Aufgrund einer Nasennebenhöhlenentzündung konnte Virologe Christian Drosten heute erstmals nicht am "Coronavirus-Update" des NDR teilnehmen. Mit einem spannenden Blick hinter die Kulissen des Podcasts mit Deutschlands bekanntestem Virologen bot der Sender jedoch ein Alternativprogramm.

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"Heute ist alles anders", verriet "NDR Info"-Wissenschaftsredakteurin Korinna Hennig zu Beginn des Podcasts am Mittwoch. Dort hätte eigentlich wie gewohnt die Stimme Christian Drostens zu hören sein sollen.

Dem war aber nicht so - denn Drosten war krank. "Nein, es geht nicht um eine Infektion mit dem Coronavirus", beugte Hennig im Podcast Gerüchten vor. Der Virologe habe eine Nasennebenhöhlenentzündung.

Drosten-Podcast: Ein Blick hinter die Kulissen

Das Hörfunkprogramm NDR Info machte aus der Not eine Tugend und gewährte seinen Hörern in Abwesenheit des Virologen einen Blick hinter die Kulissen des täglichen Podcasts.

Von Norbert Grundei aus dem NDR- Innovationspool "Think Radio" wollte Hennig eingangs wissen, wie es überhaupt zum Podcast gekommen sei. Grundei, von dem die Idee stammte: "Ich hatte Christian Drosten schon in mehreren unterschiedlichen Sendungen gesehen und fand ihn als Gesprächspartner einfach super-interessant."

Danach liess der NDR-Mann, der einen absoluten Experten zum damals noch nicht so verbreiteten Coronavirus suchte, Christian Drosten eine förmliche Nachricht mit der Idee für den Podcast zukommen. "Zurück kam die folgende unförmliche E-Mail ohne Anrede: 'Bin gerade unterwegs, finde die Idee gut, Montag können wir anfangen'", erzählte Grundei.

Gut, dass das mit den fünf Minuten nicht klappte

"Diese spontane Antwort – mittlerweile sind wir ja täglich mit ihm im Gespräch – ist so sein Stil", bestätigte auch Hennig. Sie war vor ein paar Wochen über Drostens umgehende Zusage ebenso überrascht gewesen.

Zunächst sollte der Virologe eigentlich jeden Tag nur für rund fünf Minuten etwas zur aktuellen Situation rund um COVID-19 abliefern. "Aber gleich die erste Folge dauerte dann 30 Minuten lang", sagte Hennig im Coronavirus-Update vom Mittwoch. Und die Reaktion der Hörer sei dennoch überaus positiv gewesen. "Offenbar ist diese Länge gewünscht und gewollt", freute sich die Journalistin.

Podcast "zack, zack" auf die Beine gestellt

Erstaunlich auch: Innerhalb von nur 24 Stunden wurde der Podcast von NDR Info organisiert und auf die Beine gestellt. "Erst am Tag davor haben wir uns zusammengesetzt und zack, zack die Aufgaben verteilt. Man muss ja schliesslich ein Cover finden, eine Soundverpackung kreieren, eine Pressemitteilung verfassen und natürlich den Podcast technisch vorbereiten", erklärte Katharina von "Think Radio".

Grundei zufolge wurde im Unternehmen noch nie so schnell etwas dieser Dimension auf die Rampe gebracht. "Die Geschwindigkeit, in der das passiert ist, war wirklich unglaublich. Wir waren auch zwei Tage nach dem Start schon auf Platz eins bei 'Apple Podcasts'", sagte der NDR-Mann.

Drostens Expertise von Beginn an ein Renner

Im Moment liege man bei deutlich über 20 Millionen Podcast-Abrufen über alle Folgen hinweg, verriet Grundei noch. Dass nach Podcasts von bekannten Influencern schon mal zahlreiche Rückmeldungen kommen können, damit rechnet man bei NRD Info immer.

Aber auch Drosten erntete von Beginn an unglaublich viel Feedback. Auch für Adrian Feuerbach, Programmchef von NDR Info und NDR-Hörfunk-Redakteur, war dies nicht abzusehen. "Das wäre vollkommen vermessen, das im Nachhinein so darzustellen. Niemand von uns hat mit dieser irren Reichweite und Bedeutung gerechnet."

Dass Drosten auch nicht davor zurückschreckt, Komplexes und schwer Verständliches aufzugreifen, ist für Feuerbach eine Qualität dieses Podcasts. "Ich bewundere sehr an ihm, dass er selbst dieser Versuchung, auf kurze griffige Schlagzeilen zu gehen, zu keinem Zeitpunkt unterliegt", so der Programmchef.

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Panikmache und Besänftigung? Nicht Drostens Ding

Die Vielzahl an positiven Feedbacks überraschte auch Korinna Hennig: "Normalerweise schreiben ja eher jene Leute, die etwas zu bemängeln haben – sowohl bösartige Mails als auch konstruktive Kritik. Jetzt gibt es aber – und das ist, glaube ich, nicht nur gefühlt – zu 98 Prozent Lob."

Dass für viele Menschen der Drosten-Podcast auch ein Erstkontakt mit anspruchsvollem Wissenschaftsjournalismus ist, "ist etwas, das mir grosse Freude bereitet", konstatierte auch Hennigs Kollege Grundei.

Der Journalist weiter: "Christian Drosten hat mir auch immer gesagt: Das Wichtigste aus seiner Sicht sei, dass die Leute in dieser Krise gut informiert werden." Um Besänftigung oder Panikmache würde es dem Mann, der uns das Coronavirus erklärt, dabei nie gehen. Die Zuhörer wissen das zu schätzen.

"Wir haben bereits so an die 16.000 E-Mails bekommen. Deshalb ist das Team hinter dem Podcast auch gross", sagte Feuerbach. Es gebe Tage, an denen zehn Kollegen daran beteiligt sind.

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"Lassen Sie diese lästigen Zwischenfragen!"

Das Coronavirus-Update mit dem Virologen Christian Drosten wird in 50 bis 60 Ländern weltweit gehört. Auch eine chinesische Übersetzung existiere bereits.

Korinna Hennig, die Drosten abwechselnd mit Kollegin Anja Martini interviewt, erzählte am Schluss des "Making of"-Podcasts noch eine kleine Anekdote. Sie habe kürzlich aus den USA folgende E-Mail erhalten: "Meine ganze Familie hört hier den Podcast, weil er ganz super ist. Wir verlassen uns auch darauf. Aber bitte lassen Sie diese lästigen Zwischenfragen!"

Dabei geben Hennigs Fragen dem Podcast die Struktur, die er auch braucht.

Tägliche Dosis "Drosten" bis Ostern fix

Bis Ostern ist das Coronavirus-Update in jedem Fall noch täglich zu hören. "Danach wird man sehen", sagt Norbert Grundei. Christian Drostens Interesse daran sei aber an sich gross, lässt uns der Journalist hoffen. Morgen soll der Virologe wieder wie gewohnt zu hören sein.

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