Cybergrooming, die Belästigung von Minderjährigen im Internet, stellt mittlerweile ein ernsthaftes Problem für Kinder und Jugendliche dar. Die Gefahren werden häufig unterschätzt. Diplom-Psychologe Klaus Seifried gibt Tipps, wie Sie Ihr Kind schützen können.

Es ist ein Fall, der Eltern weltweit alarmiert: Ein 35 Jahre alter Mann aus Spanien gibt sich als junges Mädchen aus und kontaktiert über soziale Netzwerke mehr als 140 Minderjährige.

Das bestätigte der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido Anfang Dezember via Twitter und macht so auf eine wirklich fürchterliche Tat aufmerksam. Denn der Mann aus Sevilla nutzte seine Tarnung zu pädophilen Zwecken und liess sich von den Kindern Nacktaufnahmen von sich zuschicken.

Damit nicht genug: Er soll seine Opfer zu einem späteren Zeitpunkt sogar zum Geschlechtsverkehr aufgefordert haben, wie die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die ermittelnde Polizei berichtete. Mittlerweile wurde der Mann festgenommen – doch Fälle wie dieser sind leider keine Seltenheit.

Das so genannte Cybergrooming, die Belästigung von Minderjährigen im Internet, stellt eine ernsthafte und oftmals unterschätzte Gefahr im Netz für Kinder und Jugendliche dar.

Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologen erklärt im Interview mit unserer Redaktion, wie man eben diese Gefahr erkennt und wie Eltern und Kinder sich vor Cybergrooming schützen können.

Herr Seifried, woran erkennt man, dass das eigene Kind von Belästigungen im Internet betroffen ist?

Klaus Seifried: Wichtig ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind. Wenn Eltern merken, dass sich im Verhalten ihres Kindes etwas verändert, das Kind offenbar Geheimnisse hat, dann sollten sie das offen, aber vorsichtig ansprechen. Drängen Sie das Kind aber nicht und bombardieren Sie es nicht mit Fragen, sondern suchen Sie ein vertrauensvolles Gespräch.

Welche Kinder sind besonders von Cybergrooming betroffen?

Besonders anfällig sind Kinder und Jugendliche, die wenig soziale Anerkennung von Gleichaltrigen bekommen, wenig Freunde haben und sozial isoliert sind. Auch Kinder und Jugendliche, die viel allein zu Hause sind und wenig Aufmerksamkeit ihrer Eltern bekommen, sind gefährdet. In der Anonymität der Chat-Kontakte leben sie auf, freuen sich über einfühlsame Dialoge und meinen, dass das ein Ersatz für reale Freundschaften und soziale Kontakte ist.

Wie geht man vor, wenn das eigene Kind zum Opfer wird? Wie kann man Kinder davor schützen?

Wenn Eltern mit ihrem Kind gesprochen und einen begründeten Verdacht haben, sollte der Chatkontakt gespeichert und dokumentiert werden. Es ist in diesem Fall wichtig, sich von Experten, etwa von "klicksafe.de", oder Schulpsychologen beraten zu lassen. In schweren Fällen sollten grundsätzlich Experten der Polizei eingeschaltet und Strafanzeige gestellt werden.

Gibt es für Eltern eine Möglichkeit, Cybergrooming vorzubeugen?

Die meisten Eltern haben nur wenig Informationen darüber, was ihre Kinder am Computer und im Internet tun. Deshalb sollten Eltern grundsätzlich regelmässig mit ihren Kindern über die Nutzung des Internets sprechen und sich auch ab und zu zeigen lassen, was die Kinder dort tun.

Wichtig ist auch, dass die Eltern ihre Kinder über Gefahren im Umgang mit fremden Menschen aufklären. Das betrifft Belästigungen auf dem Schulweg, abends im dunklen Park, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Internet. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche die Gefahren selbst erkennen und lernen, sich zu wehren oder Hilfe zu holen.

Klaus Seifried ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Lehrer. Seine zahlreichen Publikationen beschäftigen sich unter anderem mit dem Thema Schulpsychologie. Seit 1996 ist er im Bundesvorstand der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.