Greta Thunberg hat beim UN-Klimarat Vertreter der Wirtschaft und Politiker angeklagt. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erklärt in einem Facebook-Post, dass Greta in einigen Punkten wichtige Zahlen übersieht.

Mehr Panoramathemen finden Sie hier

Dass der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer keine Provokation scheut, hat sich herumgesprochen. Ob er sich zur Asylpolitik äussert oder zu Anzeigenmotive der Deutschen Bahn: Der Grünen-Politiker vertritt gerne und oft Standpunkte, die vielen seiner Parteigenossen aufstossen.

Da war es fast nur eine Frage der Zeit, dass er seine Meinung über Greta Thunberg kundtun würde. Dass die nicht ausschliesslich positiv ist, dürfte wohl ebenso wenig überraschen wie die heftigen Reaktionen und verbalen Angriffe, die Palmer damit provoziert hat.

Boris Palmer: Träume nicht zerstört

"Liebe Greta, du hast der Welt einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem du es fast alleine geschafft hast, den Klimaschutz in Politik und Gesellschaft endlich zu dem zu machen, was er bei nüchterner Betrachtung ist: Das grösste Menschheitsproblem im 21. Jahrhundert."

Mit diesen lobenden Worten beginnt Palmer seinen Facebook-Post. Doch so kuschelig bleibt es nicht, denn schon im nächsten Satz weist Palmer darauf hin, dass die 16-Jährige "ernsthaften Widerspruch" verdiene, wenn sie falsch läge.

Palmer bezieht sich dabei auf Thunbergs Rede auf dem UN-Klimagipfel. Mit einem emotionalen Auftritt und harten Worten hatte die Aktivistin dort Politiker und Vertreter der Wirtschaft angeklagt: "Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?"

Palmer kontert: " … wir haben deine Jugend nicht zerstört. Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte."

Im Folgenden nennt Palmer Zahlen, die belegen sollen, dass es der Menschheit allgemein heute besser geht. Er betont, dass die "drei grossen Geisseln" Hunger, Seuchen und Krieg längst nicht mehr so grosse Auswirkungen hätten wie vor vielen Jahren.

Krankheiten seien ausgerottet, es gebe immer weniger Kriegsopfer zu beklagen und die Lebenserwartung sei enorm gestiegen. "Die Lebenserwartung eines Neugeborenen lag im Jahr 1800 noch bei 30 Jahren. Heute liegt die Zeit, die einem Mensch zu leben vergönnt sein wird bei 72 Jahren. Die Kindersterblichkeit weltweit ist im gleichen Zeitraum von 44% auf 4% gesunken."

Palmer leugnet Klimawandel nicht

Als Grüner hat Palmer Natur und Umwelt natürlich nicht aus dem Blick verloren und weiss, dass "die Ökosysteme in Gefahr" sind, dennoch lobt er, wie "Staaten, Institutionen und Firmen Hand in Hand für bessere Lebensbedingungen der Menschen arbeiten".

Während Greta fordere: "Ich will, dass ihr in Panik geratet", warnt Palmer genau davor, "weil wir dann die Strukturen zerstören, denen die Mehrheit der Menschheit ihr Leben verdankt und die wir auch brauchen, um den Klimawandel zu stoppen".

Palmer ist weit davon entfernt, den Klimawandel zu leugnen: "Der Klimawandel bedroht uns alle. Wir müssen dir darin folgen, sofort und entschieden zu handeln …"

Dennoch sind die Reaktionen unter seinem Post scharf. Der OB äusserte sich daraufhin ein weiteres Mal zum Thema. "Huch, ich habe Greta kritisiert! Die Shitstormmaschine läuft mal wieder auf Hochtouren. Es gibt leider allzuviele Leute, die es als Sakrileg betrachten, Greta in nur einem Punkt zu widersprechen. Als wäre sie eine Heilige und unfehlbar." (dh)

Bildergalerie starten

"Fridays for Future": Klimastreik vereint Menschen auf der ganzen Welt

An diesem Freitag zeigt sich: "Fridays for Future" hat sich binnen eines Jahres zu einer weltumspannenden Bewegung entwickelt. In allen Ecken der Erde folgen Menschen dem Aufruf zum Streik für mehr Klimaschutz. Die besten Bilder.
Teaserbild: © picture alliance / rtn - radio t / Pacific Press