Das Tessiner Onsernonetal hat bis Donnerstagnachmittag die grössten Regenmengen verzeichnet. Für die kommenden Stunden erwartet Meteoschweiz erneut grosse Niederschlagsmengen. Diese dürften aber die heutigen Spitzenwerte kaum noch übertreffen.

Das "Ereignis" sei noch nicht vorbei, erklärte Marco Gaia, Leiter Prognose und Beratung bei Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) in Locarno-Monti, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Für die Südschweiz hat Meteoschweiz die Regenwarnung der Stufe 4 (von 5) deshalb bis Freitagmorgen 6 Uhr verlängert. Ursprünglich war die Warnung für Donnerstag bis Mitternacht verhängt worden.

Zwischen Mittwochmittag und dem frühen Donnerstagnachmittag sind in Mosogno im Tessiner Onsernonetal 205 Millimeter Regen gefallen. Damit ist die Gemeinde Spitzenreiter, wie Gaia festhielt.

Das Übergreifen der Niederschläge über den Alpenhauptkamm hin nach Norden sei bisher etwas schwächer als erwartet ausgefallen, heisst es in einem Blogeintrag von Meteoschweiz. Vom Urserental über das Tavetsch und die Täler südlich der Surselva bis ins Avers seien bisher "nur" 30 bis 50 Millimeter Niederschlag gemessen worden.

Am Jura, in der Nordwestschweiz, am westlichen Voralpenrand sowie lokal im Appenzell sind demnach 30 bis 50 Millimeter gefallen. Grund für die Regenfälle ist das umfangreiche Tief Erin mit Zentrum nördlich von Irland. Bei Erin handelt es sich um einen ehemaligen Hurrikan, welcher sich in ein aussertropisches Tief umgewandelt hat.

Vorsorgliche Evakuierungen im Misox

Am Mittwochabend waren im Tessin wegen der prognostizierten starken Regenfälle die Zufahrten zum Pontirone-, Malvaglia- und Bavonatal gesperrt worden.

In Lostallo im Misox GR waren ebenfalls am Mittwochabend vorsichtshalber elf Personen evakuiert worden. Sieben weitere hätten ihre Behausung vorübergehend freiwillig verlassen, hielt die Gemeinde Lostallo auf Anfrage von Keystone-SDA fest.

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Laut Einschätzung von Marco Gaia dürften die Niederschläge insgesamt schwächer ausfallen als bei den beiden starken Unwettern im Juni vergangenen Jahres. Damals waren im Misox und im Maggia- und Bavonatal insgesamt neun Menschen ums Leben gekommen. Zwei Personen werden noch immer vermisst.  © Keystone-SDA