die Hände gebunden.

Kaum knifflige Situationen für die Referees - Tore in Wolfsburg korrekt.

Beim Spiel des BVB in Mainz klemmt ein Spieler der Gastgeber im Strafraum den Ball zwischen seinen Armen ein. Trotzdem gibt der Unparteiische keinen Strafstoss, und der Video-Assistent widerspricht nicht. Dafür gibt es Gründe.

Während man beim FC Bayern München einen spielentscheidenden Elfmeter gegen sich beim Spiel in Mönchengladbach vollauf akzeptiert, gibt es in den sozialen Netzwerken längliche Debatten darüber. Auch über einen strittigen Strafstoss für den FC Augsburg wird diskutiert.

In Schalke lässt der Video-Assistent eine Elfmeterentscheidung für Union Berlin unbeanstandet, obwohl die Bilder zeigen, dass eine Schwalbe vorliegt. In den anderen Stadien dagegen machen die Unparteiischen und ihre Helfer in Köln eine gute Figur. Das Topspiel in München sieht gar einen Top-Schiedsrichter.

Der Freiburger Torwart bekam nach einem Ausrutscher in Leverkusen unfreiwillig ein bisschen Nachhilfe in Regelkunde. Dabei hatte er Glück, dass die Situation für ihn glimpflich ausging. Sein Berliner Kollege hingegen erwischte einen gebrauchten Tag.

Chaotische Szenen im Breisgau: Nach einem Bodycheck von Frankfurts Kapitän David Abraham gegen Freiburgs Trainer Christian Streich kommt es zu wilden Tumulten am Spielfeldrand. Doch Schiedsrichter Felix Brych behält den Überblick – und zeigt, unterstützt vom Video-Assistenten, völlig zu Recht zweimal Rot. Hinterher vertrugen sich die Streithähne wieder - hilft ihnen das bei der Bemessung der Sperre?

Nicht weniger als achtmal tragen die Video-Assistenten am elften Spieltag der Fussball-Bundesliga dazu bei, dass Entscheidungen des Schiedsrichters geändert werden. Achtmal tun sie es zu Recht. In Berlin hätte es eine weitere Intervention geben müssen, in Paderborn verhindern die Regularien sie. Eine kleine Bestandsaufnahme.

Im Berliner Derby blieb Deniz Aytekin auch dann noch gelassen, als Raketen auf den Platz geworfen wurden. Ein aufgeheiztes Spiel brachte der Schiedsrichter souverän zu Ende. Auch beim spielentscheidenden Strafstoss lag er goldrichtig.

Das Thema Handspiel sorgt einmal mehr für Diskussion. Es gibt viel Aufregung, obwohl die Unparteiischen fast überall zumindest nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Dabei spielen auch die Video-Assistenten eine gute Rolle.

Im Topspiel hat der Unparteiische alle Hände voll zu tun: Zwei Tore für den BVB werden wegen Abseits annulliert, dreimal gibt es keinen Elfmeter für Gladbach. Nur in einer Szene wäre eine andere Entscheidung besser gewesen.

Dreimal reklamiert Fortuna Düsseldorf in Berlin einen Elfmeter, am Ende aber gibt es nur einen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass der Video-Assistent in einem Fall dem Schiedsrichter nicht die aussagekräftigsten Bilder gezeigt hat. Unterdessen ist der Unparteiische auf Schalke erst streng und dann zu grosszügig.

Premiere in Mainz: Erstmals in der Geschichte der Bundesliga bekommt ein Trainer die Gelb-Rote Karte. Beim nächsten Spiel darf er deshalb automatisch weder an der Seitenlinie coachen noch die Mannschaftskabine betreten. Eine solche Sperre war in der vergangenen Saison noch nicht obligatorisch.

Die Berliner Hertha hat den Grundstein für ihren ersten Saisonsieg mit einem tollen Tor gelegt, dem allerdings ein Handspiel vorausgegangen ist. War es strafbar? Nein, meinen Schiedsrichter und Video-Assistent - und liegen damit richtig.

In Berlin läuft für den Schiedsrichter von Anfang an einiges schief, die Spieler protestieren selbst gegen korrekte Entscheidungen. Einer der Beteiligten zeigt sich nach dem Spiel bemerkenswert selbstkritisch.

Ein unberechtigter Eckstoss leitet die Dortmunder Niederlage bei Union Berlin ein. Der Video-Assistent darf den Schiedsrichter jedoch nicht auf seinen Fehler hinweisen – und das hat logische Gründe.

Am 2. Spieltag sorgt der Video-Assistent für viel Ärger. Der FC Schalke 04 beschwert sich nach der Partie gegen den FC Bayern wegen zweier Handspiele.

Mit einem eindeutig strafbaren Handspiel versucht ein Leverkusener, ein Tor zu verhindern. Das misslingt jedoch, weil ein Paderborner im Nachschuss trifft. Es gibt jedoch nur eine Gelbe statt einer Roten Karte. Diese Regelung gefällt einem früheren Nationalspieler nicht.

Der FC Bayern bleibt in Leipzig torlos und wird nicht vorzeitig Meister, weil sich Robert Lewandowski laut Video-Assistent mit der Fussspitze im Abseits befindet. Uli Hoeness hält das für "einen Witz". In Leverkusen ist der Unparteiische derweil besonders froh über die Unterstützung durch seinen Helfer am Monitor.

Keine Rudelbildungen und keine Schwalben, keine Theatralik und kein Jammern, kein Bestürmen der Schiedsrichterin und kein Fordern von Karten für die Gegnerin: Die Frauen-WM hob sich in puncto Fairness wohltuend von manchem Wettstreit der Männer ab. Entgegen anderslautenden Urteilen wirkte sich auch der Einsatz der Video-Assistenten positiv aus.

Der Einsatz der Video-Assistenten bei der Frauen-WM in Frankreich funktioniert bislang gut, obwohl er für fast alle Schiedsrichterinnen Neuland ist. Auch die Transparenz ist vorbildlich. Deutliche Kritik gibt es dagegen an den ungewohnt rigorosen Eingriffen, wenn die Torhüterinnen beim Elfmeter knapp vor der Torlinie sind. Doch dieses allzu strenge Vorgehen ist von der Fifa gewollt.

War der Ball auf der Linie oder ausserhalb des Feldes? Eigentlich sollte sich diese Frage mit der modernen Videotechnik schnell beantworten lassen. Beim Spiel in Mönchengladbach jedoch rätseln gleich vier Unparteiische nach dem Führungstor für Borussia Dortmund über die Bilder - und treffen schliesslich den einzig richtigen Entschluss.

Neue Diskussionen am 32. Spieltag. Dabei räumt auch der DFB Fehler ein.

Das Revierduell zwischen dem BVB und Schalke 04 war Schwerstarbeit für Schiedsrichter Felix Zwayer. In den spielentscheidenden Situationen, etwa beim Handelfmeter für die Gäste, lag er jedoch richtig. Und so klagte Dortmunds Trainer Lucien Favre dann auch weniger über den Unparteiischen als über die Regelmacher.

Vor genau 25 Jahren erzielte Thomas Helmer vom FC Bayern München sein berühmtes (Nicht-)Tor gegen den 1. FC Nürnberg. Zu den Folgen gehörten eine fragwürdige Wiederholung des Spiels, der Abstieg des "Club" und Morddrohungen gegen den Schiedsrichter und seinen Assistenten.