• In grossen Teilen Südbayerns, Sachsens und in Berlin liegt die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern über 200.
  • Laut der Beschlüsse von Bund und Ländern von Mittwoch könnten dort die Corona-Massnahmen verschärft werden.
  • Im Landkreis Hildburghausen und der Stadt Passau ist das schon geschehen, etliche weitere Regionen warten noch auf die Verordnungen ihrer Landesregierung.

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Deutschlandweit befindet sich das Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie weiter auf einem hohen Niveau. Regionale Lockdown-Regeln hatte bis Donnerstag aber nur ein Landkreis erlassen: Hildburghausen.

Nirgendwo in Deutschland ist, gemessen an der Einwohnerzahl, der Infektionswert höher als in der Region in Südthüringen. Am Freitag gab es laut dem Robert-Koch-Institut mit knapp 629,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche einen neuen Rekord.

Landrat Thomas Müller (CDU) erliess deshalb am Dienstag scharfe Massnahmen: So ist bis vorerst 13. Dezember der Aufenthalt ausserhalb der Wohnung oder des eigenen Grundstücks nur noch aus "triftigem Grund" erlaubt. Dazu gehören unter anderem der Weg zur Arbeit, der Gang zum Arzt und notwendige Einkäufe. Schulen und Kindergärten wurden geschlossen.

Ob in Bayern, Sachsen oder Rheinland-Pfalz: Ähnliche Regelungen könnten bald bundesweit in Dutzenden weiteren Gebieten eingeführt werden. Insgesamt 64 Landkreise und kreisfreie Städte haben Stand Freitag die Inzidenz von 200 überschritten, neun von ihnen sogar den Wert von 300 (siehe nachfolgende Übersicht). Sie alle gelten als Hotspots.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf geeinigt, das bei Überschreiten des Schwellenwerts von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche und einem diffusen Infektionsgeschehen die Corona-Regeln nochmals lokal verschärft werden. Unsere Redaktion erklärt, wo etwas geplant ist.

Passau verschärft Regelungen, Speyer vorerst nicht

Welche Hotspot-Landkreise von Verschärfungen betroffen sind – und welche vorerst nicht:

  • Stadt Passau (439,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche): Die bayerische Stadt an der Grenze zu Österreich hat am Freitag eine strenge Ausgangssperre verhängt. Sie solle am Samstag beginnen und zunächst eine Woche dauern, kündigte Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) an. Wie in Hildburghausen dürfen die Menschen in Passau ihre Wohnung nur noch aus triftigem Grund verlassen, beispielsweise um zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen zu gehen. Ausserdem verhängt die Stadt ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und verordnet Wechselunterricht für die Jahrgangsstufen 7 bis 11 – mit Ausnahme von Abschlussklassen an Mittel- und Realschulen. Wie lange der Lockdown dauern soll, blieb zunächst offen.
  • Stadt Speyer (363,9): Aufgrund der bereits länger anhaltend hohen Fallzahlen hat Speyer bereits am 17. November eine städtische Allgemeinverfügung erlassen. Diese sieht unter anderem eine Maskenpflicht für die Innenstadt und ein Alkoholverkaufsverbot zwischen 23:00 und 6:00 Uhr vor. Über mögliche weitere Verschärfungen soll einer Sprecherin zufolge diskutiert werden, wenn die entsprechende Verordnung des Landes vorliegt, spätestens am Montag.
  • Landkreis Bautzen (353,0), Landkreis Zwickau (325,7) und Erzgebirgskreis (313,2): Sachsens Landesregierung will am Freitag weitreichende Regeln für die Landkreise beschliessen, die einen Inzidenzwert von mehr als 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner vorweisen – zur Zeit sind das acht der 13 sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte. In den betroffenen Regionen sollen dann ab kommender Woche verschärfte Ausgangsbeschränkungen und ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit gelten, wie der MDR berichtet. Die Regelungen sollen auch über Weihnachten und Silvester Bestand haben.
  • Landkreis Passau (313,5): Anders als die Stadt Passau wartet der gleichnamige Landkreis vorerst den Erlass der neuen Landesverordnung ab, wie eine Sprecherin des Landrates unserer Redaktion mitteilte. Auf Basis der Fallzahlen sowie des Beschlusses der bayerischen Landesregierung werde die regionale Corona-Koordinierungsgruppe Anfang kommender Woche über mögliche weitere Massnahmen entscheiden.
  • Landkreis Freyung-Grafenau (311,4): Ähnlich verfährt auch der benachbarte Landkreis Freyung-Grafenau, ganz im Südosten Bayerns gelegen. "Die Situation vor Ort wird beobachtet und ausgewertet", sagt ein Sprecher des Landratsamtes auf telefonischer Nachfrage unserer Redaktion. Um eine genaue Entscheidung treffen zu können, brauche man aber die Schlussfassung der Landesverordnung.
  • Stadt Hof (307,7): Derzeit plane die Stadt keine weiteren Verschärfungen, erklärte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Hof warte zudem mögliche Anpassung bei den Corona-Regelungen durch die bayerische Landesregierung ab.

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Söder präsentiert "Hotspot-Strategie"

Wie es für die betroffenen Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern weitergeht, hat das Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits am Donnerstag festgelegt. Die bayerische "Hotspot-Strategie" geht dabei in einigen Punkten über die Abmachungen zwischen Bund und Länder hinaus.

In Hotspot-Regionen über der Marke 200 müssen demnach Musik- und Fahrschulen schliessen, und es soll ein ganztägiges Alkoholverbot auf bestimmten öffentlichen Plätzen gelten. Märkte und Wochenmärkte müssen schliessen, ausgenommen der Lebensmittelverkauf. Steigt der Wert gar über 300, was derzeit in Bayern auf drei Kreise und die Stadt Passau zutrifft, dann sollen die Behörden vor Ort laut Kabinettsbeschluss noch weitere strikte Auflagen und Beschränkungen erlassen können, wie Ausgangsbeschränkungen und weitere Einschränkungen an Schulen.

Fest steht zudem, dass das Land Berlin die gelockerten Regelungen für Weihnachten und Silvester nicht mitmacht. Die von Bund und Ländern verabredeten Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen für private Treffen über die Feiertage werden in der Hauptstadt nicht gelten. Darauf verständigte sich der Senat am Donnerstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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