Zwischen Juni und Anfang September kamen in einer Gelsenkirchener Klinik drei Kinder mit Handfehlbildungen zur Welt. Die Klinik selbst bezeichnet die mehrfach auftretenden Missbildungen als "auffällig" - doch die Suche nach den Ursachen gestaltet sich schwierig. Bundesgesundheitsminister Spahn hat nun Aufklärung zugesagt.

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Ist es Zufall oder steckt mehr dahinter? In Nordrhein-Westfalen waren zuletzt binnen kurzer Zeit mehrere Babys mit Fehlbildungen an den Händen auf die Welt gekommen. In einem Krankenhaus in Gelsenkirchen wurden innerhalb weniger Monaten drei Kinder mit deformierten Händen geboren.

Die Suche nach der Ursache für die Fehlbildungen der Neugeborenen blieb bislang erfolglos. Mittlerweile melden Mediziner und Hebammen bereits ähnliche Fälle aus anderen Bundesländern.

Datenerhebung zu Fehlbildungen bei Babys geplant

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nun Aufklärung versprochen. "Wir nehmen das ernst, wir schauen uns das an", sagte Spahn laut den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in Berlin.

Die Länder wollen dazu weitere Informationen einholen. Bei Krankenhäusern in allen Ländern soll abgefragt werden, ob ähnliche Fehlbildungen aufgefallen sind. Das sei am Dienstag bei einer Telefonkonferenz vereinbart worden, teilte auch ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums in München mit.

Gleichzeitig wandte sich Spahn gegen voreilige Schlüsse: "Wir ziehen erst dann Schlussfolgerungen, wenn wir auch etwas wissen". Es gehe jetzt darum herauszufinden, ob es tatsächlich eine Häufung solcher Fehlbildungen bei Babys gebe, sagte Spahn laut RND. Dabei zeigte er sich grundsätzlich offen für ein zentrales Register, wie es der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bereits forderte.

Fehlbildungen in Frankreich bereits länger ein Thema

Die Klinik in Gelsenkirchen meint allerdings: "Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig", hatte das Krankenhaus bereits in einer offiziellen Stellungnahme mitgeteilt.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erklärte dazu, Fehlbildungen könnten unterschiedliche Ursachen haben. Insbesondere Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft unter anderem durch Infektionen auftreten, seien insgesamt aber selten.

Dennoch rufen die Fälle Erinnerungen wach - etwa an den Contergan-Skandal der 1960er-Jahre. Oder auch an mehrere Fälle in Frankreich: Dort waren bereits seit vergangenem Jahr in verschiedenen ländlichen Regionen mehrfach Babys mit fehlgebildeten Armen und Beinen auf die Welt gekommen. In der Öffentlichkeit wurde über womöglich verunreinigtes Grundwasser oder Pestizide spekuliert, eine wissenschaftliche Bestätigung dafür gibt es bis jetzt jedoch nicht.

Verwendete Quellen:

  • Deutsche Presse Agentur dpa
  • AFP
  • Arte: Mehrere Babys mit Fehlbildungen an Händen binnen kurzer Zeit in NRW geboren
  • Süddeutsche Zeitung: Babys in Frankreich: Kann das wirklich Zufall sein?

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