Hunderte Menschen randalieren in Stuttgarter Innenstadt - Polizisten verletzt

In Stuttgarts Innenstadt haben sich in der Nacht zu Sonntag (21. Juni 2020) hunderte Menschen Strassenschlachten mit der Polizei geliefert. Bei den gewalttätigen Ausschreitungen seien die Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen beworfen worden, berichtete die Polizei. Zudem wurden Schaufenster eingeschlagen, Läden geplündert.

Auch die Polizei wurde angegriffen, mehrere Beamte wurden verletzt.
"Die Ausschreitungen, die wir in der Nacht in Stuttgart erleben mussten, waren von einer in Baden-Württemberg bisher noch nie da gewesenen Qualität", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Sonntag.
Nach den Ausschreitungen will Strobl gegen die Randalierer mit der vollen Härte des Rechtsstaats vorgehen. Am Polizeipräsidium Stuttgart sei eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden, das Landeskriminalamt werde die Ermittlungen unterstützen. Er werde den Landtag in einer Sondersitzung des Innenausschusses am Mittwochmorgen noch vor der Plenarsitzung informieren.
Mehr als 200 Polizisten aus dem Stuttgarter Umland wurden vorübergehend in die Landeshauptstadt beordert, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Sogar Polizeihubschrauber flogen über die Stadt.
Während einer Kontrolle anlässlich eines Drogendelikts hätten sich viele Feiernde gegen die Polizisten solidarisiert, teilte die Polizei mit. Die Menschen, viele von ihnen vermummt, zogen demnach anschliessend randalierend in Richtung Schlossplatz. Es flogen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, Schaufenster wurden eingeschlagen.
Die Polizei sprach von mehreren hundert Menschen, die in Kleingruppen unterwegs gewesen seien. Der Grossteil der aus dem Umland angerückten Einsatzkräfte hat Stuttgart inzwischen wieder verlassen, wie ein Sprecher der Polizei am Morgen sagte.
Schwerpunkte der Randale seien der Schlossplatz und die benachbarte Königstrasse gewesen, die als Stuttgarts Shoppingmeile bekannt ist. Am Morgen sicherte die Polizei Spuren.
Die Schäden waren bei Tageslicht deutlich zu sehen: Schaufensterscheiben mehrerer Handy-Läden wurden eingeschlagen, auch ein Eiscafé und ein bekanntes Bekleidungsgeschäft waren von der Randale betroffen.
Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat die Ausschreitungen in seiner Stadt scharf verurteilt. "Eines muss klar sein: Es darf keine rechtsfreien Räume in Stuttgart geben", teilte Kuhn am Sonntagmorgen auf Twitter mit.
"Ich bin schockiert von dem Ausbruch an Gewalt, von den Angriffen auf die Polizei und den Zerstörungen in unserer Stadt. Das ist ein trauriger Sonntag für Stuttgart", so Kuhn weiter.
Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann fand deutliche Worte. Er sprach am Sonntag von einem "brutalen Ausbruch von Gewalt". "Diese Taten gegen Menschen und Sachen sind kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören", teilte der Grünen-Politiker mit. "Die Bilder aus der Stuttgarter Innenstadt können uns nicht kalt lassen." Seine Gedanken seien bei den verletzten Polizeibeamten und den durch die Plünderungen Geschädigten. Nun müsse man die Faktenlage und die Erkenntnisse zusammentragen und mit Hochdruck klären, wer dahinter stecke.
Die Reinigungskräfte hatten jedenfalls jede Menge Arbeit, um am Morgen danach die Spuren der Verwüstung zu beseitigen.