• Der Platzhirsch unter den Messengern steht in der Kritik: Anfang 2021 hat WhatsApp seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien geändert und bittet für die weitere Nutzung um Zustimmung.
  • Viele Nutzer wechseln deshalb den Messenger-Dienst. Aber auch bei Anbietern wie Signal, Threema und Telegram gibt es Kritikpunkte.
  • IT-Wissenschaftler René Walendy klärt über die Tücken der Alternativen auf.

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68 Prozent der Deutschen nutzen ihn laut ARD/ZDF-Onlinestudie täglich: den Messenger-Dienst Whatsapp aus dem Hause Facebook. Doch seit kurzem hagelt es Kritik: Denn WhatsApp hat zum Jahresbeginn 2021 seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie geändert – und fordert die Zustimmung seiner Nutzer für die weitere Verwendung.

Schon seit 2016 stimmt man mit den Nutzungsbedingungen zu, dass Nutzerdaten von WhatsApp – etwa Profilbild, Handynummer oder Telefonnummern aus dem eigenen Adressbuch – mit allen Facebook-Diensten ausgetauscht werden dürfen. Mit den neuen AGBs will sich der US-Konzern aber auch die Erlaubnis für eine Verwendung zum Personalisieren von Werbeanzeigen einholen.

Viele Nutzer wechseln den Messenger

In welcher Form das auch auf deutsche Anwender zutrifft, ist noch nicht ganz klar. Für den Europäischen Wirtschaftsraum gilt nämlich eine eigene Datenrichtlinie, laut der WhatsApp die Nutzerdaten zwar innerhalb des Facebook-Konzerns austauschen, sie aber beispielsweise nicht für personalisierte Werbeanzeigen nutzen darf.

Ursprünglich hätte WhatsApp ohne Zustimmung ab dem 8. Februar den Account gesperrt, nun gab der Konzern aber bekannt, mehr Zeit für letzte Aktualisierungen zu benötigenbis zum 15. Mai. Auch wenn offenbleibt, ob eine Zustimmung dann für neue Optionen verpflichtend sein wird, haben viele Nutzer bereits entschieden, den Messenger-Dienst zu wechseln.

Datenschutz durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Signal, Threema und Co. verzeichnen seitdem regen Zulauf. Aber sind die Alternativen wirklich besser? "Ja, definitiv – zumindest einige davon", sagt IT-Wissenschaftler René Walendy. Für unsere Redaktion hat er sich die gängigsten Alternativen zu WhatsApp angeschaut.

Dabei handelt es sich um Messenger, die eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten. Bedeutet: "Auch der Betreiber des Messengers kann die Nachrichten nicht lesen", erklärt Walendy. Nur die Teilnehmer des Chats können auf die Inhalte zugreifen.

Alternative 1: Telegram

"Telegram wirbt zwar mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, das betrifft aber nur die 'Geheime Chats'-Funktion", sagt der Experte. Diese müsse man für jeden Kontakt einzeln aktivieren. Dann würden die Nachrichten aber auch nicht mehr in den Apps für den PC anzeigt, sondern nur noch auf dem Handy.

Für Gruppengespräche steht diese Funktion nicht zur Verfügung. "Aktiviert man die Funktion nicht, können die Telegram-Server die Nachrichten lesen – und im Zweifel eben auch Hacker, sollte Telegram einmal angegriffen werden", erklärt Walendy.

Weiteres Manko: Eine Telefonnummer muss mit der App verknüpft werden, es lässt sich jedoch einstellen, ob andere Nutzer sie sehen können. Um Telegram zu einer datenschutzfreundlicheren Alternative zu WhatsApp zu machen, sollte die Kontaktsynchronisation nicht genutzt werden – sonst werden Telefonnummern sowie Vor- und Nachnamen aus dem Adressbuch auf dem Server gespeichert.

Alternative 2: Threema

Der Schweizer Messenger-Dienst betreibt nach eigenen Angaben alle seine Server in der Schweiz. "Das hat natürlich den Vorteil, dass Threema recht strengen Datenschutz-Gesetzen unterliegt", sagt Walendy. Mittlerweile sei Threema sogar Open Source – das heisst, der Quelltext der Software ist öffentlich und kann deswegen leicht von unabhängigen Stellen überprüft werden.

Weiteres Pfund: Threema ist vollkommen ohne personenbezogene Angaben nutzbar, denn der Messenger vergibt eine zufällig generierte ID, die anderen Nutzern angezeigt wird. Nach eigenen Angaben speichert Threema die Telefonnummer oder Mailadresse nur auf Wunsch – und dann verschlüsselt. Das trifft auch auf das Adressbuch zu: Wer die Telefonnummern oder Mail-Adressen der eigenen Kontakte abgleichen möchte, um Freunde zu finden, gewährt Threema nur einen anonymisierten Blick ins Adressbuch – das verspricht zumindest das Unternehmen.

"Leider muss man die App aber nach wie vor kaufen, damit man sich einen Account erstellen kann", sagt der IT-Experte. Threema habe weltweit immer noch nur etwa acht Millionen Nutzer.

Auch bei der Verschlüsselung gebe es von einigen Sicherheitsforschern Kritik: "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird zwar unterstützt, aber Messenger wie Signal bieten noch einmal besseren Schutz vor Angreifern, weil es für sie schwieriger ist, den ganzen vergangenen Nachrichtenverlauf zu knacken, statt nur neue Nachrichten mitzulesen", erklärt Walendy.

Alternative 3: Signal

Signal ist die Empfehlung von Tesla-Gründer Elon Musk. "Seit er vergangene Woche 'Use Signal' getwittert hat, hat der in den USA ansässige Messenger eine riesige Menge neuer Nutzer bekommen", weiss Walendy. Aus gutem Grund: "Die Entwickler von Signal haben auch die Vorlage für die Verschlüsselung in WhatsApp geliefert - und die ist tatsächlich eine der besten und stärker als die in Threema", sagt der ITler.

Anders als WhatsApp sei Signal aber ein "non-profit", also ein nicht gewinnorientiertes Unternehmen. "Deswegen hat es kein Interesse daran, diese Metadaten zu verkaufen", erläutert Walendy. Allerdings sei Signal aus diesem Grund massiv auf Spenden angewiesen.

"Der Serverstandort liegt in den USA, DSGVO-Ansprüche gelten hier also nicht", erinnert der Experte. Ausserdem komme man bei der Registrierung nicht darum herum, seine Telefonnummer preiszugeben.

Alternative 4: Skype

Viele kennen Skype nur als Anbieter von Videotelefonie, seit etwa zwei Jahren bietet der Dienst aber auch die Funktion "Private Unterhaltungen" für Chats und Calls. "Man muss sie aber auch wieder für jeden Chat einzeln aktivieren", sagt Walendy. Daher dasselbe Problem: "Diese Chats werden dann nicht zwischen verschiedenen Geräten eines Nutzers, also zum Beispiel Handy und Laptop, synchronisiert", sagt der Experte.

Die Angabe von E-Mail oder Handynummer ist auch bei Skype vonnöten, denn für die Nutzung ist ein Konto bei Microsoft Voraussetzung – allerdings lässt sich einstellen, wer diese Daten sehen kann.

Nachdem Microsoft den Skype-Dienst 2011 gekauft habe, sagt Walendy, habe es ausserdem mehrere Berichte darüber gegeben, dass alle Gespräche und Nachrichten recht einfach von Microsoft für US-Behörden angezapft werden können. "Weil Skype nicht Open Source ist, lässt sich schwer sagen, ob solche Hintertüren immer noch existieren", betont der IT-Experte.

Alternative 5: Wire

Auch der Messenger-Dienst Wire verlangt eine Handynummer oder E-Mail-Adresse für die Nutzung. "Der 'Wire Personal Secure Messenger' ist der Ableger der Wire-Familie für den Privatgebrauch", sagt Walendy. Wire verdiene sein Geld über seine kostenpflichtigen Messenger für Teams in Unternehmen. Der Messenger ist auch ohne Zugriff auf das Adressbuch einsatzfähig, eine Kontaktsynchronisation erfolgt auf Wunsch und ist dann verschlüsselt.

"In allen Wire-Apps kommt ein Vorläufer der Verschlüsselung in Signal zum Einsatz. Allerdings betreibt Signal deutlich mehr Aufwand, um Metadaten generell zu vermeiden", weiss der Experte. Die immerhin in Deutschland und Irland stehenden Wire-Server speicherten zum Beispiel, wer mit wem in einer privaten Unterhaltung oder einer Gruppe sei - Signal tue das nicht.

Alternative 6: Matrix

Ein weiterer Messenger, der die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterstützt und ohne Adressbuch-Zugriff genutzt werden kann, ist der Matrix-Messenger mit seiner App "Element". "Der Vorteil hier: Nicht nur die Apps sind Open Source, sondern es kann auch jeder, der möchte, mit wenig Aufwand einen eigenen Server betreiben", sagt Walendy.

"Damit ist man unabhängig von einer grossen Firma, die alle Server besitzt", erklärt der Experte. Die französische Regierung und auch das Verteidigungsministerium arbeiteten bereits daran, den Messenger intern zu nutzen. "Leider hat Matrix noch immer recht wenige Nutzer, sodass man hier einiges an Überzeugungsarbeit für seine Freunde brauchen wird", schätzt Walendy.

Fazit: Mehrere wirklich gute Alternativen - nur zwei fallen negativ auf

Das Fazit des Experten: "Nur Telegram und Skype fallen durch ihre eigenwillige Verschlüsselung wirklich negativ auf. Bei Threema, Signal, Wire und Matrix geht es da schon deutlich mehr in die Details, was die Entscheidung natürlich nicht gerade leichter macht", sagt Walendy.

Die solideste Verschlüsselung bietet aus seiner Sicht Signal. "Wem der Serverstandort nicht geheuer ist, der findet bei Threema und Wire sinnvolle Alternativen", sagt der Experte weiter. An der vordersten technischen Front spiele auch Matrix mit.

"Die wahre Tücke bei der Messenger-Wahl ist also eher, dass es mittlerweile mehrere wirklich gute Alternativen gibt - und es nicht ganz einfach ist, seinen gesamten Freundeskreis zur einen oder anderen Variante zu bewegen, sodass am Ende doch wieder eine Vielzahl von Messenger-Apps auf dem eigenen Handy landen", urteilt Walendy.

Gerade für Menschen, die viel ins Nicht-EU-Ausland kommunizieren oder dort leben, wo die DSGVO nicht gilt, empfiehlt der Experte aber dringend den Wechsel.

Über den Experten: René Walendy ist IT-Wissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum und Mitarbeiter bei dem IT-Sicherheitsdienstleister "texplained SARL". In diesem Beitrag spricht er nicht für das Unternehmen, sondern als Privatperson.

Verwendete Quellen:

  • Verbraucherzentrale: Datenschutz bei Messengern im Überblick
  • WhatsApp Blog: Mehr Zeit für unsere letzten Aktualisierungen
  • ARD/ZDF-Onlinestudie: Nutzung von Social Media/WhatsApp 2020

Signal: Was kann die WhatsApp-Alternative?

In den App-Charts ganz vorne liegt derzeit der Messenger Signal. Der Grund: WhatsApp hat neue Nutzungsbedingungen angekündigt. Nun laufen die Nutzer scharenweise zur Konkurrenz über. Welche Funktionen bringt der Messenger mit – und ist er wirklich sicherer?