• Bis zu einem Drittel aller Lebensmittel landet in der Tonne. Das belastet das Klima und kostet unnötig Geld.
  • Mit ein paar Tricks lässt sich eine solche Verschwendung aber vermeiden.

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Im Supermarkt glänzte die Aubergine noch appetitlich, eine Woche später liegt sie runzelig im Kühlschrank und landet schliesslich im Müll: Weltweit werden Jahr für Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Lebensmittelverschwendung entsteht bei der Ernte, beim Transport, in den Verkaufsstellen – und in den Haushalten. Pro Kopf schmeissen Verbraucher in Deutschland laut Umweltbundesamt jährlich 75 Kilogramm Essen weg. Das entspricht zwölf Millionen Tonnen Lebensmitteln in einem Gesamtwert von etwa 20 Milliarden Euro.

Es fehlt an Wissen und Wertschätzung

Das Problem gibt es seit vielen Jahren und es nimmt zu: "Verbraucher und Verbraucherinnen wissen nicht mehr, wie man Lebensmittel richtig lagert", erklärt Daniela Krehl vom Referat Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V. "Hinzu kommt, dass die Haushalte kleiner werden und die Wertschätzung für Lebensmittel fehlt." Letzteres habe auch mit den billigen Preisen für Nahrungsmittel zu tun.

Lange Zeit hat man die Verschwendung hingenommen. Ein wachsendes Umweltbewusstsein führt mittlerweile zu einem Umdenken. Insgesamt gibt es drei Stellschrauben, an denen Konsumenten ansetzen können, wenn sie Klima und Geldbeutel schonen wollen: Einkauf, Lagerung und Verarbeitung.

Im Supermarkt: Impulskäufe vermeiden

Planung ist der halbe Erfolg: Wer Fehlkäufe bei Nahrungsmitteln vermeiden möchte, macht am besten einen Essensplan für die nächsten Tage und geht mit einer Einkaufsliste ins Geschäft. "Dort entstehen die meisten Impulskäufe, zum Beispiel durch Sonderangebote. Diese Dinge werden oft nicht verzehrt, sondern später weggeworfen", weiss die Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung.

Aus dem gleichen Grund solle man nie hungrig zum Einkaufen gehen – man kauft dann mehr und überflüssige Sachen. Lose Ware, aus der Gemüseabteilung oder vom Wochenmarkt, stellt ausserdem sicher, dass nur so viel im Einkaufskorb landet, wie man benötigt.

Es spricht nichts dagegen, sich an Waren zu wagen, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen. "Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, verändern sich die physischen Eigenschaften eines Produkts. Es bedeutet nicht, dass es nicht mehr verzehrfähig ist", meint Krehl. Wer am Samstag den Joghurt mitnimmt, der am nächsten Montag nicht mehr verkauft werden darf, beugt zugleich der Lebensmittelverschwendung im Supermarkt vor. "Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, haftet nicht mehr der Hersteller eines Produkts, sondern der Verkäufer. Supermärkte schmeissen Artikel deshalb frühzeitig weg."

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Kleines Vorratshaltungs-Einmaleins

Wie lange Lebensmittel frisch bleiben, hängt von der richtigen Lagerung ab. Lang haltbare Produkte, etwa Mehl, Reis oder Haferflocken, gibt man idealerweise in fest verschliessbare Gefässe. So verhindert man, dass Lebensmittelmotten hineinfliegen. "Das Umfüllen in Glas- oder Tupperbehälter verhindert, dass Stoffe aus dem Verpackungsmaterial in das Essen übergehen", ergänzt Daniela Krehl.

Im Kühlschrank ist zu beachten, dass die Temperatur von oben nach unten abnimmt. Ganz unten sind deshalb Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse gut aufgehoben. "Obst- und Gemüsefächer sind hermetisch abriegelt. Die Feuchtigkeit darin sorgt für längere Frische, denn oft verschrumpelt Obst und Gemüse aufgrund von Feuchtigkeitsverlust." Reiche der Platz nicht, so könne man Salate, Möhren oder Spargel auch in feuchte Tücher wickeln.

Wenn absehbar ist, dass Fleisch oder Fisch bis zum Verbrauchsdatum nicht aufgegessen werden wird, ist es sinnvoll, das Produkt rechtzeitig einzufrieren. Doch, Achtung: "Fleisch, das unter Schutzatmosphäre verpackt ist, muss man vorher aus der Packung nehmen, da der im Schutzgas enthaltene Sauerstoff zu chemischen Reaktionen führt."

Wer seinen Kühlschrank regelmässig, also mindestens einmal monatlich reinigt, verhindert, dass sich Keime und Bakterien ausbreiten, die den Verderb beschleunigen. Es bietet sich an, dabei die Vorräte zu sortieren und ältere Lebensmittel, die schnell verbraucht werden sollen, nach vorne zu rücken.

Kochen lernen statt Essen wegschmeissen

"Oft fehlt es an Wissen, was sich mit älteren Lebensmitteln anfangen lässt", meint die Ernährungsexpertin. Altes Brot eigne sich zum Beispiel für Arme Ritter, Semmelknödel, Brotsalat oder Croutons. Gemüsereste lassen sich zu einer Brühe verarbeiten, Schrumpelgemüse gibt noch eine würzige Nudelsosse ab.

"Freude am Kochen und Experimentieren führt zu weniger Lebensmittelverschwendung", sagt Krehl. "Die Blätter von Bio-Radieschen werden dann sogar zu Pesto."

Digitale Küchenhelfer: Apps, Rezeptsammlungen & Co.

Wem diese Freude am Ausprobieren nicht in die Wiege gelegt ist, findet Hilfe in seinem App-Store oder im Internet. Webseiten und Apps wie "Zu gut für die Tonne!" oder "Eatsmarter" liefern Rezeptideen für die Resteverwertung.

Lebensmittel, die man nicht mehr rechtzeitig verbrauchen kann, lassen sich via "UXA Foodsharing"-App in der Nachbarschaft weitergeben. Umgekehrt können Verbraucher auch Essen vor dem Müll retten, obwohl die Küche kalt bleibt: Über "Too good to go" oder "ResQClub" bieten Restaurants kurz vor Betriebsschluss günstig restliche Portionen zur Abholung an.

Zur Expertin: Daniela Krehl ist Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V. in München.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Daniela Krehl
  • Verbraucherzentrale: "Geniessen statt wegwerfen: Lebensmittelverschwendung stoppen"
  • Umweltbundesamt: "Lebensmittelverschwendung"
  • bund-naturschutz.de: "Ihr Beitrag gegen Lebensmittel-Verschwendung: Weniger Lebensmittel wegwerfen"
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