Ein neuer UNICEF-Bericht zieht alarmierende Parallelen zum Darfur-Konflikt vor 20 Jahren. Heute erlebt der Sudan eine noch grössere humanitäre Katastrophe. Besonders Kinder leiden, während internationale Aufmerksamkeit grösstenteils ausbleibt.

Vor zwanzig Jahren erschütterte ein Konflikt in Darfur, im Westen des Sudan, die Weltgemeinschaft. Sudanesische Regierungstruppen und Rebellenbewegungen aus der Region bekämpften sich, darunter litten vor allem Zivilisten. Millionen Menschen wurden vertrieben, Hunderttausende getötet. Das kommt einem heute auf unheimliche Weise bekannt vor.

Das Ausmass dessen, was heute im Sudan passiert, ist nach einem jetzt erschienenen Bericht von UNICEF noch grösser als vor zwanzig Jahren. Dagegen ist die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft heute deutlich weniger wahrnehmbar. Und das, obwohl etwa 33,7 Millionen Menschen im Land dringend humanitäre Unterstützung brauchen, die Hälfte von ihnen Kinder.

Weder Geld noch Aufmerksamkeit für den Sudan reichen

Laut dem Bericht von UNICEF zeigt sich das mangelnde Interesse vor allem in der grossen Finanzierungslücke. Im Jahr 2025 war der UNICEF-Aufruf zur humanitären Hilfe im Sudan nur zu 49 Prozent finanziert.

Zwar wurde bei der diesjährigen Sudan-Konferenz, die im März anlässlich des Jahrestages in Berlin stattfand, ein Hilfspaket von 1,5 Milliarden Euro beschlossen – doch angesichts des Ausmasses dieser grössten humanitären Krise ist auch dies nicht ausreichend.

Der Konflikt im Sudan wütet besonders in Darfur

Der Krieg im Sudan herrscht zwar nicht nur in Darfur, aber hier kam es im letzten Jahr zu besonders schlimmen Massakern und Menschenrechtsverletzungen. 18 Monate stand die Hauptstadt von Nord-Darfur, Al-Fashir, unter Belagerung durch die Rapid Support Forces (RSF) und andere Milizen. Es kamen kaum Nahrung oder andere Hilfsgüter in die Stadt, rund 260.000 Menschen, darunter 130.000 Kinder, waren in der Stadt gefangen, heisst es im UNICEF-Bericht.

Ende Oktober 2025 wurde die Stadt eingenommen. Diejenigen, die es schafften zu fliehen, berichteten von Vergewaltigungen und regelrechten Hinrichtungen von Zivilisten. Viele Familien und Kinder kamen schliesslich völlig erschöpft, ausgehungert und traumatisiert in Geflüchtetencamps unter.

Das Trauma zweier Generationen

Dramatisch sind nicht nur die Zahlen, die den Sudan-Krieg stets begleiten, sondern auch das Trauma, das einige Menschen seit zwanzig Jahren zu bekämpfen versuchen und das sie nun erneut auf die Probe stellt.

"Ich war 2005 ein Kind in Darfur", erzählt Ayoub, ein Mitarbeiter von UNICEF in dem Bericht, "Heute bin ich Vater und ziehe meine eigenen Kinder in einem anderen Krieg gross. Was ich als Kind durchlebt habe, wiederholt sich nun in ihrem Leben – und das ist das Schwerste, was man akzeptieren kann."

Die UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell appelliert an die internationale Gemeinschaft: "Vor zwanzig Jahren vereinte sich die Welt in einem Aufschrei über die Not der Kinder in Darfur. Heute erlebt eine neue Generation entsetzliche Gewalt, Hunger und Terror. Wir können nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt. Kinder in Darfur brauchen Schutz, und humanitäre Hilfe muss sie dauerhaft erreichen können. Die Konfliktparteien müssen diesen Krieg beenden."

Die Zukunft des Sudan ist bedroht

Doch selbst wenn der Krieg im Sudan heute beendet würde, wären die Folgen noch jahrelang spürbar. Hunderttausende Kinder sind derzeit schwer mangelernährt. UNICEF geht davon aus, dass es in 2026 4,2 Millionen Fälle von akuter Mangelernährung bei Kindern bis zu fünf Jahren sowie bei schwangeren und stillenden Frauen geben wird.

Durch die fehlende Nahrung fehlt vor allem Kleinkindern die Möglichkeit, sich körperlich und kognitiv vollständig zu entwickeln. Dies habe Auswirkungen auf ihre Fähigkeit zu lernen und darauf, später einen gutbezahlten Beruf zu ergreifen, sagt UNICEF-Ernährungsexperte Senan Alajel in einem Interview mit unserer Redaktion. Eine ganze Generation könnte verloren sein, sollte die Welt nicht eingreifen. Bereits jetzt wurde in Teilen Darfurs eine Hungersnot ausgerufen.

Der Einfluss des Krieges auf das Leben der Kinder ist allumfassend, bestätigt auch Dr. Mouwaia, ein Gesundheitshelfer aus Nord-Darfur, im UNICEF-Bericht: "Die Gesundheit eines Kindes hängt nicht nur von medizinischen Leistungen ab; es geht um viele andere Dinge. Ohne Frieden gibt es keine Prävention. Ohne Frieden gibt es keine Gesundheit. Gewalt zerstört alles im Leben eines Kindes."

UNICEF fordert freien Zugang und internationale Unterstützung

Als die Gewalt in Darfur in 2005 ausbrach, zeigte sich, wie entscheidend es ist, Kindern mit koordinierter Unterstützung zu helfen. Zusätzlich war damals der Zugang zu den Menschen leichter. Heute werden Lieferungen lebensnotwendiger Güter blockiert, der Konflikt und die andauernden Gefechte erschweren es Hilfsorganisationen wie UNICEF, die Menschen zu erreichen.

"Früher konnten wir uns frei bewegen, um die Gemeinden zu erreichen", sagt eine UNICEF-Kinderschutzspezialistin im Bericht. "Nach 2023 änderte sich alles: Die Zugangswege brachen zusammen, Familien wurden erneut vertrieben, und das soziale Gefüge zerbrach."

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Die Welt, so heisst es im Bericht, dürfe nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt. Der Appell lautet: Es muss endlich gehandelt werden.

Verwendete Quellen