• Wenn jeder Deutsche ab 50 Jahren Vitamin-D-Präparate einnehmen würde, könnten jährlich bis zu 30.000 krebsbedingte Todesfälle vermieden werden – und 254 Millionen Euro würden gespart.
  • Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nach der Auswertung mehrerer Studien.
  • Die Forscher wollen auf die in der älteren Bevölkerung weit verbreitete Vitamin-D-Unterversorgung und ihre gesundheitlichen Folgen aufmerksam machen.

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Vitamin-D-Mangel wird mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht und auch mit der Sterblichkeit bei COVID-19-Erkrankungen. Bereits seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler den Einfluss einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D auf unterschiedliche Krankheitsprognosen. Im Fokus der Forschung stehen dabei vor allem entzündliche Krankheiten, Diabetes, Atemwegserkrankungen und Krebs.

Zur Frage, wie sich die Vitamin-D-Versorgung auf die Sterberate bei Krebs auswirkt, sind in den vergangenen Jahren gleich drei Metaanalysen grosser klinischer Studien erschienen. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) kamen die Untersuchungen zu einem übereinstimmenden Ergebnis: Um rund 13 Prozent sinkt bei einer Vitamin-D-Supplementierung die Krebssterblichkeit – über alle Krebserkrankungen hinweg.

Umgerechnet auf die aktuellen Zahlen wären das etwa 30.000 Todesfälle weniger pro Jahr und 300.000 gewonnene Lebensjahre. Über diese Zahlen berichten die DKFZ-Forscher in der Fachzeitschrift "Molecular Oncology". Welche biologischen Mechanismen dem zugrunde liegen könnten, sei noch nicht genau geklärt.

Vitamin-D-Supplementierung könnte enorme Kosten sparen

Ausserdem könnten über die Einnahme von Vitamin D enorme Kosten an Krebsbehandlungen eingespart werden, sagen die Wissenschaftler vom DKFZ. Sie haben berechnet, welche Kosten durch eine Vitamin-D-Einnahme der gesamten Ü-50-Bevölkerung Deutschlands entstehen würden. Dieser Summe stellten sie die möglichen Einsparungen für Krebstherapien gegenüber, die insbesondere bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen während der letzten Lebensmonate der Patienten oft Zehntausende Euro kosten.

Dieser Berechnung legten die Wissenschaftler eine tägliche Gabe von 1.000 internationalen Einheiten Vitamin D zu einem Preis von 25 Euro pro Person und Jahr zugrunde. Im Jahr 2016 lebten in Deutschland etwa 36 Millionen Menschen über 50 Jahre, daraus errechnen sich jährliche Kosten für die Supplementierung von 900 Millionen Euro.

Die Kosten für eine Krebsbehandlung entnahmen die Forscher der wissenschaftlichen Literatur. Dabei gingen sie von mittleren zusätzlichen Behandlungskosten von 40.000 Euro allein für das letzte Lebensjahr der schlussendlich an Krebs verstorbenen Patienten aus. Eine um 13 Prozent verringerte Krebssterblichkeit in Deutschland entsprach im Jahr zirka 30.000 weniger krebsbedingten Todesfällen, deren Behandlungskosten sich in der Modellrechnung auf 1,154 Milliarden Euro beliefen. Verglichen mit den Kosten für die Vitamin-Einnahme errechnet sich in diesem Modell eine Einsparung von jährlich 254 Millionen Euro.

Kosten und Aufwand einer routinemässigen Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut hielten die Wissenschaftler in ihren Berechnungen für verzichtbar, da bei einer Supplementierung von 1.000 internationalen Einheiten eine Überdosierung nicht zu befürchten sei.

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Viele positive Gesundheitseffekte durch ausreichende Vitamin-D-Versorgung

Ein Vitamin-D-Mangel ist in der älteren Bevölkerung und insbesondere bei Krebspatienten weit verbreitet. "Angesichts der möglicherweise erheblichen positiven Effekte auf die Krebssterblichkeit – zusätzlich verbunden mit einer möglichen Kostenersparnis – sollten wir nach neuen Wegen suchen, die in Deutschland in der älteren Bevölkerung weit verbreitete Vitamin-D-Unterversorgung zu verringern", sagt Hermann Brenner, Epidemiologe vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Er weist auch darauf hin, dass in manchen Ländern Nahrungsmittel mit Vitamin D angereichert werden, beispielsweise in Finnland. Dort sei die Sterberate durch Krebs etwa zwanzig Prozent niedriger als in Deutschland. "Ganz abgesehen davon, dass sich die Hinweise auf weitere positive Gesundheitseffekte einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung verdichten, etwa bei den Sterberaten an Lungenerkrankungen", sagt der Experte. "Schliesslich halten wir Vitamin-D-Supplementierung für so sicher, dass wir sie sogar für neugeborene Babys zur Entwicklung gesunder Knochen empfehlen."

Verwendete Quellen:

  • Molecular Oncology: Vitamin D supplementation to the older adult population in Germany has the cost‐saving potential of preventing almost 30,000 cancer deaths per year
  • DKFZ: Vitamin-D-Supplementierung: möglicher Gewinn an Lebensjahren bei gleichzeitiger Kostenersparnis

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