Eine neue Studie unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zeigt: Kinder müssen beim Konsum von Medien beaufsichtigt werden. Wir zeigen Ihnen, woran Sie erkennen, ob Ihr Kind internetsüchtig ist, was Sie dagegen unternehmen können und wie Sie einer Sucht vorbeugen.

Am Montag hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), die Ergebnisse der Blikk-Medien-Studie 2017 der Rheinischen Fachhochschule Köln vorgestellt. Hierbei ging es um die Frage: Wie sehr beeinflusst die Mediennutzung die Entwicklung unserer Kinder?

Die ausführlichen Ergebnisse werden erst in einigen Monaten veröffentlicht, doch die ersten Erkenntnisse dieser Studie verdeutlichen: Lässt man Kinder in der digitalen Welt alleine, kann das gesundheitliche Folgen für die Kleinen haben.

Die Studie will einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen von Kindern entdeckt haben. Sprachentwicklungsstörungen sowie motorische Hyperaktivität sollen direkt mit intensiver Mediennutzung zusammenhängen.

Erschwerend kommen wohl Langzeitschäden hinzu: Wird eine digitale Medienkompetenz nicht frühzeitig erlernt, besteht offenbar ein erhöhtes Risiko, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können.

Mediensucht des Kindes erkennen

Doch woran erkennen Eltern, ob ihre Kinder mediensüchtig sind? Ganz einfach ist es nicht, eine Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen zu identifizieren. Laut Experten gibt es keine klare Zeitangabe, ab wann man eine Sucht diagnostizieren kann.

Dennoch gilt eine regelmässige und aktive Nutzung von über acht bis zwölf Stunden als bedenklich. Dieser Wert gilt für Jugendliche - bei jüngeren Kindern sollten die Eltern bereits vorher einschreiten, erklärt das Familien-Portal "familie.de".

Letztendlich ist es nicht unbedingt die Zeit im Internet, die auf eine Sucht hindeuten kann, sondern vielmehr die Intensität der Nutzung, erklärt Klaus Wölfling von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz gegenüber der "Augsburger Allgemeinen".

Es ist eine Frage der Nutzungsintensität

Die Nutzungszeit kann durchaus konstant bleiben. Nur die Intensität, mit der das Internet genutzt wird, erhöht sich. Das ist ein Indiz, das man nur schwer messen kann.

Hier sollten Eltern ihren Kindern öfter die Frage stellen, was sie denn im Internet so machen. Auf Vorwürfe sollten Sie aber verzichten, sonst erhalten Sie keine Einblicke in das Leben Ihres Nachwuchses.

Die Alarmglocken sollten bei Eltern definitiv läuten, wenn es zu einem erkennbaren Leistungsabfall in der Schule, der Ausbildung oder im Beruf kommt. Verlieren die Kinder dann noch den Bezug in die Realität, haben sie immer weniger echte, dafür aber mehr virtuelle Freunde.

Können die Kinder gar nicht mehr auf Medien verzichten, sollten die Erziehungsberechtigten über professionelle Hilfe nachdenken.

Massnahmen gegen Mediensucht

Was können Sie tun, falls Ihr Kind Gefahr läuft, internetsüchtig zu werden? Wichtiger Punkt: Computer oder Notebook sollten grundsätzlich aus dem Kinderzimmer verschwinden.

So ist der Nachwuchs nicht ständig in der Versuchung, zu surfen und Sie haben die Internetnutzung besser im Blick. Legen Sie genau fest, wann und wie lange Ihre Kinder ins Internet oder an den Computer dürfen.

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Zugang zum Web zu beschränken. Das Smartphone oder Tablet mit Mobilfunk-Karte müssen Sie Ihren Kindern unter Umständen wegnehmen, weil Sie hier sonst wenig Kontrolle haben.

Beim Notebook oder PC gibt es technische Möglichkeiten: Manche Antiviren-Hersteller bieten etwa Kindersicherungen an, die die Nutzung einschränken. Auch manche Router lassen sich so konfigurieren, dass Sie bestimmen, wann und wie lange Ihre Kinder Zugang zum Netz haben.

Finden Sie den eigentlichen Grund für die Internetsucht

Gerade Kinder und Jugendliche brauchen Rückhalt in der Familie. Denn nicht nur ein Smartphone alleine macht einen jungen Menschen internetsüchtig. Auch erbliche Vorbelastungen innerhalb der Familie spielen bei Abhängigkeiten eine Rolle, erklärt Diplom Psychologe Kai Müller von der Unimedizin Mainz.

Suchen Sie also das Gespräch mit Ihrem Kind und vermeiden Sie Verbote, die Sie nachher nicht durchsetzen können.

Die DAK Gesundheit rät, sich vorher Massnahmen zu überlegen, die Sie auch konsequent durchziehen müssen - sonst wirken Sie als Vater oder Mutter unglaubwürdig. Ein weiterer Tipp der Krankenkasse: Vermeiden Sie es, Essen an den Computer zu bringen, denn das erleichtert den Medienkonsum noch mehr, weil das Kind nicht sich nicht mal mehr für eine Mahlzeit vom Medium entfernen muss.

Setzen Sie sich auch nicht gemeinsam an den Rechner, um zusammen zu surfen, sondern nutzen Sie die gemeinsame Zeit, um anderen Aktivitäten nachzugehen und Ihrem Kind zu zeigen, dass die echte Welt mehr Spass macht als die digitale.