• Noch immer sterben täglich weltweit über 1.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion. Doch in Nigeria fürchteten die Menschen dieses Jahr ein anderes Virus noch mehr: das Lassavirus.
  • Das Virus verursacht das sogenannte Lassafieber, das einen tödlichen Verlauf nehmen kann.
  • Auch in anderen Ländern Westafrikas treten Infektionen auf.
  • Wie gefährlich ist das Lassavirus? Wie wird es übertragen? Und wie gross ist die Gefahr einer Ansteckung in Deutschland?

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Was ist das Lassafieber? Welche Symptome treten auf?

Das Lassafieber ist eine Infektionskrankheit, die durch Lassaviren ausgelöst wird. Erstmals wurde die Erkrankung 1969 in der Stadt Lassa im Nordosten Nigerias beschrieben und nach ihr benannt. "Es ist eine systemische Viruserkrankung", erklärt Virologe Professor Stephan Günther. Das heisst, das Virus infiziert verschiedene Organe und ist nach Infektion praktisch überall im Körper zu finden. In dieser Hinsicht ähnele Lassa beispielsweise COVID.

Nach 6 bis 21 Tagen Inkubationszeit beginne die Erkrankung meist mit unspezifischen Symptomen wie Kopf-, Bauch und Muskelschmerzen und hohem Fieber. Auch Halsentzündungen können auftreten.

Etwa 80 Prozent der Lassa-Infektionen verlaufen milde oder sogar unbemerkt. Bei schweren Verläufen kann es zu Organschäden und Nierenversagen kommen. Daneben sind auch neurologische Symptome wie Koma oder Krämpfe möglich.

Bei einem kleinen Teil von Patienten kommt es zudem zu Blutungen an Körperöffnungen wie Augen oder Mund, weshalb Lassa wie Ebola oder Gelbfieber zu den hämorrhagischen Fieberformen zählt. "Die Patienten sterben aber nicht am Blutverlust", so Günther. Die Blutungen seien ein Zeichen dafür, dass die Blutgefässe nicht mehr dicht sind. Dadurch könne es auch zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen.

Wie verbreitet ist das Lassavirus?

Das Lassavirus ist in mehreren Ländern Westafrikas endemisch. Dazu zählen Nigeria, Sierra Leone, Guinea sowie Liberia. In anderen westafrikanischen Ländern tritt die Krankheit bislang nur sporadisch auf. Da der natürliche Wirt Mastomys natalensis, die Natale-Vielzitzenmaus, überall südlich der Sahara vorkommt, könnte sich das Virus auch auf weitere Länder Afrikas ausweitet. "Unseren Daten zufolge breitet sich das Virus aus, aber das ist ein sehr langsamer Prozess", sagt Professor Günther.

Die relativ geringe Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus hängt mit der Ökologie der Wirtstiere zusammen: Anders als etwa bei Vögeln oder Fledermäusen, die täglich grosse Strecken zurücklegen können, ist der Bewegungsradius der Vielzitzenmaus relativ klein, was die geografische Ausbreitung des Virus bremst.

Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern, etwa wenn die Wirtsmaus durch die Folgen des Klimawandels gezwungen sein könnte, auf andere Gebiete auszuweichen. Eine Studie im Fachmagazin "Nature Communications", an der auch Günther beteiligt ist, legt anhand von Modellrechnungen nahe, dass sich das Verbreitungsgebiet des Lassavirus bis 2070 drastisch ausweiten könnte und Lassa künftig auch in Ost- oder Zentralafrika auftritt.

Wie hoch ist die Letalitätsrate von Lassa?

Die Fallsterblichkeit von Lassa liegt bei ungefähr 20 Prozent. Das bezieht sich allerdings nur auf Patienten, die schwerer erkrankt sind und in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Ein besonders hohes Risiko besteht für schwangere Frauen: Infektionen während einer Schwangerschaft führen sehr häufig zum Tod des Fötus und verschlechtern die Prognose der Mutter.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich in Westafrika bis zu 300.000 Menschen jährlich mit Lassa infizieren. Berücksichtigt man diese Schätzung, sinkt die Sterblichkeit auf rund ein bis zwei Prozent.

Ob eine Lassa-Infektion zum Tode führt, hängt auch stark von der medizinischen Versorgung vor Ort ab. "In Nigeria ist die Fallsterblichkeit auf 15 Prozent gesunken, weil die Behandlungsmöglichkeiten besser geworden sind", erklärt Günther. Zum Beispiel kommt bei Patienten mit Nierenversagen dort nun Dialyse zum Einsatz, was Leben retten kann.

Woran sterben Lassa-Patienten?

Woran ein Mensch letztlich stirbt, ist generell nicht leicht festzustellen. Bei Lassa ist wahrscheinlich ein starkes Entzündungssyndrom für den Tod verantwortlich, sagt Professor Günther. "Da Lassa den ganzen Körper betrifft, reagiert der Körper mit einer sehr starken Immunreaktion, die zum Tode führen kann." Die Patienten sterben also nicht direkt an dem Virus, sondern an den Folgen einer überschiessenden Immunreaktion.

Durch undichte Gefässe kann es auch zu Flüssigkeitsansammlungen in Brustraum, Herzbeutel oder Lunge kommen. "Bei grösseren Mengen kann auch das eine Todesursache sein, weil es die Atmung erschwert", sagt Günther. An Blutverlust durch Blutungen an Körperöffnungen sterben die Patienten allerdings nicht, dafür seien die Mengen zu gering.

Wie wird das Lassavirus übertragen?

Generell sei Lassa nicht hoch ansteckend, sagt Günther. Anders als etwa COVID wird es nicht über Aerosole übertragen. In 90 Prozent der Fälle erfolge die Ansteckung über den natürlichen Wirt des Lassavirus, die Natale-Vielzitzenmaus. Das Nagetier selbst erkrankt nicht, scheidet das Virus aber in hoher Konzentration über Kot und Urin aus.

Da die Tiere in die Häuser eindringen und dort eng mit den Menschen zusammenleben, kann das Virus über kontaminierte Lebensmittel, verunreinigte Staubpartikel, die eingeatmet werden, oder offene Wunden in den menschlichen Körper gelangen. "Daraus leitet sich ab, dass Lassa eine armutsassoziierte Erkrankung ist", erklärt Günther. "Je höher der Lebensstandard und je sicherer die Häuser, desto geringer ist das Risiko."

Auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist möglich, jedoch eher die Ausnahme. "Um sich bei einem Erkrankten mit Lassa anzustecken, muss man eng mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten in Kontakt kommen", sagt Günther.

Ihm sei nur ein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch in Deutschland an einem importierten Lassa-Fall angesteckt habe. Obwohl die Diagnose erst nach dem Tod feststand und zuvor mehrere Personen Kontakt mit dem Patienten hatten, hat sich nur eine Person angesteckt. "Das zeigt, dass sich das Virus nicht gut von Mensch zu Mensch ausbreitet."

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Wie kann man sich vor Lassa schützen?

Ein Impfstoff gegen das Lassavirus steht bislang nicht zur Verfügung. Bestimmte Verhaltensweisen können aber dabei helfen, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. So empfiehlt das RKI in Endemiegebieten grundsätzlich die konsequente Bekämpfung der übertragenden Nagetiere.

Um eine Kontamination zu verhindern, sollten Lebensmittel für Nagetiere unzugänglich aufbewahrt werden. Auch das Erhitzen von Lebensmitteln auf mindestens 60 Grad für eine Stunde macht das Virus unschädlich. Besteht allerdings der kleinste Verdacht darauf, dass Lebensmittel von Nagetieren verunreinigt wurden, sollten diese unbedingt entsorgt werden.

Wie wird Lassa diagnostiziert und behandelt?

Vor der Behandlung steht zunächst einmal die Diagnose, und die ist im Falle des Lassavirus gar nicht so einfach. "Für einen Arzt ist es sehr schwer festzustellen, ob ein Patient an Lassa, Influenza oder Malaria erkrankt ist", sagt Professor Günther. Das liegt an den unspezifischen Symptomen zu Beginn der Erkrankung. Im Verlauf werden die Symptome wie zum Beispiel Ödeme oder leichte Blutungen an Körperöffnungen zwar spezifischer, aber auch das lässt noch keine eindeutige Diagnose zu.

"Eindeutig nachweisen lässt sich Lassa nur anhand einer Blutprobe mit PCR-Test", sagt Günther. Derzeit gibt es nur einen Test, der alle Lassa-Linien erfassen kann. Dieser wird in Afrika als Standardtest eingesetzt. Antigentests, die eine schnellere Diagnose ermöglichen würden, sind derzeit noch in der Entwicklung.

Bislang gibt es noch keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung von Lassafieber. Häufig ist die Behandlung symptombezogen, so kann etwa bei Nierenversagen eine Dialyse zum Einsatz kommen. Sonstige Behandlungsmassnahmen sind nach Angaben des RKI eher experimenteller Natur.

Ausserhalb der offiziellen Zulassung wird etwa der Wirkstoff Ribavirin eingesetzt, der die Vermehrung der Viren hemmt. Laut einer Studie soll das Medikament die Sterblichkeit bei Patienten mit ungünstiger Prognose von 60 bis 80 Prozent auf unter zehn Prozent reduzieren, wenn es in den ersten sechs Tagen nach Fieberbeginn gegeben wird.

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Wie hoch ist das Risiko einer Lassavirus-Infektion in Deutschland?

"Als Europäer habe ich nur das Risiko, mich mit Lassa zu infizieren, wenn ich in ein Endemiegebiet in Westafrika reise oder Kontakt zu einem importierten Lassa-Fall habe", erklärt Professor Günther. Nach Angaben des RKI gab es seit 1974 in Deutschland nur sechs importierte Lassa-Fälle, weltweit gab es laut Günther rund 30 bis 40 Fälle. Die Gefahr ist also gering und betrifft vor allem medizinisches Pflegepersonal.

Da die Natale-Vielzitzenmaus in Europa nicht vorkommt, fehlt für die Ausbreitung des Virus hierzulande das Wirtstier. Es kommt in der Natur zwar vor, dass Viren von einem Wirtstier auf ein anderes übergehen, dazu müsste jedoch ein Kontakt zwischen den Wirtstieren bestehen. "Die Gefahr, dass sich das Lassavirus bei uns ausbreitet, ist extrem gering."

Verwendete Quellen:

  • Telefoninterview mit Virologe Prof. Stephan Günther
  • rki.de: Lassafieber
  • who.int: Lassa fever
  • nature.com: Predicting the evolution of the Lassa virus endemic area and population at risk over the next decades
Über den Experten:
Prof. Dr. Stephan Günther ist Virologe und leitet seit 2006 die Abteilung Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, dem nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger. 2005 erhielt er gemeinsam mit Prof. Christian Drosten für seine Arbeiten zum SARS-Virus das Bundesverdienstkreuz am Bande.