• Nackenschmerzen stellen für Betroffene oft eine grosse Belastung dar, auch wenn die Ursachen aus gesundheitlicher Sicht häufig harmlos sind.
  • Wenn dann noch weitere Symptome wie Schwindel, Gefühls- oder Hörstörungen einhergehen, wird der Alltag meist stark eingeschränkt.
  • Ein Experte erläutert, wie man unangenehme Nackenschmerzen verhindern kann und was hilft, wenn sie schon da sind.

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Etwa jeder zweite Erwachsene leidet mindestens einmal im Leben unter Nackenschmerzen, Frauen sind häufiger von Beschwerden im Schulter-Nacken-Bereich betroffen als Männer. Ursache für Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule sind meist Muskelverspannungen und -verhärtungen oder verkürzte Faszien, die sich durch Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen bilden. Auch eine ungünstige Schlafposition macht anfällig für Beschwerden im Nacken-Schulter-Bereich. Daneben stellen auch psychologische Faktoren wie Stress, Anspannung oder Ängste Risikofaktoren für Nackenschmerzen dar.

Bei jüngere Personen kommt es häufig zum sogenannten "Handy-Nacken", denn auch der ständige Blick nach unten auf das Handy-Display führt zu Verspannungen. "In den meisten Fällen stecken Haltungsprobleme und überlastete, verspannte Muskeln dahinter. Durch die gesundheitsschädliche Kopfhaltung wird die Nackenmuskulatur stark belastet und die Halsmuskeln können überdehnen," erklärt Professor Dr. med. Sven Ostermeier, leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Um dem vorzubeugen, sollte man deshalb das Handy bei der Nutzung möglichst hoch halten, so dass der Kopf aufrecht bleibt und öfter Freisprecheinrichtungen verwenden.

Starke Nackenschmerzen werden auch als HWS-Syndrom bezeichnet. "Manchmal ziehen die Schmerzen bis in die Schulter und können auch in den Arm ausstrahlen – in diesen Fällen spricht man vom sogenannten Nacken-Schulter-Arm-Syndrom", sagt der Orthopäde. Je nach Stärke und Lokalisation der Nervenreizung können auch Gefühls- und Hörstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schwindel oder Kopfschmerzen begleitend auftreten.

Homeoffice kann Beschwerden im Nacken verstärken

Vor allem Büroangestellte, die viel am Computer tätig sind oder Personen, die häufig im Homeoffice arbeiten, waren schon einmal von Nackenschmerzen betroffen. Denn, wenn der Arbeitsweg wegfällt und man auch die Mittagspause zu Hause verbringt, fehlt ausreichend Bewegung, die dem Körper sonst gut tut.

"Gerade der fehlende Weg zur Arbeit fördert den Bewegungsmangel. Viele Menschen arbeiten zu Hause möglicherweise sogar intensiver, wenn sie nicht abgelenkt werden. Stundenlanges Verharren in einer Position, fördert Verspannungen und damit Nackenschmerzen. Zudem ist der heimische Arbeitsplatz in der Regel nicht ergonomisch ausgestattet und die Arbeit am Laptop fordert auf Dauer eine ungesunde, eher gebeugte Haltung" sagt der Experte.

Deshalb ist es wichtig, zwischendurch immer wieder aufzustehen oder mittags einen Spaziergang zu machen. Professor Ostermeier rät zudem allen, die an einem Laptop arbeiten, für einen bessere Haltung einen zusätzlichen Bildschirm, eine Tastatur und eine ergonomische Maus anzuschliessen. "Verfügt man daheim nicht über einen guten Schreibtischstuhl, sollte man stattdessen immer wieder auf einem Sitzball Platz nehmen, das aktiviert die kleinen, tief liegenden Muskeln rund um die Wirbelsäule. Ein Balancekissen auf dem Stuhl sorgt durch permanente kleine Ausgleichsbewegungen ebenso für Muskeltraining," sagt der Orthopäde.

Nackenschmerzen lindern und vorbeugen

Je nach Ursache der Nackenschmerzen können unterschiedliche Therapieansätze hilfreich sein. Auch wenn schwere Erkrankungen nur selten zugrunde liegen, sollte bei Lähmungerscheinungen, Schwindel und bei Schmerzen, die über mehrere Wochen anhalten, ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche ernste Ursachen, wie beispielsweise eine Depression, auszuschliessen.

Die schnellste und effektivste Erste-Hilfe-Methode bei Nackenschmerzen ist Bewegung, solange die Beschwerden nicht auf einen Unfall oder eine Verletzung der Wirbel zurückzuführen sind. Auch wenn Schmerzpatienten dazu neigen, sich eher ausruhen zu wollen, hilft in diesem Fall gerade Bewegung dabei die Muskulatur zu lockern und Beschwerden zu lindern. "Ziel ist es, den typischen Teufelskreis zu unterbrechen, angefangen bei den durch Fehlhaltung ausgelösten Verspannungen bis hin zu Schmerzen, die wiederum zu Fehlhaltung und Muskelverspannungen führen.

Unterstützend kann versucht werden, die Muskeln durch Wärmeanwendungen, Reizstrombehandlungen, Massagen und Physiotherapie zu lockern und zu entspannen," erklärt Ostermeier. Gezielte Dehnübungen und Wärmeanwendungen helfen die Muskulatur zu lockern. Dauern die Beschwerden über mehrere Monate an, können sich Betroffene Krankengymnastik verschreiben lassen.

Neben Bewegung ist auch eine richtige Körperhaltung hilfreich, um Nackenschmerzen vorzubeugen. Brust raus, Schultern nach hinten – so lautet die orthopädische Formel.

Leichte Übungen für das Homeoffice oder beim Arbeiten am Computer

Gerade aktuell, wenn öffentliche Sportmöglichkeiten, wie Schwimmen im Hallenbad, nicht wahrgenommen werden können, fällt es vielen schwer Bewegung in den Alltag zu integrieren. Dennoch gibt es Lockerungsübungen, die man auch am Schreibtisch umsetzen kann. Folgende leichte Übungen empfiehlt Prof. Ostermeier im Homeoffice oder beim Arbeiten am Computer:

Schulterkreisen

Aufrecht hinsetzen, Arme locker hängen lassen. Mit den Schultern leichte Kreisbewegungen durchführen. Die Richtung des Kreises verläuft dabei mit der Betonung nach hinten und unten. Am besten mit ganz kleinen Kreisbewegung beginnen und allmählich den Bewegungsumfang steigern. Diese Übung betont eine aufrechte Körperhaltung, regt die Durchblutung an und vermindert die Spannung.

Schultern hoch- und runterziehen

Schultern in Richtung Ohren ziehen, anschliessend langsam wieder absenken. Mit kleinen Bewegungen starten, die zunehmend grösser werden. Dabei unbedingt auf die Atmung achten: Beim Hochziehen der Schultern einatmen, beim Absenken ausatmen. Beide Übungen zehn bis 15 Mal wiederholen, in 2-3 Sätze mit jeweils 60 Sekunden Pause dazwischen.

Über den Experten: Professor Dr. med. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Er ist Spezialist für Gelenkprothesen und knorpelerhaltende Therapien. Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt liegt in der Sportmedizin. Daneben ist er auch in der Forschung und als Dozent im Bereich der knorpelerhaltenden Gelenkchirurgie tätig.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Professor Dr. med. Sven Ostermeier, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik Gundelfingen
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: DEGAM S1 Handlungsempfehlung Nackenschmerzen
  • Liebscher & Bracht – Die Schmerzspezialisten: Nackenschmerzen – wenn die Last auf den Schultern zu gross wird
  • Orthozentrum Bergstrasse: Behandlung von Beschwerden im Nackenbereich
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