Nemesio Oseguera Cervantes - genannt "El Mencho" - gilt als Mexikos brutalster Drogenboss und ist der weltweit meistgesuchte Kartellchef. Die mexikanische Regierung scheint machtlos. Er schmuggelt Unmengen an Drogen in die USA und mordet kaltblütig. Zehn Millionen Dollar sind auf ihn ausgesetzt - doch die Fahndung blieb bislang erfolglos.

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Wo einst der Name Chapo Guzmán stand, ist nun sein Name zu lesen: Nemesio Oseguera Cervantes. Nach der Verurteilung des ehemaligen Chefs des Sinaloa-Kartells, Chapo Guzmán, ist nun "El Mencho" zum weltweit meistgesuchten Drogenboss auf der Liste der amerikanischen Antidrogenpolizei avanciert. Dass zehn Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt sind, zeigt die Brisanz und die Gefährlichkeit des Mexikaners.

Wer ist "El Mencho"?

Nemesio Oseguera Cervantes wurde Mitte der 1960er Jahre in Uruapan im Bundesstaat Michoacán in Mexiko geboren. Seine Familie war arm, als Bauernkind musste er von Kindesbeinen an bei der Ernte mithelfen. Die Schule brach er ab und wanderte bereits als Jugendlicher illegal in die USA aus. Dort begann seine "Drogenkarriere", er wurde mehrmals wegen Drogenhandels und anderer Delikte verurteilt, sass im Gefängnis und wurde nach drei Jahren nach Mexiko abgeschoben.

Zurück in Mexiko arbeitete er in Tomatlán in Jalisco als Gemeindepolizist, bevor er wieder die Fronten wechselte. Dieser erneute Wechsel scheint in Zusammenhang mit seiner späteren Frau Rosalinda zu stehen, die zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens in der Verbrecherorganisation "Milenio-Kartell" involviert war.

Das Drogenkartell CJNG

"El Mencho" ist Gründer und Anführer des Cártel Jalisco Nueva Generacíon (CJNG), eines zunehmend wachsenden mexikanischen Drogenkartells. Experten vermuten, dass das CJNG mittlerweile sogar mehr Einfluss und Vermögen hat als das bislang in Mexiko mächtigste Sinaloa-Kartell.

Gegründet wurde das Kartell 2010, davor fungierte "El Mencho" quasi als "Junior Partner" des Sinaloa-Kartells und arbeitete mit "El Chapo" zusammen. Anders als das Sinaloa-Kartell, das als eine der Bevölkerung eher zugewandte Organisation gilt, verbreitet das CJNG unter der Bevölkerung Angst und Schrecken und gilt als gefährlich und blutrünstig.

Der Erfolg des Kartells dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass "El Mencho" sehr früh auf synthetische Drogen gesetzt hat und diese in den Norden schmuggelte. US-Drogenfahnder gehen davon aus, dass das Kartell monatlich tonnenweisen Kokain und Methamphetamine in die USA schmuggelt.

Das macht "El Mencho" so gefährlich

Der Drogenhandel ist nur die eine Seite der menschenverachtenden Kaltblütigkeit von "El Mencho". Darüber hinaus zeichnet er sich durch eine immense Brutalität aus, auch Frauen und Kinder bleiben nicht verschont.

Seine Gefolgsleute sind schwer bewaffnet und ziehen als Killer durchs Land. 2011 bekannte sich das CJNG zur Ermordung von 35 Angehörigen der Los Zetas, eines rivalisierenden Drogenkartells. Die Leichen der Folteropfer wurden auf einem Lastwagen gefunden. 2013 wurde ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet - man hielt es für die Tochter eines Rivalen. 2015 wurden ein Mann und dessen kleiner Sohn umgebracht, indem man beiden Dynamitstangen umband und diese zündete.

Immer wieder werden auch staatliche Sicherheitskräfte angegriffen. So wurden im März 2015 fünf Angehörige der mexikanischen Bundespolizei getötet. Im April 2015 wurden fünfzehn mexikanische Polizeioffiziere als Rache für die Tötung eines der Anführer des CJNG ermordet. Im Mai 2015 schoss das CJNG einen Militärhubschrauber mit einem Raketenwerfer ab, dabei kamen neun Sicherheitskräfte ums Leben, mehrere wurden schwer verletzt.

Zahlreiche weitere ungeklärte Verbrechen und Morde rechnet man dem CJNG zu.

Warum ist "El Mencho" so schwer zu fassen?

Bereits mehrfach wurde er in den sozialen Netzwerken für tot erklärt, kurz darauf aber angeblich immer wieder irgendwo gesehen. Auch heisst es, er sei nierenkrank und müsse mehrfach zur Dialyse, was die Feststellung seines Aufenthaltsortes eigentlich erleichtern müsste.

Vermutet wird "El Mencho" im Südwesten Jaliscos, in der Region um El Grullo. Er versteckt sich in Unterschlupfen in den Bergen und lässt sich nicht in Städten blicken, meidet Restaurants und andere öffentliche Einrichtungen. Das Hinterland, in dem er sich bestens auszukennen scheint, ist dort kaum zugänglich.

Für seinen Schutz sorgen Ex-Elitesoldaten von Armee und Marine. Allein der engste Leibwächterkreis besteht aus 20 Männern, die mit Schnellfeuergewehren und Granatwerfern ausgestattet sind.

Weniger Glück hatte seine Familie: Ehefrau Rosalinda wurde 2018 verhaftet. Sohn Rubén, genannt "El Menchito", der zweitmächtigste Mann bei CJNG nach seinem Vater, sitzt in den USA in Haft, und Tochter Johanna Oseguera Gonzalez wurde in den USA verhaftet, als sie zu einem Gerichtstermin ihres Bruders in die USA einreiste.

Verwendete Quellen:

  • Tagesanzeiger: Der meistgesuchte Drogenboss der Welt, von Sandro Benini, 12.07.2020
  • Stuttgarter Zeitung: "El Mencho" ist Mexikos gefährlichster Mann, von Klaus Ehringfeld, 09.11.2018
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