Einmal in Artikeln der "Times of India" oder des "Mumbai Mirror" erscheinen, vielleicht sogar auf der Titelseite – für einen Europäer eine seltene Ehre, wenn er nicht gerade Präsident oder ein weltweit bekannter Künstler ist. Der 24-jährige Jakob Lindenthal brachte kurz vor Weihnachten dieses Kunststück unfreiwillig fertig. Allerdings mit überraschenden Folgen.

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Rückblick: Es ist Mitte Dezember, noch wenige Tage bis Weihnachten. Der angehende Physiker Jakob Lindenthal ist als Gaststudent an der IT in Madras in Südindien. Überall in Indien gibt es in letzter Zeit Demonstrationen. Die rechtskonservative Regierung von Narendra Modi möchte ein Einwanderungsgesetz verschärfen. Gegen dieses Vorhaben protestieren zahlreiche Inder.

Ein hellhäutiger Student mit der deutlichen Botschaft

Auch einige Freunde und Kommilitonen von Lindenthal sind gegen das Gesetz. Lindenthal, ein politisch interessierter junger Mensch begleitet seine Freunde. Unter den Tausenden indischen Demonstranten sticht er als einer der ganz wenigen europäisch Aussehenden hervor. Ein Beitrag auf der Internetseite www.ndtv.com zeigt Lindenthal, wie er ein Plakat aus Pappe in die Luft hält. Darauf steht: "1933-1945 We have been there“. Übersetzt 1933-1945 – Wir waren dabei. Mit dem Plakat spielt Lindenthal auf die Rassengesetze der Nazis an. Es soll eine Ermahnung sein.

Der hellhäutige Student mit der deutlichen Botschaft macht auch die lokalen Journalisten neugierig. "Das Medieninteresse war überraschend gross. Ich wurde von relativ vielen Journalisten interviewt.“ Vier Tage später, an Heiligabend sitzt er nicht mehr in Madras, sondern am Flughafen von Delhi und wartet auf seine Ausreise. Er wurde ausgewiesen. Das Kapitel Gastsemester in Indien ist da erst einmal vorüber. Wie kam es dazu?

Kurz nach dem Demobesuch bekam er eine Mail der Ausländerbehörde. Er solle am darauffolgenden Montag, 23. Dezember, vorstellig werden. Anscheinend gebe es irgendeine Sache wegen seiner Anmeldung als Gaststudent. Nichts Wildes, also. Weil die Mail an einem Samstag kam, hatte er sie nicht gleich bemerkt. Erst als sich auch die Univerwaltung bei ihm meldete, konnte er gerade noch rechtzeitig reagieren.

Verhör statt Smalltalk

Auf der Behörde ging es dann auch zunächst um ein vermeintliches Fristversäumnis. "Wir konnten das auch ausräumen“, erinnert sich Lindenthal. Danach begann die Beamtin mit ihm einen Plausch. "Wir kamen auf die Demos zu sprechen“, erinnert er sich. "Sie fragte mich über meine politische Meinung.“ Da dämmerte es ihm noch nicht, dass dies kein harmloser Smalltalk war. Er war durch die Medienberichte und seine Demoteilnahme offenbar in das Visier der Behörden geraten. Man hatte ihn gezielt unter einem Vorwand einbestellt, um ihn auszuhorchen. "Die Beamtin erscheint auch rückblickend gut vorbereitet gewesen zu sein“, sagt Lindenthal heute. Danach liess man ihn erst einmal warten.

Einige Zeit später machten ihm die Beamten jedoch klar, dass es nicht um eine Frist, sondern seine Demoteilnahme gegangen war. Lindenthal wollte nicht aufgeben, versuchte zu verhandeln. Er schien Glück zu haben. Zunächst bot man ihm an, ein Entschuldigungsschreiben zu unterschreiben. Er nahm an. Nach einer weiteren Stunde Wartens die Kehrtwenden. Keine Entschuldigung, keine Aufenthaltserlaubnis. Er habe bis Mitternacht Zeit das Land zu verlassen. Da war es schon Nachmittag.

Deutsches Konsulat bietet keine Hilfe an

Die Zeit drängte. Lindenthal telefonierte mit dem deutschen Konsulat. "Das war allerdings überhaupt keine Hilfe.“ Lapidar teilte man ihm mit, er habe sich nach den Vorgaben der indischen Behörden zu richten. Statt Beistand erhielt er eine Liste deutschsprachiger Anwälte, an die er sich wenden könnte. Doch da war es schon kurz vor Büroschluss.

Weiteren Stress mit den Behörden wollte er nicht riskieren. Er dachte: "Wenn es schon sein muss, dass ich Indien verlassen muss, dann möchte ich wenigstens Heiligabend zu Hause sein“, dachte er sich. Nur leider klappte das auch nicht. Der auf die Schnelle herausgesuchte Flug über Delhi nach Amsterdam hatte ein paar Stunden Verspätung. Lindenthal musste in Delhi einen Zwangsstopp einlegen – ausgerechnet an Heiligabend.

Und wie ging es weiter? Am 25. Dezember traf Lindenthal in Deutschland ein. Ganz aufgegeben hat er noch nicht, dass er sein Auslandssemester, das eigentlich bis Mai dieses Jahres gehen sollte, doch noch zu Ende bringen darf. "Ich habe die ganze Kommunikation in der Sache an die TU Dresden gegeben. Zehn Tage, so schätzt er, könnte er noch Hoffnung haben. "Danach wäre das Semester zu weit fortgeschritten“, sagt er. Der Anschluss wäre verloren. Zeit verloren hat er zum Glück nicht. Inzwischen ist er wieder in Dresden, ist in den laufenden Unibetrieb eingestiegen. "Es ist also kein beruflicher Schaden entstanden.“ Aber schade sei es schon.

Verwendete Quellen:

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