• Sie heissen Puma, Dachs, Pinguin oder Wolf - haben allerdings weder Flossen noch Krallen noch spitze Zähne.
  • Die Rede ist von den militärischen Fahrzeugen der deutschen Bundeswehr, die seltsamerweise Tiernamen tragen - aber warum eigentlich?

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Aufmerksamen Beobachtern und Beobachterinnen ist bestimmt schon einmal aufgefallen, dass die Militärfahrzeuge der Deutschen Bundeswehr nach Tieren benannt wurden. Ein Transportpanzer trägt dabei beispielsweise den Namen "Fuchs", ein Kettenfahrzeug den Namen "Wiesel" und ein Pionierpanzer den Namen "Dachs".

Namen sollen auf Eigenschaften hinweisen

Leichtes gepanzertes Kettenfahrzeug Wiesel beim Besuchertag der Informationslehrübung Landoperationen 2019 in Munster und Bergen.

Die Idee dahinter ist simpel. "All diese Namen weisen auf bestimmte Eigenschaften hin, die dem Fahrzeug zugeschrieben werden," heisst es etwa auf der Homepage der Deutschen Bundeswehr.

So sei etwa das Kettenfahrzeug Wiesel klein, flink und wendig, während der schwimmfähige Allrounder Fuchs hauptsächlich als Transportpanzer eingesetzt werde.

Zum Aufgabengebiet des Dachses zählt der Einsatz in erdigen Bereichen, also das Bergen von Schadfahrzeugen, das Herstellen von Zu- und Abfahrten sowie Ein- und Ausfahrten an Gewässerübergangsstellen oder steilen und schlammigen Uferzonen.

Besonders auffällig ist die Raubkatzen-Bezeichnung vieler Panzer der Deutschen Bundeswehr, etwa Puma, Gepard oder Leopard.

Ursprung der Namensgebung liegt bei der deutschen Wehrmacht

Laut der Deutschen Bundeswehr waren die deutschen Panzerkampfwagen im Zweiten Weltkrieg zunächst nur durchnummeriert: PzKpfw I, II, III und IV. Erst ab 1942 bekamen neue Fahrzeuge Tiernamen, was die Zuordnung vereinfachte. Der Panzer V wurde auf den Namen "Panther" getauft, das Modell VI trug den Namen "Tiger", eine Panzerhaubitze den Namen "Hummel" oder ein Landkreuzer den Namen "Ratte".

Nach der Gründung der Bundeswehr am 12. November 1955 kamen die Fahrzeuglieferungen zunächst aus dem Ausland. Hier wurde die Typenbezeichnung der Hersteller übernommen, etwa beim Schützenpanzer "HS 30" oder dem Kampfpanzer "M48".

1965 wurde der erste Panzer der Deutschen Bundeswehr nach einer Raubkatze benannt

Laut der Deutschen Bundeswehr wurde ihr erster Kampfpanzer 1965 auf den Namen "Leopard" getauft, da er wie sein tierisches Vorbild sehr beweglich ist. Der moderne "Leopard 2" wird auch gerne als das "Raubtier auf Ketten" bezeichnet. Er gilt wegen seiner Treffsicherheit als einer der besten Panzer weltweit.

Der Schützenpanzer Puma bei einer Heissklimaerprobung in den Vereinigten Arabischen Emiraten 2013.
Der Schützenpanzer Puma bei einer Heissklimaerprobung in den Vereinigten Arabischen Emiraten 2013.

Neben dem Leoparden gibt es auch noch den Schützenpanzer "Puma", welcher über einen besonders leistungsstarken Motor verfügt und dem Beschuss von Panzerabwehrwaffen standhalten kann.

Der Panzer "Gepard" zeichnet sich durch seine Schnelligkeit aus. Er erreicht bis zu 65 Kilometer pro Stunde und wurde dafür konzipiert, Kampf- und Schützenpanzer gegen Luftangriffe zu decken. Auch eine Schnellbootklasse der Marine ist nach der Raubkatze benannt.

Tiere im Ruhestand

Ein Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard 2007 im Gelände bei Freudenbach.

Einige Militärfahrzeug-Gattungen der Bundeswehr stehen vor der Ausmusterung oder wurden bereits ausgemustert, etwa der Achtrad-Spähpanzer "Luchs" der Panzeraufklärungstruppe, der kleine wendige Geländewagen "Iltis" oder die Raketenjagdpanzer "Jaguar 1" und "Jaguar 2".

Auch der Flugabwehrkanonenpanzer "Gepard" wurde bei der deutschen Bundeswehr ausgemustert. Die industriellen Restbestände sollen in der Ukraine zum Einsatz kommen.

Namensgebung in anderen Ländern

Militärische Kräfte in anderen Ländern gehen bei der Namensgebung der Gerätschaften anders vor.

Chinesisches Kriegsgerät wird laut Bundeswehr in sehr blumiger Sprache benannt: "So heisst der Jagdbomber Xian JH-7 'Fliegender Leopard' und der Abfangjäger Chengdu J-10 nennt sich 'Energischer Drachen'."

Die USA gehen hier einen anderen Weg. Seit 1815 werden Schlachtschiffe auf den Namen von Bundesstaaten oder Bundesterritorien getauft. Ein berühmtes Beispiel ist die "USS Arizona", die beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Hafenbecken sank und seitdem als Nationaldenkmal fungiert.

Flugzeugträger der United States Navy wiederum tragen Namen wie "USS Intrepid" oder "USS Enterprise". Diese Bezeichnungen werden seit dem Unabhängigkeitskrieg immer wieder verwendet.

Einzige Ausnahme war laut Deutscher Bundeswehr bis 1964 die „USS Franklin D. Roosevelt“, die nach dem 1945 verstorbenen US-Präsidenten benannt wurde. Einige Flugzeugträger der Nimitz- und der Gerald-R.-Ford-Klasse tragen die Namen von ehemaligen amerikanischen Präsidenten.


*Redaktioneller Hinweis: In einer ersten Version hatten wir geschrieben, dass der erste Panzer der deutschen Bundeswehr 1965 nach einer Raubkatze benannt wurde. Wir haben die Aussage dahingehend präzisiert, dass bereits Panzer der deutschen Wehrmacht Raubkatzen-Namen wie "Panther" oder "Tiger" trugen. Wir haben auch die Überschrift dementsprechend angepasst und klargestellt, dass sich der Inhalt des Artikels hauptsächlich auf die Fahrzeuge der Deutschen Bundeswehr bezieht.

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Teaserbild: © action press/Ot,Ibrahim