• Kann Gürtelrose eine Folge der Corona-Impfung sein?
  • Eine Studie führt die Infektionskrankheit als eine mögliche Nebenwirkung von mRNA-Impfstoffen auf.
  • Was Sie über Gürtelrose wissen sollten - und ob ein Zusammenhang mit der Corona-Impfung erklärbar ist.

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Das Risiko, nach der Corona-Schutzimpfung eine schwere Nebenwirkung zu erlangen, ist extrem gering. Neben den üblichen Impfreaktionen können in sehr seltenen Fällen Thrombosen oder Gesichtslähmungen auftreten.

Daten aus der Schweiz und Israel deuten nun auf eine weitere mögliche Impfkomplikation nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna hin: die Gürtelrose. Aber was ist Gürtelrose überhaupt - und ist ein Zusammenhang mit der Corona-Impfung erklärbar?

Was ist eine Gürtelrose?

Die Gürtelrose (wissenschaftlich Herpes Zoster) ist eine akute Infektionskrankheit, die durch eine Reaktivierung des Windpocken-Virus, des sogenannten Varicella-Zoster-Virus, ausgelöst wird. Das Virus gehört zur Familie der Herpes-Viren und kann sich zum Beispiel nach einer Infektion im Kindesalter lebenslang im Körper einnisten. Jeder, der bereits an Windpocken erkrankt war, kann dementsprechend auch an Herpes Zoster erkranken.

"Nach der Windpockeninfektion verbleibt das Virus in Nervenknoten und schlummert dort für viele Jahre. Wahrscheinlich wacht es zwischendurch immer mal wieder auf, wird aber durch unser Abwehrsystem in Schach gehalten", erklärt Daniela Huzly, Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. "Durch Einflüsse, die diese Immunabwehr herabsetzen, kann sich das Virus nach einem solchen Aufwachen ungestört vermehren und ausbreiten." Die Infektion breitet sich dann entlang der Nervenbahnen aus und landet schliesslich oft an der Haut, wo es zur Bläschenbildung und Entzündungsreaktion kommt.

Was sind die Symptome einer Gürtelrose wie gefährlich ist sie?

Frühe Symptome einer Infektion sind meist

  • allgemeine Schlappheit,
  • ziehende Schmerzen an einer Körperstelle,
  • häufig in Verbindung mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen.

Diese Symptomatik beginnt in der Regel einige Tage bevor sich das typische Krankheitsbild einer Gürtelrose zeigt:

  • Rote Flecken und Hautausschlag an einer Körperseite,
  • rote Bläschen, die starke Schmerzen verursachen
  • und sich meist wie ein Gürtel um den Rumpf ziehen.

Da die Viren auf dem Weg zur Haut Nervenzellen schädigen, entstehen häufig die typisch ziehende Nervenschmerzen. Nach Abheilen des Ausschlages können an den betroffenen Körperstellen weiterhin Nervenschmerzen auftreten, die im schlimmsten Fall Jahre anhalten.

Aber nicht immer kommt es bei der Ausbreitung des Virus auch zu einer Hautbeteiligung. Gürtelrose im Gesicht kann besonders gefährlich werden und an Augen oder Ohren zu Erblinden oder Hörverlust führen. Ist auch das Gehirn beteiligt, droht eine Hirnhautentzündung.

"Eine frühe Diagnose und Behandlung ist sehr wichtig. Es gibt antivirale Substanzen, die gegen das Virus wirken", sagt Huzly. Um die Erkrankung wirkungsvoll zu behandeln, müsse die Therapie sofort bei der Diagnosestellung beginnen. "Es zählt jeder Tag, denn schon ab dem dritten Tag nach Beginn des Ausschlags wird die Behandlung weniger wirkungsvoll. Ausserdem besteht das Risiko, dass die Schmerzen nicht weggehen oder sogar schlimmer werden und dauerhaft behandelt werden müssen", warnt die Virologin.

Eine Schwächung des Immunsystems als häufiger Auslöser

Nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich mehr als 300.000 Personen an Herpes Zoster. Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems, zum Beispiel durch eine Impfung, kann das eingenistete Virus bei bereits Infizierten wieder aktiv werden und die Gürtelrose auslösen.

Häufig betroffen sind Menschen über 50 Jahre, da das Immunsystem mit den Jahren abwehrschwächer wird. Aber auch jüngere Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder Menschen mit rheumatischen Erkrankungen und alle, die immunschwächende Medikamente einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko. "Auch übermässiger Stress oder eine schwere Infektion, wie zum Beispiel COVID-19 kommen als Auslöser in Frage", sagt Huzly.

Im Zuge der Vierfachimpfung MMRV steht Kindern seit 2004 eine Impfung gegen Windpocken zur Verfügung, sie schützt dementsprechend auch vor Gürtelrose. Für Personen ab 50 Jahren, die im Kindesalter keine Windpocken-Impfung erhalten haben, wurde 2018 ein Herpes-Zoster-Impfstoff zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren.

Ansteckungen mit dem Varicella-Zoster-Virus sind möglich, allerdings nur über direkten Hautkontakt mit der Bläschen-Flüssigkeit. Wer nicht immun ist, also noch keine Windpocken hatte oder nicht dagegen geimpft ist, kann sich an den infektiösen Gürtelrose-Bläschen mit dem Virus anstecken und dann zunächst an Windpocken erkranken. Betroffenen Hautareale sollten deshalb bis zum Verkrusten der Bläschen gut abgedeckt werden.

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Gürtelrose als Nebenwirkung der Corona-Impfung?

Unlängst gab es Verdachtsmeldungen von Impfreaktionen im Zusammenhang mit den COVID-19-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Sie wurden in den letzten Monaten in der Schweiz vom Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic erfasst und ausgewertet.

Bis zum 18. Mai wurden nach etwa 3,7 Millionen verabreichten Impfdosen in 2.269 Fällen Nebenwirkungen gemeldet. Bei 121 Personen kam es demzufolge nach der Impfung zu einer Herpes-Zoster-Reaktivierung, in 61 Fällen wurde der Verlauf als schwerwiegend eingestuft. Damit lieg die Gürtelrose als mögliche Impfreaktion auf Platz drei der gemeldeten Fällen, die als schwerwiegend eingestuft werden, und zwar nach Fieber (103 Fälle) und Kopfschmerzen (61 Fälle).

Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Impfung und der Infektionskrankheit besteht, wird aktuell untersucht und ist nicht bewiesen.

Lesen Sie hier: Kaum Nebenwirkungen nach Impfung: Bedeutet das weniger Schutz?

Wie ist der aktuelle Wissensstand?

"Rein theoretisch kann eine Impfung durch die Immunreaktion im Körper zu Mechanismen führen, die eine Aktivierung der Virusvermehrung zur Folge haben kann", erklärt Huzly. "Ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und dem doch recht häufigen Ereignis der Gürtelrose ist aber sehr schwer nachzuweisen."

Auch in Israel waren Gürtelrose-Fälle nach der Verabreichung der Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer aufgetreten. Die Betroffenen litten aber hier bereits zuvor an rheumatischen Autoimmunerkrankungen und wurden in einer Studie der Universität Tel Aviv gezielt auf mögliche Impfreaktionen beobachtet. Von 491 Rheuma-Patienten und -Patientinnen kam es bei sechs Personen nach der Corona-Impfung zum Ausbruch der Herpesviren und zur Bildung einer Gürtelrose.

"Im Rahmen der Impfkampagnen gegen COVID-19 wurde in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit eine unfassbar grosse Zahl an Personen geimpft. Insbesondere die Personengruppe über 60 Jahren wurde immunisiert, dies ist auch die Personengruppe, die ein steigendes Risiko hat, an einer Gürtelrose zu erkranken", sagt die Expertin.

Je mehr Personen man impft, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass zufällige Erkrankungsereignisse zeitlich mit der Impfung zusammenfallen. "Dafür, dass so viele sehr alte Menschen die Impfstoffe erhalten haben, sind erstaunlich wenige Zosterfälle berichtet worden. Rein statistisch hätte man mehr erwarten können, ohne dass ein sachlicher Zusammenhang mit der Impfung besteht."

Über die Expertin: Dr. med. Daniela Huzly ist Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und leitende Oberärztin im Institut für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. med. Daniela Huzly
  • Robert-Koch-Institut: Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung
  • Swissmedic: Nebenwirkungen der Covid-19 Impfungen in der Schweiz – Update, Stand 21.05.2021
  • Oxford Academic: Herpes zoster following BNT162b2 mRNA COVID-19 vaccination in patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases: a case series
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