"Romance-Scamming" oder auch "Love-Scamming": So nennt sich eine gängige Masche, mit der Betrüger sich in den sozialen Medien oder beim Online-Dating das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen, um sie dann um ihr Geld zu bringen. Woran Sie solche Betrüger erkennen.

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Oft sind es gut aussehende Männer in amerikanischen Uniformen oder leicht bekleidete Frauen auf wunderschön inszenierten Fotos. Wer in sozialen Medien wie Facebook und Instagram Kontaktanfragen mit solchen Bildern bekommt, sollte vorsichtig sein.

Dahinter steckt häufig eine Betrugsmasche, die der Polizei als "Romance-Scamming" bekannt ist. Die vermeintlichen Soldaten und Schönheiten nutzen geschickt die Einsamkeit anderer Menschen aus, um sie zu betrügen.

"Es fängt oft harmlos an. Die Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken nach Opfern und durchforsten dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt", erklärt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Erst Liebesschwüre, dann Geldsorgen

Ganz typisch: Die Scammer überhäufen ihre Opfer mit langen Briefen, die voll sind von schwülstigen Liebeserklärungen. Einige Betrüger gehen laut Polizei auch behutsamer vor und erfragen zunächst alles über das Privatleben: von Hobbys über Kinder bis zu Ex-Partnern. Ein Thema sei immer auch der Glaube an Gott.

Zusätzlich verstärken Facetime- oder Skypegespräche die Bindung zwischen Täter und Opfer. Früher oder später schmieden die Scammer Heiratspläne, wodurch die anschliessende Bitte um Geld viele Opfer gar nicht mehr so sehr verwundert.

  • An dieser Stelle warnt Schmidt: "Überweisen Sie niemals Geld an Menschen, die Sie nicht aus dem realen Leben kennen."

Täter finden verschiedene Wege, um an Geld zu kommen

Meist fordern die Betrüger die Opfer direkt auf, Geld zu schicken. Häufig soll dies nach Nigeria oder Ghana gehen, wo der Scammer angeblich familiäre Probleme hat. Frauen fordern meistens eine Geldsendung nach Osteuropa, Südostasien oder Südamerika.

"Weigert sich das Opfer, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Zum Beispiel schicken sie als Gegenleistung Schecks nach Deutschland, die dann aber gefälscht sind", so Schmidt.

Auch wird dem Opfer mitunter Geld versprochen – aus einer Erbschaft oder einem Familienschatz beispielsweise. Dafür, so behaupten die Scammer, würden aber erst einmal Tausende Euro für Gebühren, Notarkosten oder Steuer fällig. Sobald das Opfer gezahlt hat, bricht der Kontakt ab – das Geld ist unwiederbringlich verloren.

Aktuell sehr häufig sei die Bitte um eine Einladung nach Deutschland. "Dort wollen sie dann auf Kosten ihrer Opfer leben. Oft täuschen die Betrüger auch vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt", sagt Schmidt.

Tipps von der Polizei gegen "Romance-Scamming"

Daran erkennen Sie einen Romance- oder Love-Scammer:

  • Kontaktaufnahme: Die Scammer stellen den Erstkontakt über soziale Netzwerke oder Dating-Seiten her und erfragen die Mailadresse. Es folgt eine knappe Mail - meist von einer deutschen Mailadresse - auf Englisch mit einer Chat-Einladung.
  • Bilder: Frauen leicht bekleidet, Männer sehr häufig in Uniform.
  • Sprache: Das Englisch der Betrüger ist meist gut. "Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der Englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind", heisst es von der Polizei. Allerdings schreiben viele auch in perfektem Deutsch.
  • Inhalt der Nachrichten: Liebesschwüre - und dann bald die Bitte um Geld. Häufig werden als Grund Probleme, etwa familiärer Art, in Westafrika, Russland oder Südostasien genannt

Sollten Sie den Verdacht haben, gescammt zu werden, empfiehlt die Polizei:

  • Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" in eine Suchmaschine eingeben - der Verdacht liesse sich dadurch oft bestätigen.
  • Falls ein Bild mitgeschickt wurde, lassen sich anhand der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten.
  • Im Verdachts- oder Zweifelsfall: Anfragen ignorieren, Person blockieren.
  • Hilfe holen, etwa bei der Polizei.
  • Beweise sichern, etwa durch Screenshots.

"Scheuen Sie sich nicht, zur Polizei zu gehen, wenn Ihnen so etwas widerfährt", betont Schmidt. Viele Opfer schämen sich jedoch, dass ihnen so etwas passiert ist. Tatsache ist aber, dass diese Betrugsform jeden treffen kann.

Wer in Online-Kontaktbörsen unterwegs sei oder Mailkontakt mit Unbekannten habe, dem rät er generell: "Benutzen Sie dafür eine alternative Emailadresse. Im Fall eines Betruges vermeiden Sie damit, dass Sie Ihren Hauptmailaccount löschen müssen." (af)

Verwendete Quellen:

  • Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

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